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Hitler-Vergleich: Oettinger sagt Treffen mit Ecclestone ab

Bernie Ecclestone

Der Skandal um Bernie Ecclestones Rechtfertigung der Politik von Nazi-Diktator Adolf Hitler hat zu deutlichen Reaktionen und ersten Konsequenzen geführt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger sagte ein geplantes Treffen mit dem Formel-1-Chef ab.

"Das hat der Ministerpräsident am Wochenende nach Bekanntwerden der Äußerungen entschieden", sagte Regierungssprecher Christoph Dahl am Montag (6.7.) in Stuttgart. Zuvor hatte der Zentralrat der Juden Ecclestone scharf kritisiert. "Mit Faschisten verhandelt man nicht - man muss sie verdammen und verachten", sagte Vizepräsident Dieter Graumann in einem Gespräch mit der Webseite des Handelsblatts.

Eigentlich wollte Oettinger an diesem Sonntag (12.7.) am Rande des Großen Preises von Deutschland auf dem Nürburgring mit Ecclestone über die Zukunft des Formel-1-Rennens auf dem Hockenheimring verhandeln. Das Gespräch solle nun ein Anwalt oder ein anderer Beauftragter des Landes führen, sagte Dahl.

Kritik aus der Politik und Verbänden

"Ich bin schockiert über das, was passiert ist", sagte Karl-Josef Schmidt, einer der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH. Andererseits sei die Formula One Administration (FOA) "unser Vertragspartner, mit dem wir verhandeln. Sie wird durch Herrn Ecclestone repräsentiert. Ich kann über die Auswirkungen für das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring im Moment noch nichts sagen."

Vor Oettingers Absage hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland den CDU-Politiker aufgefordert, sich nicht mit Ecclestone zu treffen. Eine Begegnung mit dem Briten sei nun "natürlich vollkommen unmöglich geworden - das ist eine bare Selbstverständlichkeit", sagte Graumann und fügte hinzu: "Mit Faschisten verhandelt man nicht - man muss sie verdammen und verachten."

Graumann drängte auch die Rennställe, ihre Zusammenarbeit mit Ecclestone abzubrechen. "Kein Team sollte mehr mit ihm zusammenarbeiten - ein Boykott wäre nun mehr als angebracht", sagte er. "Gerade eine Woche vor dem Start am Nürburgring sollten alle Teams sehr klar machen: Wer Hitler lobt, katapultiert sich selbst rasant sofort aus der Seriosität heraus." Ecclestone sei "ein übler politischer Geisterfahrer und fährt so die gesamte Formel 1 an die Wand."

Ecclestone rudert zurück

Reaktionen der Teams zu Ecclestones Aussagen zu Hitler und seinen abfälligen Bemerkungen über Demokratien gab es bis zum Montagnachmittag nicht. In der Bild-Zeitung hatte der ehemalige Gebrauchtwagenhändler seine Äußerungen zu relativieren versucht und sie als "großes Missverständnis" bezeichnet. "Wir haben in dem Interview über Strukturen gesprochen und dass es manchmal gut sein kann, wenn etwas uneingeschränkt und stringent behandelt und entschieden wird", meinte er. "Dann bin ich gefragt worden, ob ich denn Diktatoren kennen würde."

Er habe Hitler nicht als positives Beispiel aufgeführt, "sondern lediglich darauf hingewiesen, dass er vor seinen fürchterlichen Verbrechen erfolgreich gegen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise gewirkt hat." Niemals wäre er auf die Idee gekommen, "die Gefühle einer Gemeinschaft zu verletzen. Viele Personen meines engsten Freundeskreises sind Juden. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemals Minderheiten attackieren würde."

Times-Interview sorgt für Eklat

Am Wochenende hatte er laut "Times" gesagt: "Vermutlich ist es schrecklich, das zu sagen, aber abgesehen von der Tatsache, dass Hitler überzeugt wurde, Dinge zu machen, von denen ich nicht weiß, ob er sie wollte oder nicht, war er in der Lage, eine Menge Menschen zu befehligen und Dinge erledigen zu können." Und: "Am Ende hat er die Orientierung verloren, also war er kein sehr guter Diktator. Entweder wusste er, was vor sich ging und bestand darauf, oder er hat sich dem einfach angeschlossen."

Zentralratsvize Graumann meinte dazu: "Der Herr ist entweder strohdumm oder unglaublich bösartig - vermutlich aber beides." Unter anderem hatte der Jüdische Weltkongress (WJC) den Rücktritt des Briten als Chef der Formel 1 gefordert. Auch englische Politiker hatten Ecclestone wegen seiner Aussagen heftig kritisiert.

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dpa/tgr

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