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Hat Mercedes das beste Auto?

China-Vorsprung dank neuer Nase

Mercedes - Formel 1 - GP China - Shanghai - 18. April 2014 Foto: xpb 46 Bilder

Mercedes präsentierte sich in Shanghai so überlegen wie noch nie in der Saison. Obwohl das Streckenlayout nicht so günstig für die Silberpfeile war wie in Bahrain. Das lässt den Schluss zu, dass der Mercedes AMG W05 nach der Nasenkorrektur auch das beste Auto im Feld ist.

29.04.2014 Michael Schmidt

Bei den ersten drei Rennen galt folgende Regel. Red Bull hat das beste Auto, Mercedes den besten Motor. Ferrari liegt irgendwo mittendrin. Je geringer der Anteil an Geraden, umso näher ist Red Bull an Mercedes dran. Siehe Malaysia. Im Regen sowieso. Ferrari profitierte ebenfalls von einem Layout mit einem höheren Kurvenanteil. Aber nur im Vergleich zu den Mercedes-Kundenteams. Mercedes und Red Bull lagen durchweg vor Ferrari.

Seit dem GP China gilt diese Regel nicht mehr. Mercedes ist überall die Nummer eins. Zum Teil mit erschreckendem Zeitabstand. Die Strecke in Shanghai eignet sich gut zur Speed-Analyse, weil sie drei unterschiedliche Sektoren anbietet.
 
Der erste beinhaltet einen Teil der Zielgeraden, die Schneckenkurve, eine Haarnadel und etwa 300 Meter der zweiten Gerade. Sektor 2 bietet eine Spitzkehre, zwei schnelle Kurven, zwei eckige Dritte-Gang-Ecken und wieder 300 Meter Gerade. Der letzte Abschnitt besteht aus zwei harten Bremspunkten, einem lang gezogenen Rechtsbogen, 1.175 Meter Gerade, einer Haarnadel, wieder 300 Meter geradeaus und der 150 km/h schnelle Linkskurve in die Zielgerade hinein.

Mercedes macht auch in Kurven Boden gut

Um es kurz zu machen. Mercedes dominierte auf der ganzen Linie. Die schnellste Rennrunde lag 1,071 Sekunden vor Red Bull, 1,679 Sekunden vor Ferrari und 1,829 Sekunden vor dem besten Kundenauto, in diesem Fall ein Force India. Red Bull verlor nach eigenen Messungen allein sieben Zehntel auf der langen Geraden.

Insgesamt war Daniel Ricciardo im letzten Sektor 0,531 Sekunden langsamer als Nico Rosberg. Er hat aber beileibe nichts davon in den beiden anderen Abschnitten, den Red Bull-freundlicheren Sektoren gutgemacht. Im Gegenteil. Mercedes gewann im ersten Sektor 0,173 Sekunden auf Red Bull und im zweiten 0,216 Sekunden.

Ferrari und Mercedes-Kunden verlieren dramatisch

Der Vorsprung von Mercedes auf Ferrari und die eigenen Kundenteams fällt noch dramatischer aus. Bei Ferrari verteilt sich der Rückstand gemessen an den Sektorlängen relativ gleichwertig. 0,398 Sekunden im ersten Sektor, 0,647 Sekunden im zweiten, 0,694 Sekunden im dritten.
 
Die Teams mit Mercedes-Motor im Heck teilen sich die Verfolger-Rolle auf. Williams gewann in den Sektoren 1 und 3 den internen Vergleich, McLaren in Sektor 2. Die Zeitdifferenz zum Werksteam ist auch hier erschreckend hoch. 0,383 Sekunden im ersten Sektor, 0,619 Sekunden im zweiten und 0,493 Sekunden im dritten.
 
Es fällt auf: Dort, wo der Motor eine Rolle spielt, also im Schlussabschnitt, sind die Mercedes-Klienten sogar schneller als Red Bull und Ferrari. Da sie in den anderen Zwischenzeiten verlieren, ist daraus zu schließen, dass Red Bull und Ferrari die besseren Autos haben.

Kurze Nase zeigt Wirkung

Die Dominanz von Mercedes in Shanghai hatte trotzdem eine neue Dimension. Lewis Hamilton ließ den Red Bull auch im Regen keine Chance. In Malaysia hatte er sich noch nur ganz knapp gegen Sebastian Vettel durchgesetzt. In China betrug sein Vorsprung auf Ricciardo 0,595 Sekunden.

Ganz klar: Mercedes hat im Chassisbereich aufgeholt, wenn nicht sogar überholt. Und dabei setzte Red Bull in China voll auf Abtrieb und hätte in den Kurven schneller sein müssen. Dass man mit einem Renault-Motor auf der Geraden trotzdem schnell sein kann, zeigten die Toro Rosso. Daniil Kvyat war auf der Geraden nur 2,2 km/h langsamer als Rosberg. Ricciardo fehlten 15,1 km/h.

Die neue kurze Nase des Mercedes hat offenbar Wirkung gezeigt. Sie sorgt für eine ungestörtere Anströmung des Frontflügels und für besseren Luftdurchsatz zum Diffusor. Das Auto lässt sich einfacher ausbalancieren.

Das ist auf dem Kurs von Shanghai besonders wichtig, weil dort ausnahmsweise der Vorderreifen die kritische Größe ist. Die Mercedes-Piloten kamen mit dem Körnen des linken Vorderreifens am besten zurecht. Jetzt versteht man langsam, warum die Nase Mercedes vier Crashtests wert war. Den Lohn dafür gab es in China.

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