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Helfer der Formel 1-Champions

Die Geschichte der Königsmacher

Alonso und Massa Foto: xpb 21 Bilder

Sebastian Vettel wird beim GP Abu Dhabi möglicherweise zum Königsmacher. Der Red Bull-Pilot könnte Teamkollege Mark Webber zu WM-Titel verhelfen. Wir haben in der langen Formel 1-Geschichte nach ähnlichen Beispielen gesucht und sind fündig geworden.

12.11.2010 Michael Schmidt

Vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi wird ein Thema fast so heiß diskutiert wie die Weltmeisterfrage: Muss Sebastian Vettel seinem Teamkollegen Mark Webber helfen oder nicht? Kommt es überhaupt zu einer Konstellation, wo Hilfe sinnvoll ist? Dazu müssten die Red Bull-Piloten auf den Plätzen eins und zwei liegen und Fernando Alonso Dritter oder Vierter sein.

Collins hilft Fangio zum Titel

Wenn Sebastian Vettel zum Königsmacher wird, hätte er berühmte Vorgänger. Die erste Hilfeleistung der Formel 1-Geschichte war auch gleich die berühmteste. Beim Finale 1956 in Monza konnten nur noch Ferrari-Piloten Juan-Manuel Fangio und Peter Collins Weltmeister werden. Fangio war bereits ausgefallen. Collins hätte den Argentinier mit einem Sieg beim GP Italien in der Gesamtwertung noch abfangen können. Damals war es den Fahrern erlaubt, von einem Auto aufs andere umzusteigen. Punktegewinne mussten allerdings unter den beteiligten Piloten geteilt werden. Eugenio Castellotti lehnte Fangios Begehren nach einer zweiten Chance ab. Peter Collins dagegen stoppte, überließ Fangio seinen Ferrari und verschenkte damit alle Chancen, selbst Weltmeister zu werden.

Beide teilten sich am Ende den zweiten Platz im Rennen und bekamen je drei WM-Punkte dafür. Der englische Gentleman sagte später: "Ich bin noch jung und habe noch viele Chancen den Titel zu holen. Fangio ist bereits 45 Jahre alt." Das Schicksal führte nicht Buch über die edle Tat. Zwei Jahre später verunglückte Collins am Nürburgring tödlich. Er wurde nie Weltmeister.

Moss entlastet Konkurrent Hawthorn

1958 gab es eine ganz andere Art von Hilfestellung, aber nicht weniger sportlich. Im letzten Rennen in Casablanca ging es zwischen Mike Hawthorn und Stirling Moss um die Krone. Der Titel ging mit einem Punkt Vorsprung an Hawthorn. Die schnellste Runde beim GP Marrokko brachte dem Ferrari-Piloten den entscheidenden Zähler. Doch gegen Hawthorn lief nach dem Rennen ein Protest. Wäre der Engländer ausgeschlossen worden, wäre die Krone an den ewigen zweiten Moss gegangen. Vanwall-Fahrer Moss war Augenzeuge der strittigen Szene und entlastete seinen Rivalen bei der Rennleitung. Damit hatte das Ergebnis Bestand, und der Titel gehörte Ferrari und Hawthorn.

McLaren gewinnt für Brabham

Ein Jahr später gewann Jack Brabham den ersten seiner drei WM-Titel. Im Finale von Sebring ging es dramatisch zu. Brabhams Rivale Tony Brooks durfte auf keinen Fall gewinnen. Der englische Zahnarzt lag hinter Brabham, als dem Australier 800 Meter vor dem Ziel der Sprit ausging. Brabham begann sein Auto Richtung Ziellinie zu schieben. Sein junger Cooper-Teamkollege Bruce McLaren wollte anhalten, um dem Chefpiloten nicht wichtige Punkte zu stehlen. Doch McLaren hatte falsch kalkuliert. Er konnte mit einem Sieg Brooks daran hindern, einen weiteren Platz aufzurücken. Brabham wusste Bescheid und schickte McLaren weiter. Der Neuseeländer gewann, Brooks wurde Dritter, Brabham Vierter, und der WM-Pokal ging zum ersten Mal an einen Australier.

Bandini schießt Hill ab

1964 passierte in Mexiko-City etwas, das einen ähnlichen Aufschrei erzeugte wie Ferraris Stallregie in Hockenheim. Ferraris Nummer eins John Surtees kämpfte mit Graham Hill und Jim Clark um den Titel. Clark fiel aus. Blieben nur noch Hill und Surtees. Da half der zweite Ferrari-Pilot Lorenzo Bandini etwas nach. Der Italiener fuhr in einer Haarnadel Graham Hill in das Heck seines B.R.M.. Hill fiel aus den Punkterängen. John Surtees wurde Zweiter, was zum Titelgewinn reichte.

Brabham lässt Hulme gewähren

1967 hatten im Finale in Mexiko noch zwei Brabham-Piloten Chancen auf die Weltmeisterschaft. Der Chef Jack Brabham und sein Angestellter Denis Hulme. Brabham hätte dem Neuseeländer schlechteres Material zuspielen oder den Befehl geben können, sich zurückzuhalten, doch er ließ Hulme gewähren. Der zweite Platz vor Hulme reichte Brabham nicht, seinen Mitarbeiter im Kampf um die WM-Krone noch abzufangen.

Fittipaldi macht Rindt posthum zum Champion

1970 half Emerson Fittipaldi einem Toten. Der in Monza zu Tode gestürzte Jochen Rindt führte die Titeljagd mit 45 Punkten an. Jacky Ickx hätte ihn mit drei Siegen noch abfangen können. Teil eins der Mission gelang. Der Ferrari-Pilot gewann in Kanada. Dann kam der GP USA in Watkins-Glen. Lotus setzte nach der Tragödie von Monza auf die weitgehend unbekannten Newcomer Emerson Fittipaldi und Reine Wisell. Fittipaldi gewann bei seinem erst vierten Einsatz völlig überraschend den Grand Prix und machte so Rindt posthum zum Weltmeister.

Peterson verzichtet auf  Überholmanöver

Ronnie Peterson hatte 1978 bei Lotus einen Nummer-zwei-Vertrag unterschrieben. Der Schwede durfte seinen Kollegen Mario Andretti nicht überholen, außer der Chefpilot hatte ein sichtbares technisches Problem. Ein Mal musste Andretti auf die Hilfe Petersons zurückgreifen. In Zandvoort brach dem Italoamerikaner in der Schlussphase der Auspuff. Peterson machte sich im Rückspiegel breit und breiter, hielt sich aber an sein Versprechen und überholte nicht. Mit einem Sieg hätte er Andretti noch ernsthaft die Krone streitig machen können.

Petersons Loyalität war deshalb besonders nobel, da der Schwede zu dem Zeitpunkt bereits wusste, dass er Lotus 1979 verlassen würde. Er hatte einen Vertrag mit McLaren unterzeichnet. Das Schicksal wollte es anders. Ein Rennen später wurde Peterson in Monza in eine Startkollision verwickelt und schwer verletzt. Er starb einen Tag später an den Folgen einer Lungenembolie. Andretti wurde kampflos ein trauriger Weltmeister.

Villeneuve lässt Scheckter und Ferrari-Fans jubeln

Ein Jahr später wollte Ferrari den greifbar nahen WM-Titel in Monza sichern. Gilles Villeneuve war der schnellere Mann im Autodrom, doch nach den Sternen griff sein Teamkollege Jody Scheckter. Villeneuve hätte Ferraris WM-Kandidat locker überholen können, blieb aber auf Befehl des Teams hinter Scheckter und beschattete ihn bis zur Zielflagge. Es war das letzte Mal, dass Ferrari vor der Haustür in Monza einen WM-Gewinn bejubeln konnte.

Schumacher als Edelhelfer für Irvine

Erst 20 Jahre später kam wieder ein Fahrer in die Verlegenheit, seinem Stallgefährten helfen zu müssen. Nachdem sich Michael Schumacher 1999 in Silverstone einen Beinbruch zugezogen hatte, musste Ferrari alle Karten auf Eddie Irvine setzen. Beim vorletzten Rennen in Malaysia klappte das Teamwork perfekt. Schumacher fuhr in Diensten seines ehemaligen Wasserträgers und half ihm gegen die McLaren-Fahrer Mika Häkkinen und David Coulthard zu gewinnen. Ein Rennen später in Suzuka war das gleiche geplant. Doch diesmal war Häkkinen zu schnell. Für Schumacher und für Irvine. Der deutsche Serien-Weltmeister kam vor Irvine ins Ziel und hat später einmal gesagt: "Eddie war so langsam, dass ich gar nicht auf ihn warten konnte." Da Häkkinen gewann, hätte ein Platztausch ohnehin nichts genutzt.

Barrichello gewinnt für Schumi

2003 spielte Rubens Barrichello für Schumacher den Retter. So wie das Rennen am Ende ausging, hatte Schumacher die Manndeckerdienste gar nicht mehr nötig, doch WM-Titel Nummer sechs hing bis zur letzten Runde am seidenen Faden. Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale war einfach: Schumacher wird Weltmeister, wenn er mindestens einen Punkt holt. Bliebe er punktlos, durfte Kimi Räikkönen zumindest nicht gewinnen. Teil zwei verhinderte Schumachers Teamkollege Barrichello mit einem Sieg. Den Rest steuerte Schumacher selbst bei. Er holte in einem turbulenten Rennen mit Ach und Krach ein WM-Pünktchen. Was aber erst mit der Zieldurchfahrt klar war.

Massa verzichtet für Räikkönen auf Heimsieg

2007 leistete Felipe Massa den schwersten Verzicht, den man einem Rennfahrer abverlangen kann. Er gab seinen Sieg beim Heimrennen in Interlagos im Dienste der Sache an Teamkollege Kimi Räikkönen ab. Der Finne musste gewinnen, um Lewis Hamilton noch abzufangen. Massa schenkte den ersten Platz vor seinem Publikum her, in der Hoffnung Ferrari würde ihn bei anderer Gelegenheit dafür entschädigen.

Räikkönen revanchiert sich

Der Moment kam schon ein Jahr später. Diesmal brauchte Massa den Sieg im Finale, das erneut in Sao Paulo stattfand. Und es war Räikkönen, der Platz machen musste. Als Ferrari im Verlauf des Rennens den Finnen mit den Worten anfunkte: "Felipe ist hinter dir", da gab Kimi trocken zurück: "Glaubt ihr, ich kann nicht rechnen? Ich weiß, was ich zu tun habe." Wie bei Schumachers Hilfestellung 1999 war Räikkönens Geste nicht von Erfolg gekrönt. Massa gewann zwar das Rennen, verlor aber den Titel an Lewis Hamilton.

Wird Massa erneut zum Königsmacher?

2010 könnte Felipe Massa zum zweiten Mal einen Weltmeister im eigenen Team krönen. Er braucht dafür in Abu Dhabi gar nicht viel zu tun, denn Fernando Alonso ist in so bestechender Form, dass er sich selbst helfen kann. Massa hat seinen Teil schon in Hockenheim beigesteuert. Da ließ er seinen Kollegen auf Anordnung des Teams vorbei zum Sieg. Wenn daraus in Abu Dhabi ein WM-Titel wird, dann hat ihn Ferrari mit einer Strafe von 100.000 Dollar bezahlt.

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