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Helmut Marko im Interview

„Geht um Titel, nicht um Fairness“

Helmut Marko - Formel 1 - 2016 Foto: Red Bull 61 Bilder

Red Bull-Berater Helmut Marko erklärt die Taktik für Verstappen und Ricciardo beim GP Abu Dhabi, er spricht über Hamiltons Verzögerungstaktik und über den neuen Weltmeister Rosberg, und er wagt einen Ausblick auf 2017.

01.12.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar
Warum kam Ricciardo in Abu Dhabi nicht in Fahrt?

Marko: Wir haben ihn zu früh an die Box geholt. Es war ein Fehler auf Räikkönens Boxenstopp zu reagieren. Die Supersoft-Reifen hätten deutlich länger gehalten. Verstappen hat es ja gezeigt. Dann hat sich Ricciardo die Reifen im Zweikampf mit Räikkönen ruiniert.

Wie wurde Verstappen nach seinem Dreher wieder ins Spiel zurückgebracht?

Marko: Mit einer aufoktruierten Einstopp-Strategie. Es war nach dem Dreher die einzige Chance. Wenn es nicht geklappt hätte, hätten wir uns später etwas anderes einfallen lassen müssen. Im Endeffekt war es richtig. Uns konnte sowieso nicht viel passieren. Die Force India waren so weit hinten, dass Verstappen bei einem zusätzlichen Stopp nur hinter Ricciardo gefallen wäre. Max hat wieder Reifen geschont, das war sensationell. Er ist in der letzten Runde im Mittelsektor noch seine Bestzeit gefahren.

Wer hatte Schuld beim Startunfall zwischen Verstappen und Hülkenberg.

Marko: Gar keiner. Das war ein typischer Startunfall. Kann passieren. Max hat wenig Platz gehabt. Wir haben jedenfalls nicht nach den Sportkommissaren gerufen.

War Vettels Taktik mit Supersoft-Reifen am Ende richtig?

Marko: Ferrari hat sich bei Verstappen abgeschaut, wie lange die Supersoft-Reifen halten. Es war eine logische Konsequenz. Wir haben ihnen einen guten Tipp gegeben. Selbst hatten wir zum Schluss leider keine Supersofts mehr.

Was sagen Sie zu Hamiltons Verzögerungstaktik?

Marko: Es war seine einzige Chance die WM noch zu gewinnen. Und es ist ja auch knapp geworden. Das steht ihm zu. Rosberg hätte ihn ja überholen können.

Wenn diese Nummer bei Red Bull passiert wäre: Hätten Sie dieses Verhalten eines Ihrer Fahrer toleriert?

Marko: Wir hätten auch nicht eingegriffen. So lange kein anderes Team davon profitiert, ist das legitim, was Hamilton gemacht hat.

War es fair?

Marko: Es geht um den WM-Titel, nicht um Fairness.

Ist Nico Rosberg ein würdiger Weltmeister?

Marko: Auf alle Fälle. Er ist super Rennen gefahren. Zum Beispiel in Singapur. Das Rennen hätten wir gewinnen müssen. Da war Rosberg in Überform.

Ihr Saison-Resümee aus Sicht von Red Bull?

Marko: Es war eine wesentlich bessere Saison als wir erwartet hatten. Die große Überraschung war die Standfestigkeit der Renault-Motoren. Es gab keinen einzigen Motorschaden oder irgendeine Schwierigkeit. Dann der PS-Schub in Monte Carlo. Dazu hatten wir das beste Chassis unserer Firmengeschichte. Kombiniert mit dem Auftauchen von Verstappen, der dem ganzen Team einen Motivationsschub gegeben hat. Sein Speed hat den Ricciardo aufgeweckt. Er musste entsprechend nachlegen, und er hat auch nachlegen können.

Wie viel Rundenzeit hat Red Bull von Melbourne bis Abu Dhabi auf Mercedes aufgeholt?

Marko: Die Zahlen habe ich nicht parat. Aber wir sind teilweise auf Schlagdistanz herangekommen. Vorher waren wir eine Sekunde weg.

Hat es Sie überrascht, dass Ferrari in der zweiten Saisonhälfte abgefallen ist?

Marko: Hat uns überrascht, wobei ich sagen muss, dass Ferrari auf der Motorenseite eine super Entwicklung gemacht hat. Von der Leistung her sind sie auf dem Niveau von Mercedes. Sie hatten sicher viel Pech, aber sie haben auch einige Fehler gemacht.

Ihr persönliches Highlight?

Marko: Verstappens Fahrt in Brasilien.

Was erwarten Sie von 2017?

Marko: Aus der Tradition heraus hat Red Bull auf neue Reglements immer gut reagiert. Zum anderen sind die 2017er Autos schwieriger zu fahren. Das heißt, die Spreu trennt sich vom Weizen. Und auf der Fahrerseite sind wir bestens besetzt. Dazu kommt noch die positive Motorenentwicklung bei Renault. Mercedes kann auf ihr bewährtes Paket nicht mehr zurückgreifen, das mit dem super Motor immer weiterentwickelt wurde. Jetzt fangen wir alle nahezu wieder bei Null an.

Ohne Token-Begrenzung kann aber auch Mercedes beim Motor nachlegen?

Marko: Das mit den Token wird überbewertet. Mercedes war schon so am Limit, dass sie wegen Motorschäden sogar Leistung zurücknehmen mussten. Mercedes kann nicht mehr so viel gewinnen, wie Renault jetzt mit dem neuen Motorenkonzept zulegen kann.

Das an das Mercedes-Konzept angelehnt ist?

Marko: Aber mit der Erfahrung von 2 oder 3 Jahren. Deshalb sehe ich eine Chance, dass wir rankommen.

Neuester Kommentar

Mercedes hat definitiv mit dem Eingriff in das Geschehen von Abu-dhabi ihre Sympathie verloren,sie haben den Eindruck erweckt ,als ob sie nur Rosberg schützen wollten,dieses Benehmen hätte die Image von neuem Weltmeister schaden können .

Biyao 1. Dezember 2016, 21:06 Uhr
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