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Historische Formel 1-WM-Duelle (4)

Lauda steigt 1976 im Regen aus

Niki Lauda - Rush Film Movie 2013 Foto: rushmovie.com 19 Bilder

Dieses Jahr kommt es zum 16. Mal im WM-Finale zum Titel-Duell Mann gegen Mann - Rosberg gegen Hamilton. Wir blicken auf die 15 Duelle seit 1950 zurück. In Teil 4 unserer Serie kämpfen Niki Lauda und James Hunt in Fuji um die Weltmeisterschaft 1976.

14.11.2014 Michael Schmidt

Was beim Formel 1-Finale 1976 wirklich passierte

Japan stand zum ersten Mal im Kalender der Formel 1-WM. Niki Lauda ging mit drei Punkten Vorsprung in die entscheidende Schlacht gegen James Hunt. Die Rechenspiele waren simpel. Hunt musste mindestens ausgleichen. Bei Punktgleichheit war er wegen der höheren Anzahl der Siege Weltmeister. Da stand es 6:5 für den Engländer.

Die Spannung war mit den Händen zu greifen. Als James Hunt am Wochenende vor dem Rennen auf der für alle unbekannten Strecke vier Demonstrationsrunden mit seinem McLaren drehte, machte Ferrari-Rennleiter Daniele Audetto eine Staatsaffäre daraus. Er wollte auch extra Trainingszeit, wurde aber abgewiesen.

James Hunt startete aus der ersten, Niki Lauda aus der zweiten Reihe. Nur einer war schneller. Mario Andretti holte für Lotus die erste Pole Position seit über zwei Jahren. Am Sonntag regnete es Bindfäden. Riesige Pfützen sorgten für Aquaplaning, die Gischt und der Nebel reduzierten die Sicht auf 100 Meter.

Unter der Führung von Lauda erklärten mehrere Fahrer, dass sie bei diesen Bedingungen nicht fahren würden. An einen planmäßigen Start zur Ortszeit 13.30 Uhr war nicht zu denken. Damit begannen die Diskussionen, unterbrochen von einem weiteren Warm-up und zu Ende gebracht durch ein Ultimatum, dass um 15.00 Uhr definitiv gestartet werde.

Der Veranstalter wollte den 70.000 Zuschauern ein Rennen bieten. Bernie Ecclestone mahnte an, dass TV-Stationen rund um den Globus Satellitenzeit gebucht hatten. Wer sich auf ein großes Duell gefreut hatte, wurde schnell enttäuscht. Nach der ersten Runde war Lauda Zehnter, nach der zweiten stand er an der Box und stieg aus. Aus Angst vor einem großen Unfall.

Der Vorschlag von Rennleiter Daniele Audetto, einen Motorschaden vorzutäuschen, wurde von seinem Fahrer abgelehnt. Lauda warf sich in Zivilklamotten und düste zum Flughafen nach Tokio ab. Hunt war allerdings noch nicht automatisch Weltmeister. Er musste Vierter werden.

Ab der 20. Runde begann der Regen erst nachzulassen, dann ganz aufzuhören. Auf der abtrocknenden Strecke begannen die Regenreifen zu überhitzen. An Hunts McLaren löste sich langsam der linke Vorderreifen auf. Fünf Runden vor Schluss dann das Unfassbare. Hunt kam mit einem Reifenschaden an die Box. Als Sechster ging er wieder auf die Strecke. Zu diesem Zeitpunkt war Lauda Weltmeister.

Zwei Runden vor Schluss hatte Hunt den Ferrari von Clay Regazzoni und den Surtees von Alan Jones wieder eingeholt. Beide kämpften mit abgefahrenen Reifen. Hunt ging an den wehrlosen Gegnern vorbei. Mario Andretti gewann ohne Boxenstopp mit einer Runde Vorsprung auf Patrick Depailler. Hunt reichte der dritte Platz zum Titel.

Unser fiktives Abu Dhabi-Finale 2014

Hamilton liegt in der WM-Wertung vorne - also ist er in der Position von Niki Lauda, Rosberg spielt den James Hunt. Während Hunt drei Punkte gutmachen musste, sind es bei Rosberg 17. Hunt hatte die leichtere Aufgabe. Bei einem Sieg war er automatisch Weltmeister. Rosberg braucht den Beistand von Glücksgöttin Fortuna. Gewinnt er, darf Hamilton höchstens Dritter werden.

Die Chancen, dass etwas schiefgeht, waren 1976 größer. In Fuji konnte es regnen. Was nach zwei schönen Trainingstagen prompt eintrat. Die Chance auf Regen in Abu Dhabi ist geringer als die eines Sandsturms. Die Klimatabelle weist für den November im Schnitt einen Regentag aus. Nehmen wir mal an, dieser Tag ist am 23. November.

Wie damals liegen die beiden WM-Kandidaten nach zwei Trainingstagen bei schönem Wetter direkt hintereinander. Nur durch 0,28 Sekunden voneinander getrennt. Analog zu 1976 müsste Rosberg aus der ersten, Hamilton aus der zweiten Reihe starten. Doch wer soll den Mercedes die Pole Position wegschnappen? Einer, der zwei Jahre nicht auf dem besten Startplatz stand. Das kann nur Fernando Alonso sein.

Beim GP Japan vor 38 Jahren setzte die in Japan früh einsetzende Dunkelheit den Diskussionen um Start oder Nicht-Start ein Ultimatum. Um 15 Uhr Ortszeit musste es losgehen. In Abu Dhabi ist das kein Problem. Der Grand Prix endet planmäßig unter Flutlicht.

Abu Dhabi im Regen: Nach einer Formationsrunde unter indiskutablen Bedingungen wird das Feld umgehend auf die Reise geschickt. Die Organisatoren wollen Tatsachen schaffen, bevor es irgendeinem einfallen konnte, über den Sinn einer Austragung des Rennens zu reden.

Die Sicht ist gleich Null. An Drainage hat Architekt Hermann Tilke bei dem Wüsten-Kurs natürlich nicht gedacht. Nur Spitzenreiter Rosberg hat freie Sicht. Der Rest des Feldes verschwindet in einer gewaltigen Gischtwolke.

Hamilton ist nach der ersten Runde wie damals Lauda Zehnter. Nach der zweiten steht er an der Box und steigt aus. Zu gefährlich, befindet der Champion von 2008. Der Engländer berät sich kurz mit Lauda, der die konsequente Haltung seines Schützlings gut findet und reist ab.

Doch Rosberg ist noch nicht Weltmeister. Er muss Fünfter werden. Zunächst liegt er klar an der Spitze. Ab der 20. Runde lässt der Regen nach. Das Feld wechselt auf Intermediates. Als es später ganz aufhört zu regnen, werden die Intermediates zu heiß. Einige wollen bis zum bitteren Ende durchhalten, andere wechseln die Reifen.

Rosberg hat so viel Vorsprung, dass er sich eigentlich über die Distanz retten könnte. Doch fünf Runden vor Schluss platzt der rechte Vorderreifen. Zu seinem Glück genau vor der Boxeneinfahrt. Doch die Mercedes-Crew ist auf den Boxenstopp nicht gefasst. 27 Sekunden verstreichen. Wie damals bei James Hunt. Rosberg kehrt als Sechster zurück auf die Strecke. Damit wäre Hamilton Weltmeister.

Zwei Runden vor Schluss hat Rosberg den Fünften und Vierten eingeholt. Sie fahren noch auf Intermediates. Er geht im Handumdrehen an beiden vorbei. Damit gehört der Titel wieder ihm. Alonso gewinnt vor Vettel. Rosberg wird Dritter. Weil wie damals der Funk ausgefallen ist, hat er keine Ahnung davon, dass er mit 347:334 Punkten neuer Weltmeister ist. Er merkt es erst, als er in den Parc fermé rollt.

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