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Alter Heidfeld in Suzuka?

Heidfeld läuft die Zeit davon

Nick Heidfeld - Singapur 2010 Foto: Sauber 32 Bilder

Nick Heidfelds Comeback in Singapur war ein Leidensweg. Der Sauber-Pilot beklagte noch ein Erfahrungsdefizit, aber er weiß auch, dass ihm die Zeit davonläuft. Peter Sauber erwartet, dass Heidfeld in Suzuka wieder die gewohnte Leistung abrufen kann.

03.10.2010 Michael Schmidt

Nick Heidfelds dritte Karriere bei Sauber startete nicht nach Maß. Im Training von Kamui Kobayshi abgehängt, im Rennen von Michael Schumacher abgedrängt. Dass der Wiedereinstieg nach 14 Rennen Pause nicht einfach werden würde, war Heidfeld klar. Er kannte weder das Auto noch die Reifen. Und beide Komponenten sind mit 2009 nicht zu vergleichen.

Doch für den 168-fachen GP-Teilnehmer geht es gar nicht darum, den Sauber C29 weiterzuentwickeln. Der Schweizer Rennstall wird 2011 höchstwahrscheinlich nicht seine neue Heimat. Sauber ist für Heidfeld die Plattform zu beweisen, dass er zu Unrecht 14 Rennen lang zuschauen musste. Es ist das Schaufenster, das ihm einen Vertrag irgendwo anders ermöglichen soll. Bei Renault oder bei Force India, nur um die logischen Destinationen zu nennen.

Heidfeld mit Problemen auf weichen Reifen

"Ich habe mich mit der Rolle des Zuschauens nie abgefunden", sagt der 33-jährige Mönchengladbacher. Schon gar nicht mit der Tatsache, dass da ein paar Fahrer einen Job hatten, den sie nicht verdienten. "Es tut weh, wenn Leute mitfahren, die meiner Meinung nach nicht schnell genug sind." Das Hauptproblem von Singapur bestand für Heidfeld darin, den Gripvorteil der weichen Reifen zu nutzen. Solange auf harten Reifen gefahren wurde, lag er im Bereich von Kamui Kobayashi. Doch kaum wurden in der Qualifikation die weichen Sohlen aufgeschnallt, gewann der Japaner Zeit und der Deutsche nicht. "Ich spürte nicht den Grip, den mir dieser Reifen geben sollte."

Heidfeld teilte das Problem mit Mark Webber, Nico Rosberg, Adrian Sutil und Nico Hülkenberg, die aus dem Gummi der Marke "supersoft" auch nicht das herausholen konnten, was die Mischung eigentlich verspricht. Das kann zwei Gründe haben. Beim weichsten Reifentyp im Angebot bewegt sich die Lauffläche stärker, und das gibt dem Fahrer ein Gefühl der Instabilität. Außerdem kann sich die Balance ins Übersteuern verschieben, weil der Vorderreifen manchmal in Relation mehr Grip zulegt das der hintere. Heidfeld zweifelte: "Ich kann noch nicht abschätzen, wie weit ich vom Optimum weg bin, und wann ich das Auto so gut kennengelernt habe, dass mit dem Setup mehr Sicherheit habe."

Alter Heidfeld in Suzuka?

Peter Sauber glaubt, dass sein treuester Fahrer nur ein Rennen zum Eingewöhnen braucht. "Ab Suzuka wird Nick seine gewohnte Leistung abrufen. Er hat sich beim ersten Einsatz zu viel zugemutet. Nick ist ein Jahr nicht gefahren. Es war die erste Qualifikation auf einer schwierigen Strecke. Wenn du dann das Auto und die Reifen nicht richtig kennst, drückt sich das eben in einem Unterschied in der Rundenzeit aus, auch in dieser Höhe." Außerdem, so Sauber, tendiere die Öffentlichkeit dazu, Kobayashi immer noch zu unterschätzen: "Schon de la Rosa hatte gewarnt: Pass auf diesen Kobayashi auf."

In seinem Comeback-Rennen konnte Heidfeld seine Rennerfahrung nicht umsetzen. Schon in der ersten Runde geriet er unverschuldet in das Force India-Sandwich, das böse Kampfspuren an seinem Sauber hinterließ. Frontflügel und rechtes Vorderrad konnten zwar getauscht werden, doch mit der halb abgebrochenen rechten Endplatte des Heckflügels musste Quick Nick leben. Und der Schaden kostete Abtrieb. "Ich habe versucht Boden gutzumachen, aber die Balance des Autos war nicht optimal."

Lernphase in Singapur

So ist es müßig die Rundenzeiten der beiden Sauber-Piloten im Rennen miteinander zu vergleichen. Beide kamen nicht ins Ziel. Heidfeld markierte zwar den schnelleren Wert, doch sein Stallrivale hing die meiste Zeit hinter Michael Schumacher fest. Als er endlich Gas geben konnte, landete er in der Mauer. Heidfeld versuchte aus seiner 36-Runden-Dienstfahrt wenigstens gute Erkenntnisse zu gewinnen: "Ich habe wieder viel über das Auto und die Reifen gelernt." Die 2010er Reifengeneration könnte sich für den Wahlschweizer noch zum Problem auswachsen. "Mein erster Eindruck sagt mir, dass die Vorjahresreifen besser waren." Heidfeld hofft, dass es nur der erste Eindruck war.

In Suzuka ist die Lernphase vorbei. Ab sofort muss Heidfeld auf Augenhöhe mit Kobayashi fahren, sonst hat sich das Experiment mit Sauber nicht gelohnt. Renault und Force India warten nicht ewig. Die Szene schaut auf Rundenzeiten. Erklärungen warum es nicht klappt interessieren keinen. Für Sauber soll Heidfeld ein Maßstab werden, sein eigenes Auto besser einschätzen können. Bei seinem Heimkehrer kann sich der Schweizer Rennstallbesitzer immerhin sicher sein, dass er mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren wird. "Das Zuschauen war für Nick wie eine Strafe."

Heidfeld froh, wieder fahren zu dürfen

Heidfeld bestätigt diesen Eindruck: "Die Rolle des Ersatzfahrers war eine harte Zeit, weil du dich als Rennfahrer schon bei der Anreise fragst, wozu du überhaupt an die Rennstrecke fährst, wenn es nichts zum Fahren gibt. Dass ich an der Entwicklung des Autos bei Mercedes teilnehmen durfte und dass man auch auf mich gehört hat, hat diesen Schmerz etwas gelindert. Aber nur Zuschauen ist schon brutal, speziell wenn man vor Ort ist. Zuhause geht es wahrscheinlich leichter, weil man mehr Ablenkung hat."

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