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Historische Formel 1-WM-Duelle (2)

Hill vs. Clark im Finale 1962

Graham Hill, Jim Clark und Bruce McLaren 1962 Foto: xpb

Dieses Jahr kommt es zum 16. Mal im WM-Finale zum Titel-Duell Mann gegen Mann - Rosberg gegen Hamilton. Wir blicken auf die 15 Duelle seit 1950 zurück. In Teil 2 kämpfen Graham Hill und Jim Clark in East London um die Weltmeisterschaft 1962.

13.11.2014 Michael Schmidt

Was beim Formel 1-Finale 1962 wirklich passierte

Das zweite WM-Duell der F1-Geschichte zwischen nur 2 Fahrern fand 1962 beim GP Südafrika in East London statt. Die Formel 1-Gemeinde musste auf die WM-Entscheidung zweieinhalb Monate warten. Das große Saisonfinale wurde erst am 29. Dezember ausgetragen.

Graham Hill reiste mit 39 Punkten zu dem entscheidenden Rennen des Jahres. Weil er in der Saison zuvor bereits sieben Mal gepunktet hatte, mussten der sechste Platz von Monaco und der vierte von England gestrichen werden. Und er würde ein weiteres Resultat streichen müssen, diesmal einen zweiten Platz, das schlechteste Ergebnis in seinem Restangebot.

Der B.R.M.-Pilot musste also gewinnen. Dann käme er maximal auf 42 Zähler. Jim Clark hatte es mit erst vier Resultaten einfacher. Für ihn zählte jeder Punkt. So machte es auch nichts aus, dass er erst 30 Punkte hatte. Ein Sieg, und der WM-Titel gehörte ihm. Er hätte Hill dann nach Punkten eingeholt, mit vier Siegen gegen drei, er hätte aber die höhere Anzahl an ersten Plätzen gehabt.

Der Finallauf wurde 1962 nach East London vergeben, einem hügeligen, mittelschnellen und 3,919 Kilometer langen Kurs mit Blick aufs Meer. Jim Clark befand sich in bestechender Form. Sein Lotus 25 spielte jetzt sein überlegenes Konzept voll aus.

Das große Duell um den WM-Titel endete in einem Drama. Zunächst sah alles nach einem Weltmeister Clark aus. Der Lotus-Pilot hatte bereits einen Vorsprung von 28 Sekunden herausgefahren, als 20 Runden vor Schluss der Motor festging. Hill holte mit seinem vierten Saisonsieg den Titel.

Unser fiktives Abu Dhabi-Finale 2014

Bis nach Weihnachten müssen wir diesmal nicht warten, bis wir den neuen Weltmeister kennen. Lewis Hamilton spielt als WM-Spitzenreiter die Rolle von Graham Hill. Sein Vorsprung ist zwar groß, aber nicht so wie der seines Urahnen. Da hätte er schon mit 49 Punkten Vorsprung ins Finale gehen müssen. Dafür kann Hamilton voll punkten. Streichresultate gibt es seit 1991 nicht mehr. Nico Rosberg hat eine etwas leichtere Aufgabe als Jim Clark. Er muss nicht gewinnen. Es wäre aber besser so.

Die Titelkontrahenten fuhren 1962 in unterschiedlichen Autos. Graham Hill im B.R.M. P57. Robust und simpel. Jim Clark im Lotus 25. Genial und zerbrechlich. Die Mercedes- Piloten sitzen in einem Auto, das beides vereint. Wenn einer der beiden Piloten von mehr Defekten heimgesucht wurde, dann Hamilton. Also umgekehrt zu 1962, als Hill mit Zuverlässigkeit punktet, Clark mit Speed. Doch zum Saisonende hatte Lotus endlich die fortwährenden Getriebeprobleme im Griff. Auch die Silberpfeile hatten in diesem Jahr Getriebeärger.

Jetzt zum Rennen selbst. Die Trainingsbestzeit ging an Jim Clark - auf das aktuelle Duell umgemünzt also Rosberg. Drei Zehntel dahinter Hamilton alias Hill. Beide hatten eineinhalb Sekunden Vorsprung auf den Rest des Feldes. Das könnte auch diesmal passieren, so überlegen wie die Silberpfeile sind.

Rosberg geht vom Start weg in Führung und hat 20 Runden vor Schluss 28 Sekunden Vorsprung auf Hamilton. Dann kündigt blauer Rauch das Ende der überlegenen Fahrt an. Im Kurbelgehäuse des Mercedes V6-Turbo hat sich eine Schraube gelöst, durch die Öl nach draußen strömt. Der Grund für das Lockern der Schraube ist banal. Jemand hat beim Zusammenbau des Motors an der Stelle eine Unterlegscheibe vergessen. 1962 war es kein Mercedes-Motor, sondern ein Climax V8. Mit 1,5 Liter Hubraum.

Würde sich das Drama von 1962 wiederholen, wäre Hamilton mir 384:317 Punkten klarer Weltmeister. Diesmal würde man nicht diskutieren, ob er ein würdiger Champion ist. Bei Graham Hill war das der Fall. Zu Unrecht. Der B.R.M.-Pilot holte den Titel durch Beständigkeit und eine fast fehlerlose Saison. Bei insgesamt vier Siegen konnte man auch nicht behaupten, Hill hätte den Titel nur abgestaubt.

Für den Engländer mit dem feinen Oberlippenbart endete der Jubeltag übrigens mit einer Schrecksekunde. Auf der Auslaufrunde strömten bereits viele Zuschauer auf die Strecke, darunter auch der 14-jährige David Wrigley. Der Junge wollte den einmaligen Moment auf einem Foto festhalten und unterschätzte dabei, wie nah der B.R.M. an ihm vorbeifuhr. Er wurde vom Hinterrad erfasst und brach sich dabei ein Bein. Graham Hill besuchte Wrigley am Tag danach im Krankenhaus und schenkte ihm einen Tennisschläger. Zehn Jahre lang schickte er eine Weihnachtskarte nach Südafrika.

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