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Heikki Kovalainen exklusiv im Interview

"Bin heute besser als bei McLaren"

Heikki Kovalainen - GP Italien - 8. September 2011 Foto: xpb 52 Bilder

Heikki Kovalainen steht zum zweiten Mal in Folge mit null Punkten in der Gesamtabrechnung. Trotzdem fuhr der Lotus-Pilot nach eigener Aussage seine beste Saison. Warum erklärt der 30-jährige Finne in einem Interview mit auto motor und sport.

08.12.2011 Michael Schmidt
Wie fällt Ihre Saisonbilanz aus?

Kovalainen: Ich habe mich im Vergleich zum letzten Jahr im Training stark verbessert. Im Rennen bin ich konstant gut gefahren. Noch nie in meiner Karriere habe ich so viel aus dem Auto und dem Team herausgeholt wie in diesem Jahr. Ich habe an meiner Vorbereitung einiges geändert, und es hat ganz offensichtlich gewirkt.

Zum Beispiel?

Kovalainen: Ich habe mein Fitnesstraining umgestellt, anders mit dem Team gearbeitet, mehr Zeit in das Setup des Autos investiert. Dadurch konnte ich viel von dem Selbstvertrauen zurückholen, das mir verloren gegangen war, als in meiner zweiten McLaren-Saison die Ergebnisse ausgeblieben waren. Ich war damals nicht in der Lage auf Top-Niveau zu fahren. Jetzt fühle ich mich wieder stark genug dafür. Ich bin viel besser als ich es bei McLaren je war. Leider konnte ich das bis jetzt mit Resultaten nur schwer zeigen. Wer die Rennen aber genau analysiert, wird feststellen, dass ich wieder im Frieden mit mir selbst bin. Mir fällt alles viel leichter.

Was war denn vorher falsch?

Kovalainen: Ich habe mir zu viel aufgeladen und konnte mit den eigenen Erwartungen nicht Schritt halten. In meinem System lief etwas falsch. Das hat mich müde gemacht, körperlich und mental. Heute hätte ich kein Problem, morgen schon das erste Rennen der neuen Saison zu fahren.

Wie hart ist es dann, zwei Jahre lang nicht mit Punkten belohnt zu werden?

Kovalainen: Ich habe mir meine Ziele neu gesetzt. Jedes Rennen war für mich eine Gelegenheit, mein Potenzial als Rennfahrer zu zeigen. Mein Ziel ist es, mit Team Lotus zu wachsen. Gleichzeitig will ich dem Fahrerlager zeigen, dass der neue Kovalainen ein anderer ist als der, der noch für Renault und McLaren fuhr. Damit ich an dem Tag X, an dem ein Platz in einem Top-Team frei wird, auch bereit bin. Irgendwie würde es mich schon interessieren, wie stark ich heute in einem Siegerauto wäre. Ich glaube, da würden sich einige wundern.

Was erwarten Sie von Lotus, pardon Caterham, im nächsten Jahr?

Kovalainen: 2012 wird eine ganz entscheidende Saison. Wir wollen vorankommen, und wir werden vorankommen.

Was fehlt denn noch zum Mittelfeld?

Kovalainen: Der Lotus von diesem Jahr war zu 100 Prozent besser als sein Vorgänger. Das Auto hat mehr Abtrieb, eine gute Balance, es reagiert logischer auf Setup-Änderungen. Was uns noch fehlt? Aerodynamische Effizienz. Wir sind zu langsam auf der Geraden und zu langsam in den Kurven. Und dann mussten wir auch noch auf KERS verzichten, was je nach Strecke drei bis fünf Zehntel ausmachte. Aber um ehrlich zu sein: Uns fehlte mehr als nur KERS. Um Renault, Toro Rosso und Sauber zu schlagen, hätte auch von der Aerodynamik noch eine halbe Sekunde kommen müssen. Da liegt jetzt unser Hauptaugenmerk. Die nötigen Schritte dafür sind eingeleitet. Auf der personellen und der Materialseite.

Wer waren Ihre Gegner im Rennen? Nur Teamkollege Trulli?

Kovalainen: Immer der Fahrer, der vor mir lag. Ich schaue nicht zurück. Ich habe einfach versucht, so lange wie möglich an den schnelleren Autos dranzubleiben. Im ersten Turn mit den weichen Reifen ist das auch meistens gelungen. Erst mit den harten Reifen waren mir dann die Hände gebunden. Uns fehlte der Abtrieb, den harten Gummi zum Arbeiten zu bringen. Wir hätten fast alle Rennen mit den Mischungen soft und supersoft fahren können. Oft fuhr ich dann mein eigenes Rennen. Ich habe mich trotzdem bemüht, immer am Limit zu bleiben. Es ist wichtig zu zeigen, dass du konstant schnell fahren kannst.

Warum war der Lotus im Renntrim besser als im Training?

Kovalainen: Das hatte bis zum letzten Rennen in Brasilien mit unserem DRS-System zu tun. Es war nicht sehr effizient. Und das trifft dich dann im Training härter, weil du da DRS überall einsetzen kannst. In Brasilien sind wir mit einem neuen Heckflügel gefahren. Der hat uns beim Flachstellen sieben km/h gebracht. Auf die Rundenzeit übertragen waren das fast drei Zehntel. Und genau das war der Unterschied zwischen unserer Trainings- und Rennleistung vorher.

Welcher Baustein der jüngsten Generalmobilmachung des Teams ist der wichtigste?

Kovalainen: Der Ausbau unserer Aerodynamikabteilung. Da kommt die Rundenzeit her. Mechanisch war unser Auto gesund. Jetzt haben die Aerodynamiker auch die Werkzeuge, das beste draus zu machen. In unserem alten Windkanal waren wir zeitmäßig eingeschränkt. Mit dem alten Kanal von Williams wird das anders sein. Auch der Aufbau der CFD-Abteilung ist abgeschlossen. Sie legt gerade los.

Es ist also realistisch davon zu träumen, im nächsten Jahr im Mittelfeld zu fahren?

Kovalainen: Das muss unser Ziel sein. Wenn wir 2012 das Mittelfeld nicht einholen, wäre das enttäuschend. Wir haben jetzt die Struktur, die es möglich macht, ein genauso gutes Auto zu bauen wie Sauber, Williams oder Toro Rosso.

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