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Hockenheim-Strafe für Vettel zu hart

FIA-Regelauslegung nicht konstant

Sebastian Vettel GP Deutschland 2012 Foto: xpb 39 Bilder

Sebastian Vettel bekam für sein Überholmanöver gegen Jenson Button 20 Strafsekunden aufgebrummt. Die nachträgliche Strafe war nach Meinung vieler zu hart. Bei ähnlichen Manövern hatten die Kommissare der FIA früher schon anders entschieden. Wir zeigen die Präzedenzfälle.

23.07.2012 Michael Schmidt

Das böse Erwachen kam für Sebastian Vettel um 17.20 Uhr, eine Stunde und 48 Minuten nach dem strittigen Manöver in der 66. Runde des GP Deutschland. Da hatte der Titelverteidiger Jenson Button vor der Spitzkehre ausgebremst und sich danach neben die Strecke treiben lassen. Beim anschließenden Beschleunigungsduell zog Button den Kürzeren.

FIA bezeichnet Strafe selbst als "sehr hart"

Daraufhin brummten die vier Sportkommissare Paul Gutjahr, Tim Mayer, Derek Warwick und Detlef Kramp dem Red Bull-Piloten eine 20-Sekunden-Zeitstrafe auf. Das warf Vettel von Platz zwei auf Rang fünf zurück. Die Strafe kostet ihn acht WM-Punkte. BBC-Reporter David Coulthard fand die Strafe zu hart: "Das steht in keinem Verhältnis zum Vergehen. In der DTM verlassen da alle die Strecke, und es wird dabei auch überholt."

Auch in Kreisen der FIA war man nicht ganz glücklich. "Die Strafe ist sehr hart", gab FIA-Rennleiter Charlie Whiting zu. "Leider haben wir im Moment aber nichts anderes im Angebot. Wäre der Vorfall früher im Rennen passiert, hätte Vettel eine Durchfahrtstrafe bekommen. Wenn er sie im Rennen nicht mehr absitzen kann, sind das automatisch 20 Sekunden."

Strafenkatalog ohne kleine Strafen

Der FIA-Strafenkatalog sieht kein geringeres Strafmaß vor. Die Schiedsrichter des Verbandes wissen um diese Schwachstelle. Sie arbeiten an einer Verfeinerung der möglichen Sanktionen. Zum Beispiel, dass man das betroffene Auto in einer Runde fünf Sekunden einbremst. Zurzeit wird noch diskutiert, wie man das technisch löst.

Sebastian Vettel hatte sich damit verteidigt, dass er Button Platz lassen wollte. "Ich wusste, dass er noch da ist, wusste aber nicht wo. In so einer Situation willst du keinen Crash riskieren." Diese Einlassung machte bei den Sportkommissaren keinen Eindruck. "Wenn an der Stelle eine Mauer steht oder ein Kiesbett, macht er das nicht", sagte einer aus dem Quartett.

War es am Ende sogar ein Vorteil, neben der Strecke zu beschleunigen? Charlie Whiting schüttelte den Kopf: "Darum geht es nicht. Wenn Sebastian die Kurve enger fahren muss, verliert er Drehmoment. Durch den weiten Bogen konnte er früher aufs Gas, als wenn er innerhalb der Bahn geblieben wäre."

Hamilton und Schumi bei ähnlichen Fällen ohne Strafe

Im Fall Vettel ist das Urteil nicht ganz konsequent. Beim GP Bahrain hatte Lewis Hamilton den Mercedes von Nico Rosberg ebenfalls auf gerader Strecke außerhalb der Begrenzungslinien überholt. Es gab eine Untersuchung, aber keine Strafe. Hamilton redete sich damit heraus, dass ihn Rosberg abgedrängt habe.

Beim GP Deutschland 2003 hatte Michael Schumacher den Renault von Jarno Trulli in der Spitzkehre mit dem gleichen Trick wie Vettel überholt. Wer das Manöver schon wieder vergessen hat, kann es sich auf YouTube noch einmal anschauen. Nach den Argumenten der Stewards - wäre dort eine Mauer gestanden - hätte Schumacher auch zurückziehen müssen. Der Rekordchampion kam damals übrigens ungeschoren davon. Vermutlich weil es keinen Kläger gab. Diesmal erstatte McLaren bei der Rennleitung Rapport.

Vettel hätte Strafe entgehen können

Bleibt noch die Frage, welche Schuld Red Bull und Vettel selbst tragen. "Hätte Vettel seinen Gegner Button wieder vorbeigelassen, wäre nichts passiert", behaupten die Schiedsrichter. Bei McLaren wunderte man sich, dass der Weltmeister nicht zurücksteckte. "Vettel hat gesehen, dass Buttons Hinterreifen am Ende waren. Er wäre in der letzten Runde locker an ihm vorbeigefahren."

Sky-Reporter Martin Brundle meinte: "Red Bull hätte Seb am Funk darauf hinweisen müssen, Button wieder vorbeizulassen." Gerade vor dem Hintergrund, dass es zwischen dem Weltmeisterteam und der Rennleitung zurzeit etwas kriselt. Bei Red Bull fühlt man sich von der Sporthoheit verfolgt. Wenn das Team schon dieser Meinung ist, muss es in solch strittigen Szenen besonders vorsichtig sein und nicht auch noch das Schicksal herausfordern.

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