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Hinter den Kulissen bei Mercedes

Rosberg zeigt uns seinen Siegerpfeil

Nico Rosberg - Bianca Leppert - Mercedes - Formel 1 -GP Russland - 28. April 2016 Foto: Wolfgang Wilhelm 51 Bilder

Du kommst hier nicht rein! So lautet die Ansage, wenn Journalisten eine Formel-1-Garage betreten wollen. Mercedes hat eine Ausnahme gemacht: Nico Rosberg hat uns in die Mercedes-Box eingeladen.

30.04.2016 Bianca Leppert

Wir schlängeln uns einen langen schmalen Gang aus silbernen Stellwänden entlang. Am Anfang und am Ende macht er einen Knick - so kann niemand von außen einen Blick ins Innere der Garage werfen. Ich komme mir vor wie in einem Labyrinth.

Kino-Atmosphäre in der Mercedes-Garage

Nur dass ich hier nicht selbst umherirren darf, sondern direkt nach rechts auf die "VIP-Tribüne" gelotst werde. Der Bereich mit schwarzen Lederklappsesseln, wie man sie sonst nur aus dem Kino kennt, ist wichtigen Gästen des Mercedes-Teams vorbehalten. Wo ist das Popcorn? Von hier aus verfolgen zum Beispiel Sponsoren das Rennen. So sind sie ganz nah dran, stehen aber den Mechanikern nicht auf den Füßen.

Wir werden hier nur "zwischengeparkt". Nico Rosberg will uns heute seinen "Siegespfeil" erklären. Nicht wie sonst bei einer Fragerunde in der Mercedes-Hospitality, sondern in der Garage. Vorher ist er allerdings noch mit Fernsehjournalisten beschäftigt. Wir warten.

Der Silberpfeil auf dem OP-Tisch

Rund 30 Tonnen Material werden von Mercedes von Rennen zu Rennen bewegt, bereits am Montag vor einem Grand Prix die Boxeneinrichtung aufgebaut. Rund einen Meter vor unserer kleinen Tribüne steht das Auto. Von oben leuchtet kaltes Licht darauf, der Boden glänzt. Der Mercedes F1 W07 wirkt wie ein Patient auf dem OP-Tisch. Zu gerne wären wir dabei, wenn er auseinander genommen wird. Auf das wichtigste Accessoire eines auto motor und sport Formel-1-Reporters muss ich jedoch verzichten: den Fotoapparat.

Draußen: Russische Fans, die sich vor Absperrbändern drängeln. Einer trägt sogar einen Helm in Nicos Design. Es ist die Perspektive, die wir sonst auch kennen. Heute: Sind wir drin. Wenn auch nur auf einer Seite der Garage. Nicos' und Lewis' Teil, der jeweils rund 50 Quadratmeter groß ist, wird von einer Art Insel mit Bildschirmen und Schubladen getrennt. Ein bisschen wie bei Herzblatt. Nico und Lewis sind jedoch nicht so voneinander angezogen wie die Kandidaten in der Show.

Frontflügel hält Kleinwagen stand

Um genau zu sein, zieht jeder sein Ding durch. Nico hat das Interview fürs Fernsehen erledigt und holt uns zu sich ans Auto. Während er mit uns plaudert, ist Lewis Hamilton im Rennoverall auf der anderen Seite ins Gespräch mit seinen Mechanikern vertieft.

"Hier kannst du einen Kleinwagen draufstellen", meint Rosberg und zeigt auf den Bereich des Frontflügels, an dem die Nase aufgehängt ist. Wir stehen direkt am Auto. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl, hier mal eben mit einer hektischen Bewegung einen Splitter abzureißen, habe ich schon. Ich wäre zumindest nicht die Erste.

Gast demoliert Teil

"Einmal ist ein Gast ins Auto gestiegen. Dabei hat er wohl einen Zacken vorne am Cockpit beschädigt, der mir dann im Rennen abgebrochen ist", erzählt Rosberg. Dabei passiert ihm selbst öfter so ein Malheur. Es hat beim Einsteigen schon das ein oder andere Mal geknackst. "Darauf sind die Techniker aber vorbereitet."

Das Lenkrad, das auf dem Auto liegt, ist komplett auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Jeder Knopf, jede Farbe entspricht Rosbergs Wünschen. Schließlich muss er quasi intuitiv den richtigen Handgriff machen, wenn eine Entscheidung in Sekundenschnelle getroffen werden muss. Besonders jetzt, wo die Kommunikation mit der Box eingeschränkt ist. "Da war das Training im Simulator sehr nützlich", sagt er.

Angeschnallt im Schaumbad

Wir wandern weiter zum Cockpit. Oder vielmehr zur Badewanne. Denn in der Körperhaltung wie man zuhause im Schaumbad liegt, steuert Rosberg sein Formel-1-Auto. Mit dem Unterschied, dass die sechs Gurte für die richtige Badeposition überflüssig sind. Für Rosbergs Komfort jedoch sehr wichtig. "Im Qualifying ziehe ich sie besonders straff an", sagt er.

Auf der linken Seite grinst neben der Streckenskizze von Sochi ein dunkelhäutiger Typ von einem Foto und hält beide Daumen hoch. "Das ist Mr. Motivator", sagt Rosberg und schmunzelt. "Den haben mir die Jungs in der Motorenfabrik als Glücksbringer reingeklebt." Rosberg selbst hat wenig emotionalen Bezug zu seinem Auto. Es hat keinen Namen wie bei Sebastian Vettel. Es ist einfach ein Arbeitsgerät.

Bargeboards sind Rosbergs Lieblingsteil

Was ihn an seinem Auto am meisten fasziniert? "Die Bargeboards sind mein Lieblingsteil. Denn jetzt sind wir sogar in der Aerodynamik führend. Daran sieht man, dass wir immer auf der Suche nach Hundertstel sind. Überhaupt kommen Materialien im Auto zum Einsatz, von denen habe ich vorher noch nie etwas gehört. Am Motor wird manches zum Beispiel mit Diamantbändern geschliffen."

Man sieht: Der Erfolg in der Formel 1 steckt im Detail. Jedes Mal, wenn das Auto ausrückt, wird der Boden gewienert. Nur damit man im Falle des Falles erkennen kann, ob Flüssigkeit aus dem Auto austritt und das Leck möglichst schnell findet. Auf Zehenspitzen tapse ich zurück ins Labyrinth aus Stellwänden Richtung Ausgang. Nur nix dreckig machen …

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