Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Haug

"Wir haben mit diesem Thema abgeschlossen"

Foto: dpa 54 Bilder

Mit dem Verzicht auf den Einspruch gegen das Spionage-Urteil in der Formel 1 betrachtet der britisch-deutsche Rennstall die Affäre als endgültig beendet. "Wir haben mit diesem Thema abgeschlossen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug im Interview.

26.09.2007

Wie wichtig wäre für Mercedes nach dem Verlust der Konstrukteurs-WM am Grünen Tisch der Titel-Triumph bei den Fahrern?
Haug: "Wir haben in bisher 13 Grand Prix in dieser Saison vor dem letzten Rennen in Spa 38 Punkte mehr gesammelt als unser erster Verfolger in der Tabelle - ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Vorsprung in den drei ausstehenden Rennen bis zum Saisonende aufgeholt worden wäre - im Schnitt zehn Punkte mehr pro Rennen zu machen, wenn man zuvor im Schnitt fast drei weniger gemacht hat, ist sehr unwahrscheinlich. Wir konzentrieren uns jetzt auf den Kampf um die Fahrer-WM, unsere Fahrer haben derzeit 13 beziehungsweise 11 Punkte Vorsprung auf den bestplatzierten Verfolger und jetzt ist es unser Ziel, beim letzten Rennen einen Vorsprung ins Ziel zu tragen."

Wie beurteilen Sie überhaupt einen WM-Titel, den ein Team einzig durch eine sportgerichtliche Entscheidung errungen hat?
Haug: "Das muss das Team, das diesen auf diese Art erhalten hat, für sich entscheiden. Wir haben mit diesem Thema abgeschlossen."

Ist ein echter sportlicher Sieg deutlich mehr Wert?
Haug: "Wir haben unseren Vorsprung bis zur Aberkennung der Punkte vor dem Rennen in Spa mit fairen sportlichen Mitteln und reglementskonformem Fahrzeug herausgefahren. Es gibt nicht den geringsten Hinweis oder gar den Nachweis, dass dies anders gewesen wäre und dies bestätigt die FIA."

Liegt ein Schatten über dem möglichen Fahrer-Titel für McLaren-Mercedes? Schließlich ist das Team ja vom FIA-Weltrat bestraft worden...
Haug: "Erst müssen wir den Titel holen und sollte uns das gelingen, dann hoffe ich, dass von ’Glanz’ und nicht von ’Schatten’ die Rede sein wird."

Wie hat die Daimler-Chrysler-Führung auf all die Geschehnisse der vergangenen Wochen rund um das Formel-1-Team reagiert?
Haug: "Unser Haus war stets präzise informiert und wir wissen alle, dass wir uns als Team nicht unrechtmäßig fremdes Wissen angeeignet hatten, sondern dass hier zwei mittlerweile entlassene bzw. freigestellte Mitarbeiter beider Teams unrechtmäßig agiert hatten. Gleichzeitig müssen wir allerdings die Regularien der Welt-Automobilsportbehörde FIA akzeptieren, deren zuständiges World Motorsport Council zu einem Urteil kam, das anders aussah, als das womöglich bei einem Gericht der Fall gewesen wäre. Aber, wir akzeptieren dieses und unser Partner McLaren wird in aller Stringenz das interne Sicherungssystem ausbauen, um so einen Fall für die Zukunft auszuschließen. Wichtig für uns ist: Es waren und sind einzig und alleine unsere eigenen Ideen, die unser Auto im bisherigen Saisonverlauf schneller und zuverlässiger machten, und wir als Team mit unseren Fahrern bislang mehr Punkte als unsere Konkurrenten machen konnten."

Gab es jemals Zweifel am Formel-1-Engagement?
Haug: "Nein."

Oder hat es gar die Absicht vorangetrieben, es BMW gleichzutun und einen eigenen Rennstall zu gründen?
Haug: "Wir sind als Team gut aufgestellt, ist dies nicht der Fall, kann man nicht über fast fünf Monate am Stück überzeugender Tabellenführer sein."

Weltmeister Fernando Alonso wird von vielen zum Sündenbock abgestempelt. Wie sehen sie seine Position im Team?
Haug:"Fernando Alonso hat zu jedem Zeitpunkt im Team absolute Gleichbehandlung und nie einen menschlichen, betreuerischen oder technischen Nachteil erfahren, anders könnte er derzeit nicht mit zwei Punkten Abstand Zweiter der aktuellen WM-Wertung hinter seinem Teamkollegen Lewis Hamilton sein."

Selbst Anthony Hamilton hofft, dass die Stimmung im Team seinem Sohn auf dem Weg zum Titel weiterhilft. Wie angespannt ist die Situation zwischen den beiden Fahrern und gibt es eine Zukunft für das Gespann? Angeblich prüfen Alonsos Anwälte ja seit längerem, wie er aus seinem Vertrag herauskommen kann.
Haug: "Vieles wird spekuliert, und noch mehr ist Emotionalität im Spiel, gerade bei Äußerungen, die kurz nach dem Eindruck eines Rennens gemacht werden. Wenn zwei Teamkollegen eine Saison lang um die Tabellenspitze fahren, dann ging das in der Formel 1 noch nie mit echter Harmonie und gegenseitigem Verständnis zwischen den Wettbewerbern innerhalb einer Mannschaft vonstatten."

Was hat den Ausschlag gegeben nicht gegen die Entscheidung des FIA-Weltrates in Berufung zu gehen, und glauben Sie, dass die Angelegenheit damit - fern der zivilrechtlichen Ermittlungen in England und Italien - tatsächlich erledigt ist?
Haug: "Wir akzeptieren die Dinge, wie sie von der FIA entschieden wurden und werden jetzt unsere ganze Kraft für die letzten drei Rennen der Saison einsetzen, mit dem Ziel, die Doppelführung in der Tabelle bis nach dem letzten Grand Prix in Sao Paulo zu behalten. Die FIA wird unser für 2008 geplantes und gebautes Auto auf Inhalte der Konkurrenzdokumente untersuchen. Wir hatten ihr diese Prüfung bereits für unser aktuelles Auto angeboten, allerdings wurde davon kein Gebrauch gemacht. Wir wissen, dass sowohl unser 2007er als auch unser 2008er Fahrzeug mit ausschließlich eigenen Ideen und Plänen gebaut wurde, beziehungsweise gebaut werden wird. Zivilrechtliche Ermittlungen und eine mögliche anschließende Bestrafung mögen gegebenenfalls ausschließlich für den von unserem Partner McLaren suspendierten Mitarbeiter relevant sein."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden