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Formel 1 exklusiv: Teamanalyse mit Nick Heidfeld: "Red Bull erschreckend gut"

Nick Heidfeld hat exklusiv für auto motor und sport die Formel 1-Autos des Jahrgangs 2010 auf der Strecke von Barcelona beobachtet. Dabei kam der Mercedes-Ersatzpilot zu einer überraschenden Erkenntnis: Nicht Ferrari ist für ihn Favorit, sondern Red Bull.

Nick Heidfeld zog am letzten Barcelona-Wochenende los. Mit Fotograf und Notizblock. Der 167-fache GP-Pilot hat exklusiv für auto motor und sport an den letzten beiden Testtagen in Barcelona die Autos beobachtet und bewertet. Er begab sich dabei an fünf verschiedene Streckenpunkte, um zu einer eindeutigen Analyse zu kommen. "Eine Kurve reicht nicht, um feststellen zu können, ob ein Auto gut oder schlecht ist. Du musst dir eine schnelle, eine langsame  Kurve anschauen, eine Stelle mit Bodenwellen, eine wo über die Randsteine gefahren wird."

Einzelkritik von Nick Heidfeld

Wie Sie in der aktuellen Ausgabe von auto motor und sport (7/2010) noch ausführlicher nachlesen können, kommt der 31-jährige Mönchengladbacher dabei zu einem überraschenden Ergebnis. Nicht Ferrari ist Favorit, sondern Red Bull. Nur zu Mercedes GP machte der Ersatzpilot von Michael Schumacher und Nico Rosberg keine Angaben. Verständlich, denn Mercedes ist Heidfelds neuer Arbeitgeber. Hier die Mercedes-Rivalen in Heidfelds Einzelkritik:

Ferrari: In Jerez hat mir Ferrari deutlich besser gefallen als in Barcelona. Ich glaube nicht, dass sie ihr Auto absichtlich schlechter gemacht haben. Also muss es an der Strecke liegen. Jerez hat dem Ferrari einfach besser gepasst. Da war die Balance des Autos praktisch neutral mit minimaler Tendenz zum Untersteuern. Das war in Barcelona stärker ausgeprägt, was daran liegen kann, dass der Kurs von Barcelona Untersteuern provoziert, seit es einen neuen Belag gibt. Jerez dagegen erzeugt eher ein Übersteuern.

Wenn jetzt ein generell untersteuerndes Auto auf einer Strecke mit Untersteuerungstendenz fährt, verstärkt sich der Effekt. In Jerez gleicht er sich aus. Das wäre eine plausible Theorie, warum Ferrari in Barcelona nicht ganz so gut ausgesehen hat. Wir haben ja in den letzten Jahren immer wieder erlebt, dass gewisse Autos auf gewissen Strecken besser oder schlechter funktionieren. Das Kräfteverhältnis wird also auch dieses Jahr wieder streckenspezifisch sein.

Eines sieht man bei Ferrari aber auch so: Das Auto hat sehr viel Abtrieb. Es liegt stabil in schnellen Kurven, was dem Fahrer Vertrauen gibt. Wenn das Untersteuern in ein plötzliches Übersteuern umschlägt, dann ist der Ferrari immer noch einfach zu kontrollieren, auch mit viel Sprit an Bord. Generell gilt: Ein Auto, das leicht zu fahren ist, ist meistens auch schnell. Ich jedenfalls hatte noch nie ein gut ausbalanciertes Auto, das langsam war. Andersherum, kann ein schwierig zu fahrendes Auto schnell und langsam sein.

Red Bull: Ich muss mir gar nicht die Rundenzeiten anschauen, um zu wissen: Der Red Bull sieht auf der Strecke eindeutig am besten aus. Aber erst in den letzten zwei Testtagen, als dann neue Teile ans Auto gekommen sind. Es ist fast erschreckend, wie gut der Red Bull ist. Ich glaube, die haben in Barcelona gar nicht alles gezeigt. Ich habe selten ein Auto gesehen, das so gut ausbalanciert ist, in langsamen wie in schnellen Kurven. In schnellen Kurven hat kein Auto mehr Abtrieb als der Red Bull, auch nicht der Ferrari.

Dazu ist der Abtrieb auch noch stabil. Keiner kann so tief in die Kurven reinbremsen wie Vettel und Webber, kein Auto geht so gut über die Randsteine, kein Auto schwingt nach Bodenunebenheiten so kurz nach. Die müssen da unheimlich viel an der Dämpfung und der Aufhängungsgeometrie gearbeitet haben. Vergangenes Jahr ist das Auto über die Randsteine noch ziemlich gesprungen. Das Balancefenster ist unheimlich klein. Das bedeutet, dass Unter- und Übersteuern nur ganz gering ausgeprägt ist. Vettel und Webber scheinen mühelos am Limit fahren zu können. Kurzum, ein Auto ohne Schwächen.

McLaren: Aus McLaren bin ich zunächst nicht schlau geworden. Als Button am Samstag fuhr, war ich enttäuscht. Das Auto war unheimlich nervös auf Bodenunebenheiten, es reagierte extrem beim Bremsen und Beschleunigen. Im Fachjargon nennt man das ‚pitch-sensitive‘. Am letzten Tag saß Hamilton im Cockpit, und der McLaren war wie verwandelt. Wahrscheinlich weil sie die neuen Teile am Auto hatten. Das Auto unter- und übersteuert immer noch eine Spur zuviel. Es erscheint mir auch in langsamen Kurven sehr hart abgestimmt, was bei den anderen Top-Autos erst in den schnellen Kurven zu beobachten ist.

Sauber: Das ist das am härtesten abgestimmte Auto im Feld. Es springt sehr stark auf Bodenunebenheiten. Vielleicht müssen sie so hart fahren, um mit der Aerodynamik in einem bestimmten Fenster zu bleiben. Der Sauber sieht aus wie ein Auto, das schwierig zu fahren ist. Bei Kobayashi hatte ich immer die Sorge, dass er gleich abfliegt. Aber offenbar ist das Auto schnell. Jetzt wird es darauf ankommen, ob Sauber das Niveau halten kann. Er kann sicher nicht mehr auf dem Niveau weiterentwickeln, wie das bei einem Werksteam der Fall wäre.

Toro Rosso: Der Toro Rosso geht überraschend gut. Überraschend deshalb, weil das Auto unspektakulär aussieht. Aber der Eindruck auf der Strecke ist gut. Das Auto übersteuert vielleicht einen Tick zu viel, es ist aber noch im fahrbaren Bereich. Deshalb werden auch die Reifen nicht vernichtet.

Williams: Der Williams ist in fast allen Disziplinen Durchschnitt. Nirgendwo besonders gut oder besonders schlecht. Mir scheint das Auto extrem weich abgestimmt, was in langsamen Ecken und auf Randsteinen komfortabel ist, in schnellen Kurven aber bremst. In Kurve 9, das ist die schnelle Rechts auf die Gegengerade, rollt kein Auto stärker als der Williams.

Renault: Wie bei Red Bull und McLaren hat sich Renault erst am letzten Testtag deutlich gesteigert. Insgesamt ist das Auto aber sehr nervös, oder es muss zumindest nervös und aggressiv gefahren werden. Als Vitaly Petrov in der ersten Runde daherkam, dacht ich schon: Was macht der denn da? Das war aber jede Runde gleich. Die Ausschläge beim Unter- und Übersteuern sind relativ stark, aber kontrollierbar. Wie gesagt, am letzten Tag, als Robert Kubica im Auto saß, sah es besser aus. Ich würde tippen: locker im Mittelfeld.

Force India: Das Auto sieht sehr gut in schnellen Kurven aus, ist aber generell ein bisschen nervös. Vielleicht liegt das aber auch an Sutils aggressiver Fahrweise.

Die Neulinge: Die Balance des Virgin ist eine Katastrophe. Das war ja schlimmer als mein Jordan von 2004. Da stellen sich dann doch Fragen, ob man ein Auto ganz ohne Windkanal entwickeln kann. Dagegen wirkt der Lotus viel ausgeglichener. Das Auto hat mehr Abtrieb als der Virgin, im Vergleich zu den anderen aber weniger Grip und eine schlechte Traktion.

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