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Himmel und Hölle für Vettel

"Nur ich scheine die Regel zu kennen"

Sebastian Vettel - Kimi Räikkönen - Ferrari - GP China 2016 - Shanghai - Rennen Foto: sutton-images.com 62 Bilder

In seinem 160. GP-Start ist Sebastian Vettel alles passiert. Kollisionen mit Teamkollege Räikkönen und Bottas, drei Boxenstopps, ein Frontflügelwechsel, eine Aufholjagd von Platz 15 auf Rang 2 und ein Überhomanöver in der Boxengasse. Weil er die Regeln kannte.

17.04.2016 Michael Schmidt

Sebastian Vettel ist in Shanghai seinen 160. Grand Prix gefahren. Es war kurios, aufregend und kontrovers. In 56 Runden erlebte der Ferrari-Pilot Himmel und Hölle. Als Vettel nach dem ersten Boxenstopp in der SafetyCar-Phase auf die Strecke zurückging, lag er auf Platz 15. Im Ziel war er Zweiter. Trotz eines lädierten Ferrari. Vettel fuhr mit Kampfspuren am Frontflügel und einem Schlag in der Lenkung.

Doch fangen wir von vorne an. Vettel kam schlecht aus den Startlöchern. Trotzdem lag er in der ersten Kurve hinter Daniel Ricciardo, Nico Rosberg und Kimi Räikkönen auf Rang 4. Als Räikkönen in der ersten Kurve etwas nach außen rutschte, sah sein deutscher Teamkollege die Gelegenheit, innen durchzustechen.

Doch es gab noch ein Auto weiter rechts von den beiden Ferrari. Daniil Kvyat drängelte sich ganz innen vorbei. Der Angriff des Russen überraschte Vettel derart, dass er nach außen in Räikkönens Auto zog. "Ich bin mit ziemlich viel Speed in die Lücke gestoßen, als plötzlich Kvyat auftauchte. Da musste ich nach links ausweichen. Ich konnte den Kontakt mit Kimi nicht mehr vermeiden." Zu dem Zeitpunkt schien das Rennen für Ferrari für gelaufen. Räikkönen erst neben der Strecke und dann sofort in der Box, Vettel mit ramponiertem Auto nur auf Rang 8.

Arrivabene nimmt Kvyat in Schutz

Vettel entschuldigte sich über Funk sofort bei Ferrari für die Kollision, gab aber Kvyat die Schuld. "Er ist wie ein Irrer innen durchgezogen." TV-Experte Martin Brundle tadelte: "Da hat Seb versucht, seine eigene Schuld auf einen anderen zu schieben. Kvyat hat nichts falsch gemacht. Er hat ihn einfach überrascht. Vielleicht hatte Seb keine andere Chance als nach außen zu ziehen, aber mir kam so vor, dass einfach nur Bremsen auch ausgereicht hätte."

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sah es genauso: "Es war ein Rennunfall, der für uns maximal dumm ausgegangen ist. Das letzte, was du willst ist, dass deine zwei Fahrer zusammenstoßen. Es bringt nichts, mit dem Finger auf einen anderen zu zeigen. Sebastian und Kimi hätten es an Kvyats Stelle nicht anders gemacht." Vettel sah es später offenbar genauso. Er leistete bei seinem Team noch mehrmals Abbitte für die Kollision mit dem Teamkollegen. Das Thema Kvyat schnitt er nicht mehr an.

Während Räikkönen mit repariertem Auto am Ende des Feldes mit Lewis Hamilton sein eigenes Rennen fuhr, blieb Vettel zunächst auf der Strecke. Obwohl die linke Frontflügelendplatte abgebrochen war und die Lenkung schief stand. Die Aerodynamiker konnten an den Telemetriedaten erkennen, dass Vettel 30 Punkte Abtrieb verlor. Das sind rund 10 Prozent.

Vettel überholt zwei Autos unter SafetyCar

Das SafetyCar in der 4. Runde brachte den Ex-Weltmeister wieder ins Rennen zurück. Das war die Chance, den beschädigten Frontflügel loszuwerden. In der Einfahrt zur Boxengasse startete Vettel dann ein Manöver, das für viele Diskussionen sorgte. Er überholte mit zwei Rädern auf dem Gras die vor ihm liegenden Carlos Sainz und Nico Hülkenberg. Der Force India-Pilot bummelte, weil vor ihm zuerst Stallrivale Sergio Perez abgefertigt werden musste.

Während Sainz und sieben andere Fahrer fluchend hinter Hülkenberg hingen, erkannte Vettel die Situation sofort. Überholen in der Boxeneinfahrt ist auch während einer Neutralisation erlaubt. Weil die Stelle zwischen den SafetyCar-Linien 1 und 2 liegt. "Da ist das Überholverbot aufgehoben. Sonst müsste ja jeder in der Boxengasse warten, bis der Fahrer vor ihm den Boxenstopp abgeschlossen hat", nahm Force India-Teammanager Andy Stevenson Vettel in Schutz. Der grinste: "Ich bin offenbar der einzige, der sich an diese Regel erinnert hat. Der Toro Rosso vor mir hat sich lieber hinter dem Force India angestellt."

Ferrari schenkte sich zweiten Frontflügeltausch

Wegen des Frontflügeltauschs rutschte Vettel von Platz 5 auf Rang 15. Doch dann ging die Post ab. Mit der aggressiven Reifenfolge Supersoft-Supersoft-Soft-Soft und insgesamt 12 Überholmanövern arbeitete sich der neue WM-Vierte noch auf Platz 2 vor. Obwohl er sich bei einem Zweikampf mit Valtteri Bottas ein weiteres Mal den Frontflügel anschlug. Die linke Endplatte war völlig zerfleddert. "Das habe ich erst im Ziel gesehen. Ich habe den Stoß gegen Bottas gar nicht bemerkt", gab Vettel zu.

Diesmal ließ Ferrari seinen Fahrer auf der Strecke. "Die Ingenieure haben an den Daten erkannt, dass der Zeitverlust nicht so gravierend war. Ein zweiter Flügelwechsel hätte uns 10 Sekunden gekostet. Das war es nicht wert", rechnete Arrivabene vor. Auch nach Vettels Ansicht haben die Ferrari-Strategen richtig gehandelt. "Ich glaube, dass der Zeitverlust wegen der Lenkung größer war als wegen des Flügels. Und das konnten wir sowieso nicht reparieren."

Vettel hatte das Gefühl, dass die vordere Spur verzogen war. "Du hast es besonders in Linkskurven gespürt. Zum Glück sind sie auf der Strecke in der Minderzahl." Am Ende war Vettel froh, dass er Kvyat dank der weicheren Reifen im Kampf um Platz 2 in die Knie zwingen konnte. "Ich muss mich beim SafetyCar und bei meinem Team bedanken, dass sie mich mit der richtigen Strategie bis auf Platz 2 nach vorne gebracht haben. Daran war nach der ersten Runde nicht mehr zu denken."

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