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Highspeed-Tempel der Formel 1

Monza 44 Jahre nach Jochen Rindt

Jochen Rindt, Portrait Foto: Archiv 27 Bilder

Monza ist ein besonderes Rennen im Kalender. Nirgendwo sind die Durchschnittsgeschwindigkeiten und die Top-Speeds so hoch. Und kaum eine andere Rennstrecke kann eine solche Historie vorweisen. Am 5. September jährt sich zum 44. Mal der Todestag von Jochen Rindt. Und Mario Andretti erzählte eine unglaubliche Geschichte.

05.09.2014 Michael Schmidt

Monza ist einer der vier Klassiker im GP-Zirkus. Neben Silverstone, Monte Carlo und Spa-Francorchamps. Die vier Dinosaurier zählten schon in der ersten Formel 1-Saison 1950 zur GP-Tournee. Monza holte sich bei der Premiere mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 189 km/h den inoffiziellen Titel der schnellste Rennstrecke im Kalender. Damals gab es noch Konkurrenz. Reims und Spa lagen knapp dahinter.

Heute ist Monza unbestritten das schnellste Rennen des Jahres. Auf keiner anderen Strecke liegen die Durchschnittsgeschwindigkeiten jenseits von 240 km/h. Und keine andere Strecke hat eine so bewegte Geschichte. Die Nostalgie ist überall greifbar. Schon wenn man in den verwitterten Park fährt, spürt man das besondere Flair, das dieser Ort verströmt. Die beiden Steilkurven stehen da wie ein Denkmal. Als Erinnerung an eine längst vergangene Zeit. Monza ist der ultimative Highspeed-Tempel des Motorsports.

Monza wurde für Ascari, Trips, Rindt und Peterson zum Grab

Wer das Autodrom betritt, denkt auch an die Rennfahrer, die auf dieser Rennstrecke gestorben sind: Alberto Ascari, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Jochen Rindt, Ronnie Peterson. Ein Todesfall war an diesem 5. September so präsent, als wäre es gestern gewesen. An diesem Datum vor 44 Jahren stürzte Jochen Rindt in der Parabolica zu Tode. An seinem Lotus 72 brach im Abschlusstraining die rechte Bremswelle.

Das damals auf 310 km/h übersetzte Auto brach abrupt nach links aus und bohrte sich unter die Leitplanke. Da Rindt aus Angst vor Feuer nie die Oberschenkelgurte anlegte, rutschte er beim Aufprall tief in das Cockpit, das zum Sarg für ihn wurde. Lenkrad und Gurtschluss fügten dem angehenden Weltmeister tödliche Verletzungen zu. Einen Tag später feierte Clay Regazzoni vor 200.000 Zuschauern einen grandiosen Sieg für Ferrari.

Monza für Mario Andretti ein besonderer Ort

Auch für Mario Andretti wird Monza immer ein besonderer Ort bleiben. Hier stand er als Bub hinter dem Zaun und hat Alberto Ascari bewundert, was in ihm den Wunsch bestärkte, Rennfahrer zu werden. Hier wollte er 1968 sein Formel -Debüt geben, wurde aber nicht zugelassen. Hier gewann er 1977 im Lotus 78. Hier wurde er ein Jahr später unter tragischen Umständen Weltmeister. Sein Teamkollege Ronnie Peterson starb einen Tag später an den Folgen eines schweren Startunfalls.

In Monza gab Andretti 1982 nach fast einem Jahr Formel 1-Pause ein unglaubliches Comeback mit Ferrari. Er fuhr das Auto auf die Pole Position und wurde im Rennen trotz Ärger mit der Benzinzufuhr Dritter. "Ohne das Problem hätte ich locker gewonnen."

Andretti feierte nach 32 Jahren ein Wiedersehen mit seiner alten Liebe Monza. Der inzwischen 74-jährige Amerikaner kam für einen Tag aus den USA an die Strecke zurück, die ihm so viel bedeutet. Der 24-Stunden-Trip diente der Werbung für den GP USA, dessen Botschafter er ist. Anlass für Andretti in alten Erinnerungen zu kramen. Und da kam eine Geschichte zu Tage, wie sie heute undenkbar wäre.

Zwei Rennen, zwei Kontinente, 24 Stunden

1968 sollten die Indianapolis-Asse Mario Andretti und Bobby Unser in Monza ihr Formel 1-Debüt geben. Andretti in einem Lotus, Unser im B.R.M. Die Sache hatte nur einen Haken. Am gleichen Wochenende fand in Indianapolis das Hoosier 100, ein Dirttrack-Rennen statt. "Es war das bestdotierte Sandbahnrennen der damaligen Zeit. Das wollten Bobby und ich uns nicht entgehen lassen."

Also wurde ein irrwitziger Plan geschmiedet. Freitag Training in Monza, Samstag Rennen in Indianapolis, Sonntag Rennen in Monza. Die US-Boys verließen Monza nach dem ersten Training. Andretti stand auf der provisorischen Pole Position. Unser irgendwo im Mittelfeld. "Wir hatten vorher ausgemacht, dass wir uns gegenseitig im Windschatten ziehen." Andrettis Zeit hätte noch für den siebten Startplatz gereicht. Unser wäre auf jeden Fall qualifiziert gewesen.

Auf der Fahrt von der Rennstrecke zum Mailänder Flughafen zwang Bobby Unser dem Chauffeur auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, weil er ihm zu langsam fuhr. Am Samstagabend war alles organisiert. "Roger Penskes Privatjet brachte uns von Indy nach JFK in New York. Dort nahmen wir die Nachtmaschine nach Mailand. Am Flughafen hat uns ein Hubschrauber abgeholt und ins Autodrom gebracht. Um zehn Uhr morgens waren wir da." Nur um zu erfahren, dass der Veranstalter ein Startverbot erteilt hatte.

Begründung: Man durfte innerhalb von 24 Stunden nicht zwei Rennen auf verschiedenen Kontinenten bestreiten. Andretti ist heute noch sauer: "Das wussten sie vorher. Der Chef von Monza hatte uns eine Ausnahmeregelung versprochen. Aber da wurde wohl im Hintergrund viel Politik gemacht. Man hat uns erzählt, dass Ferrari dahintersteckt. Ich war ihnen zu schnell. Bei den Testfahrten in der Woche vor dem Grand Prix bin ich klar besser als ihr Stammfahrer Chris Amon gewesen. Und nachdem ich gleich aus dem Stand im ersten Training Bestzeit gefahren war, wurden sie nervös."

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