Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Tilke zieht positives Fazit

"Fehler werden endlich bestraft"

Hermann Tilke - GP Indien - 27.10.2011 Foto: xpb 52 Bilder

Nach der Formel 1-Premiere in Indien zog Streckenarchitekt Hermann Tilke ein positives Fazit. Im Interview erklärt der Ingenieur, was auf dem neuen Kurs in Delhi gut gelaufen ist, und wo es noch Probleme gibt.

31.10.2011 Tobias Grüner
Wie fällt Ihr Fazit nach dem ersten Grand Prix in Indien aus?

Tilke: Wir sind natürlich alle stolz. Auch die Inder, die an dem Projekt beteiligt waren. Es gab überall positives Feedback.

Es gab aber auch ein wenig Kritik an den kleinen Schönheitsfehlern. Stört Sie als Architekt?

Tilke: Jede Kritik stört. Man nimmt sie aber auch positiv mit, damit man etwas daraus lernt. Aber in diesem Fall war es so, dass die Strecke nur ganz knapp fertig geworden ist, so dass am Ende vieles nur noch zusammengeschustert worden ist. Uns lief natürlich die Zeit weg. Aber die Hauptsache ist, dass es fertig geworden ist und mittlerweile gibt es auch keine Kritik mehr, sondern durchweg nur positive Stimmen.

Worin bestand aus Ihrer Sicht das größte Problem während des Wochenendes?

Tilke: Die ein oder andere Wasserversorgung funktionierte nicht. Es gab den ein oder anderen Stromausfall. Aber das war am Ende alles behoben. Wir hatten am Donnerstag den letzten Stromausfall und als am Freitag die ersten Autos auf die Strecke gingen, war eigentlich alles gut.

Was hat Ihnen besonders gut gefallen? Was hat besonders gut geklappt?

Tilke: Ich denke, dass die Leute hier alles sehr positiv aufgenommen haben. Für mich persönlich ist es natürlich schön, wenn das Layout der Strecke von den Fahrern so gut angenommen wird.

Ist es für Sie wichtig, dass es den Fahrern gut gefällt?

Tilke: Klar ist das wichtig. Man macht sich da fünf Jahre Gedanken darum und wenn es dann nur Kritik hagelt, dann wäre man auch nicht gerade glücklich darüber.

Nico Rosberg hat gesagt, Indien ist Ihre beste Strecke bisher. Teilen Sie diese Ansicht?

Tilke: Das weiß ich nicht. Ich kann nicht sagen, ob es die beste Strecke ist, das müssen andere Leute beurteilen. Ich würde jetzt kein Ranking machen, aber ich finde sie sehr gelungen.

Haben Sie sich für das nächste Jahr schon ein paar Dinge gemerkt, die man am Layout der Strecke noch verändern müsste?

Tilke: An der Strecke eigentlich nicht. Wir haben hier eine sehr gute Bauqualität, da ist alles in Ordnung. Wir hatten hier die Gelegenheit, dass wir sehr viel Erde bewegen durften - vier Millionen Kubikmeter. Das ist nicht überall so. Ich denke aber, die Strecke wäre auch gut, wenn sie im Flachen liegen würde. Aber sie ist so natürlich noch einmal besser, weil die dritte Dimension dazu kommt.

Wird das dann auch der Trend für die nächsten Strecken werden?

Tilke: Wir versuchen das grundsätzlich immer. Allerdings ist es sehr teuer Erde zu bewegen. In der Regel sind uns da aus Budgetgründen die Hände gebunden, wenn das Land an der Stelle flach ist. Das Beste ist immer, wenn man von Anfang an ein hügeliges Land bekommt.

Es gab etwas Streit wegen den Sprecherkabinen für die Fernsehkommentatoren, die keinen Blick auf die Strecke hatten.

Tilke: Das ist ein Problem, was wir sicherlich noch lösen müssen.

Bis zum nächsten Jahr?

Tilke: Wir werden sehen.

Sind Sie eigentlich auch für die Kerbs zuständig oder macht das die FIA?

Tilke: Das machen wir zusammen mit der FIA.

Felipe Massa hat sich beschwert, dass die Kerbs an einigen Stellen zu hoch sind.

Tilke: Das sind Standard-Kerbs. Die eigentlichen Kerbs sind eher flach, weil hier auch Motorradrennen gefahren werden sollen. Um die Kerbs aber zu begrenzen, gibt es dahinter so einen kleinen Buckel. Massa sagte, man hätte den Buckel etwas länger machen sollen, dann wäre der Winkel ein anderer gewesen. Das sehe ich im Prinzip auch ein, aber eigentlich soll ja gar nicht darüber gefahren werden. Bei modernen Strecken gibt es ja oft die Kritik, dass Fehler nicht bestraft werden. Hier werden sie nun endlich bestraft, wie man gesehen hat.

In einer Kurve gibt es ein Kiesbett direkt neben den Kerbs. Mark Webber hat gewarnt, dass die Steinchen beim Kurvenschneiden auf die Strecke fliegen könnten.

Tilke: Bis vor ein paar Jahren war das immer so. Dieses Kiesbett ist für die Motorradfahrer da und wir müssen irgendwo auch Kompromisse schließen.

Die Simulationen und Prognosen der Teams vor dem Rennen lagen durchweg zu langsam. Woran meinen Sie lag diese Fehleinschätzung?

Tilke: Keiner hatte erwartet, dass der Grip von Anfang an so hoch sein wird. Ich selbst auch nicht. Ich wusste zwar, dass die Strecke sehr viel Grip bietet, doch bis es soweit ist, dauert es normalerweise das ganze Wochenende. Hier war es so, dass der Dreck, der logischerweise auf einer neuen Strecke vorhanden ist, doch nicht so viel ausgemacht hat.

Das zeigt aber auch, dass es gar nicht so einfach ist, solche Simulationen durchzuführen.

Tilke: Das ist ganz und gar nicht einfach. Das wäre ja auch schade, dann würde man Rennen nur noch am Computer fahren.

Sind ihre Hoffnungen erfüllt worden, durch die breiteren Kurveneingänge mehr Action zu provozieren?

Tilke: Das war schon ganz gut. Leider war die Reihenfolge im Rennen die ganze Zeit ziemlich ausgeglichen, das heißt der Schnellere fuhr vor dem Langsameren.

Wir das mit weniger Staub auf der Strecke in den nächsten Jahren noch besser?

Tilke: Das wird auf jeden Fall besser, weil neben der Ideallinie noch mehr Grip ist. Aber es kommt natürlich auch immer auf das Rennen an.

Es gab einige Crashs und Ausfälle. Ist die Strecke besonders risikoreich diesbezüglich?

Tilke: Das würde ich nicht sagen. Das waren alles normale Rennunfälle. Auch die Szene mit Massa -  ich fand nicht, dass man ihn da hätte bestrafen müssen. Ein bisschen waren beide Schuld. Das habe ich nicht verstanden.

Schauen wir in die Zukunft: Die Ankündigung des New York Grand Prix hat viele Fans begeistert. Ist das im Moment das wichtigste Projekt für Sie?

Tilke: Nein, nicht das Wichtigste. Aber ein sehr interessantes Thema natürlich. Aber wir machen ja im Moment auch noch Austin und Sotschi und noch ein paar andere Projekte. Das darf man nicht vergessen.

Das Layout von New Jersey steht ja schon fest. Wie viel Arbeit steckt da schon drin?

Tilke: Da steckt jetzt bereits ein Jahr Arbeit drin. Aber jetzt wird es nochmal richtig in die Details gehen.

Wieviel Arbeit bedeutet ein Stadtkurs im Vergleich zu einer normalen Rennstrecke?

Tilke: Für uns ist es fast genauso viel. Es kommt immer auf die Details an. Für eine neu gebaute Rennstrecke kann man immer auch Standarddetails benutzen. Bei einem Stadtkurs gibt es nichts Standardmäßiges. Da muss man alles neu erfinden.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden