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Hans Herrmann über Graf Berghe von Trips

"Du hast einen viel zu langen Namen"

Graf Berghe von Trips Foto: Archiv 27 Bilder

Hans Herrmann zählte zu den Weggefährten von Deutschlands erstem Grand Prix-Sieger. Der heute 82-jährige Schwabe erinnert sich an die aufregende Zeit mit Wolfgang Graf Berghe von Trips.

10.09.2011 Michael Schmidt

"Als erstes erinnere ich mich an eine Frage von ihm. Ich war bereits der kommende Mann im deutschen Motorsport, Trips noch relativ unbekannt. Er wollte wissen, wie er auch dahin kommen könne. Ich sagte zu ihm: Du hast einen viel zu langen Namen. Das kann sich kein Mensch merken. Du bist Graf Trips, und Schluss."

"Er war ein sehr netter, liebenswerter, gut erzogener Kerl, ein echter Gentleman. Er war eine Erscheinung, sah gut aus, und dann noch der Adel. Er war ein Idol, jemand der die Massen begeistert hat. Das spielte bei Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein schon eine Rolle. Er hat sichergestellt, dass der Wolfgang immer ein gutes Auto bekam."

Porsche-Duell auf der Solitude

"Wir haben uns gut verstanden und haben uns gegenseitig respektiert. Allerdings sind mir zwei Rennen auf der Solitude in Erinnerung, die nicht ganz in dieses Schema passten. Beim ersten Mal, es war am 22. Juli 1956 auf der Solitude, fuhren wir beide auf Porsche. Es gab vier Werkswagen, und Ferry Porsche sagte zu uns: Der Fahrer, der sich in der Anfangsphase die Spitze erobert, darf vom Teamkollegen nicht mehr attackiert werden. Er wollte damit verhindern, dass der bestraft wird, der am Anfang sein Auto, seine Reifen, seine Bremsen bis an die Grenzen strapaziert, von denen gejagt wird, die zu Beginn das Material schonen.

Ich lag also vorne. In der letzten Runde lag Trips hinter mir. Für mich war klar, der greift nicht mehr an. Doch dann ist er nach Start und Ziel links reingestochen. Da war ich so sauer, dass ich auf dem Gas blieb, auch auf die Gefahr hin, dass wir beide rausfliegen. In der nächsten Kurve lag ich günstiger und zog wieder nach vorne."

Trips schlägt Herrmann im Ferrari

"Das zweite Mal, das war am 24. Juli 1960, sind wir noch einmal auf der Solitude zusammengetroffen. Es galt schon die 1,5 Liter Formel. Ich fuhr Porsche, Trips Ferrari. Porsche hatte fünf Werksautos am Start. Jim Clark hätte auf dem Lotus vermutlich das Rennen gewonnen, er fiel aber aus. So habe ich die Führung geerbt. Wieder die letzte Runde, auf der langen Geraden zum Hotel Schatten runter.

Trips sitzt mir mit dem Ferrari im Nacken. Vorher hatte er sich von mir die Linie in der Kurve abgeschaut, die in die Gerade führt. Er war mit seinem Sechszylinder auf der Geraden eine Idee schneller als ich mit meinem Vierzylinder-Porsche. Ich hätte vor der Kurve am Schatten-Hotel die Türe zuwerfen können, habe es aber nicht gemacht. So konnte er mich aus dem Windschatten raus überholen. An dem Tag war ich der Edelritter und gleichzeitig der Depp. Das hat man mir bei Porsche sehr übel genommen. Ich hätte den Ferrari-Sieg auf der Porsche-Hausstrecke verhindern müssen, hieß es."

Herrmann: "Trips nicht ganz auf dem Niveau von Sterling Moss"

"Trips musste alle zwei, drei Stunden etwas essen. Er hatte Diabetes oder so etwas Ähnliches. Am Anfang hatte er viele Crashs. Aber dann hat er sich gemacht. Egal ob Formel 1 oder Sportwagen, er war überall stark. Nicht ganz das Niveau von Stirling Moss, der einfach alles konnte. Trips hatte seine Schwankungen, auch vom Gemüt her."

"Wir waren beide Autotester in dieser Zeit. Ich habe für die Bunte Autotests gemacht, er für die Bild-Zeitung. In der Woche vor dem Monza-Rennen haben wir uns in der Camargue getroffen, um einen neuen Renault zu fahren. Da muss es ein nettes Bild mit uns beiden geben. Aus Blödsinn sind wir mit dem Renault auf den Strand gefahren, hatten aber unterschätzt, dass irgendwann die Flut zurückkommt. Plötzlich standen wir alle im Wasser. Die anderen hatten wenigstens Badehosen dabei, nur ich nicht. Wir mussten einen Bauern holen, um das Auto wieder rauszuschleppen."

Ende der Ära von Trips

"Bei dem Monza-Rennen 1961 war ich nicht am Start. Ich war mit dem Redakteur gerade aus Südfrankreich zurückgekehrt und habe mit ihm an einem Fahrbericht gearbeitet. Den Grand Prix haben wir am Radio verfolgt. Günther Jendrich höre ich noch heute, wie er plötzlich sagt: Ich muss ihnen folgende Mitteilung machen. Wolfgang Graf Berghe von Trips hatte einen Unfall. Ohne zu wissen, was genau passiert ist, hatte ich gleich eine böse Vorahnung. Ich dachte: Oh Mensch, der Wolfgang. Und so kam es dann auch. Dann waren wir alle bei der Beerdigung."

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