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Heidfeld fehlten zwei Sekunden

Foto: dpa 50 Bilder

Die Safety-Car-Regel, wonach Tanken erst erlaubt, wenn sich das Feld komplett hinter dem Schrittmacherfahrzeug versammelt hat, sorgt allenthalben für Protest.

28.04.2008 Michael Schmidt

Heikki Kovalainen und Rubens Barrichello waren in Melbourne die ersten Opfer der Regel. Der eine fiel vom ersten auf den letzten Platz zurück, der andere wurde für unerlaubtes Tanken bestraft. In Barcelona erwischte es Nick Heidfeld. Als nach dem Unfall von Heikki Kovalainen das Safety-Car ausrückte, ging ein möglicher fünfter Platz und damit vier WM-Punkte verloren. 

Heidfeld konnte nicht mehr rechtzeitig zum Tanken an die Boxen geholt werden, hatte andererseits auch nicht mehr soviel Sprit an Bord, um zu warten, bis die Boxengasse wieder geöffnet sein würde. Zwei Sekunden fehlten und Heidfeld hätte noch legal tanken können. Der Funkspruch erreichte ihn, als er gerade an der Boxeneinfahrt vorbeigerauscht war. "Zu spät", hallte es bei Teamchef Mario Theissen, Technikdirektor Willy Rampf und Teammanager Beat Zehnder im Funk.

BMW zögerte

Heidfeld fuhr zum Zeitpunkt des Unfalls ungefähr fünf Sekunden hinter Kovalainen. Der BMW-Pilot konnte den Unfall also nicht sehen und damit die Schwere des Abflugs einschätzen. Die BMW-Strategen zögerten, weil man auf den TV-Schirmen zunächst nur einen McLaren im Reifenstapel stecken sah. "Es war nicht gleich ersichtlich, wie ernst der Unfall war. Erst als das Video vom Crash gezeigt wurde, war uns klar, dass ein Safety-Car kommen würde", sagte Teammanager Zehnder.

Williams hatte 15 Sekunden mehr Zeit zum Reagieren. Nico Rosberg kam gerade noch vor dem Schließen der Boxengasse an die Tankstelle. Der Coup brachte ihm nichts. Später gab sein Toyota-Motor den Geist auf. Die größte Schützenhilfe für die Opfer der Safety-Car-Regel kommt ausgerechnet aus dem Lager von Ferrari. "Wenn so eine Weltmeisterschaft entschieden wird, dann ist das Lotterie", heißt es im roten Lager. Jeden könne ein vom Safety-Car aufgezwungener Tankstopp zum falschen Zeitpunkt vom ersten auf den letzten Startplatz zurückwerfen. "Nur der Spitzenreiter", so Taktikexperte Luca Baldisseri, "kann seine Boxenstopps immer ein paar Runden früher als geplant abspulen, um dieser Gefahr zu entgehen."

Alternativen in der Diskussion

Auch Honda-Teamchef Ross Brawn kritisiert: "Die Regel ist ungerecht. Wenn die FIA Angst hat, dass einige Fahrer während einer Safety-Car-Phase zuviel riskieren, um so schnell wie möglich an die Tankstelle zu kommen, kann sie das auch anders regeln. Mit der Standardelektronik hat sie ganz neue Eingriffsmöglichkeiten." Ferrari war zunächst einer der Rädelsführer bei der Einführung der Regel. Maranello schob Sicherheitsbedenken vor. Nachdem Fernando Alonso 2003 in Interlagos in den verunfallten Jaguar von Mark Webber gerast war, weil er die Safety-Car-Phase zu seinem Vorteil nutzen wollte, nahm sich auch die FIA der Sache an. Man wollte verhindern, dass die Fahrer am Anfang der Neutralisation zurück an die Boxen hetzen, um sich durch einen klug getimten Tankstopp Zeit zu sparen.

BMW-Teamchef Mario Theissen sieht in dem Thema Diskussionsbedarf. "Die Regel steht nicht erst seit gestern in der Kritik." BMW hatte bereits vorher Vorschläge ausgearbeitet, wie man mit Hilfe der Standardelektronik die Fahrer dazu zwingen könnte, zu Beginn einer Safety-Car-Phase vorsichtig zu fahren. In der Unfallzone könnte ein Warnsignal den Fahrer zur Vorsicht mahnen. Wer dann trotzdem nicht vom Gas geht wird vom System elektronisch erfasst und kann daraufhin von der Rennleitung bestraft werden.

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