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Hilferuf von Bernie Ecclestone

"Wir reparieren ein altes Haus"

Bernie Ecclestone - 2014 Foto: Wilhelm 41 Bilder

Bernie Ecclestone ist der starke Mann der Formel 1. Doch er fühlt sich schwach. Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres sendet der 84-jährige Engländer einen Hilferuf aus. Tenor: "Ich weiß wie es geht, aber ich kann nichts machen."

27.03.2015 Michael Schmidt

Bernie Ecclestone hat den Saisonauftakt der Formel 1 in London am TV-Schirm erlebt. Als er sah, wie sich ein mickriger Haufen von 15 Autos in der Startaufstellung formierte, da hatte der große Zampano des GP-Sports nur einen Gedanken: "Das wird ein Scheiß-Rennen." Mercedes macht er für die Alleinfahrt an der Spitze keinen Vorwurf: "Sie haben einen besseren Job als die anderen gemacht. Also haben sie den Erfolg verdient."

Nach Meinung von Ecclestone ist die Krise in seinem Reich hausgemacht: "Wir reparieren seit Jahren ein altes Haus. Das ist falsch. Ich bin ein bisschen frustriert und auch enttäuscht, dass es so weit gekommen ist." Und wie könnte es besser gehen? "Wir brauchen neue Regeln. Dazu müssen aber die Teams zustimmen. Sie stimmen aber nur dann zu, wenn es ihre eigenen Interessen nicht beschädigt. Wir können von Mercedes jetzt nicht erwarten, dass sie sagen die aktuelle Motorregel ist Mist."

Gleiche Punkte für Training und Rennen

Diese Grube haben sich die Drahtzieher des schnellen Geschäfts selbst gegraben. Die Tage, als Bernie Ecclestone und sein alter Kompagnon Max Mosley die Regeln im Doppelpass bestimmt haben, sind längst gezählt. Im Bestreben, die großen Teams bis 2020 zu halten, erfand Ecclestone in Absprache mit FIA-Präsident Jean Todt die Strategiegruppe. Dieser Club aus sechs Teams stimmt ab, was später im großen Kreis zur Diskussion steht.

Der Doppelpass mit der FIA funktioniert nicht mehr. "Jean ist ein Mensch, der es allen gerne Recht machen würde. Max war das Gegenteil." Die Zustimmung der Teams verhindert kurzfristige Lösungen. Weil Einstimmigkeit gefordert wird. Erst für 2017 wäre ein Neustart möglich. Dann würde ein Mehrheitsbeschluss genügen. Deshalb hofft Ecclestone, dass sich die Teams mit ihm auf eine Reform für 2017 einigen können.

"Das muss in den nächsten zwei Monaten passieren. Der Schlüssel ist, dass wir die Teams davon überzeugen. Sonst stimmen sie auch nicht zu." Wie schwierig es ist, neue Ideen umzusetzen, erfuhr Ecclestone bei einer Sitzung im Januar. Er schlug vor, dass die kleinen Teams Standard-Chassis kaufen könnten. "Das Budget wäre bei 15 Millionen Dollar gelegen. Leider hat Herr Dennis von McLaren gesagt, dass dies nicht Formel 1 würdig sei."

Auch mit einem anderen Vorschlag wird der Formel 1-Impresario nicht durchkommen. "Wenn wir die gleichen Punkte für das Training wie für das Rennen vergeben, und den Trainingsschnellsten dann von Platz 12 starten lassen, wären die Rennen bestimmt interessanter."

Ecclestone will Kostentreiber austrocknen

Und wo will Ecclestone ansetzen? Zuerst bei den größten Kostenreibern. "Wir brauchen ein Reglement, das die Kosten der Motoren senkt. Wir haben Motoren mit wunderbarer Technologie. Aber brauchen wir sie wirklich?" Zweitens bei den Werkzeugen. "Ich könnte ohne Telemetrie leben. Sie bringt uns nicht wirklich weiter. Red Bull sagt, dass wir auch ohne Windkanäle auskommen können. Warum nicht darüber nachdenken?" Red Bull hat ausgerechnet, dass ein Windkanalverbot und eine Standard-Software 20 Millionen Euro einsparen würde.

Die Drohung von Red Bull möglicherweise auszusteigen, nimmt Ecclestone nicht wirklich ernst: "Viele Leute sagen viele Dinge ohne vorher darüber nachzudenken." Prinzipiell steht Bernie auf dem Standpunkt: Reisende sollte man nicht aufhalten. Vertrag bis 2020 hin oder her: "Wenn einer nicht mehr mitmachen will, können wir ihn nicht zwingen."

Auch 2016 kein deutscher Grand Prix?

Wenig Mitleid hat Ecclestone mit dem GP Deutschland. Das Rennen ist in diesem Jahr aus dem Kalender geflogen, und der kleine Engländer schließt nicht aus, dass es auch im nächsten Jahr kein Rennen auf deutschem Boden gibt. Es ist wie so oft eine Frage des Geldes. Weder Hockenheim, noch der Nürburgring wollten das Risiko eingehen. Die Forderung betrug angeblich 15 Millionen Dollar.

Für Ecclestone eine Summe, die ein Land wie Deutschland aufbringen muss. "Für die Olympischen Spielen, die Schwimm-WM oder die Leichtathletik-WM geben sie auch so viel Geld aus." Selbst ein Traditionsrennen wie Monza ist vor dem Ausverkauf der europäischen Rennen nicht mehr sicher. "Monza könnte das gleiche wie Deutschland passieren."

Auch die Fahrer bekommen ihr Fett ab. Ecclestone lobt Lewis Hamilton als "den besten Weltmeister, den wir je hatten." Weil er den Sport auch außerhalb des Fahrerlagers verkauft. "Lewis ist ein guter Botschafter. Einige andere, darunter auch Vettel, glauben ihr Job sei damit getan, schnell Auto zu fahren. Ich sehe sie auf keinem roten Teppich."

Ein Nachfolger für Ecclestone ist immer noch nicht in Sicht. Der Formel 1-Boss hat auch keine Lust, einen für seinen Job auszubilden. "Ich wäre ein schlechter Lehrer. Es ergibt auch wenig Sinn. Jeder, der nach mir kommt, würden den Job anders als ich machen."

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