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Hockenheimring erwartet Millionen-Defizit

Foto: Wolfgang Wilhelm 40 Bilder

Das Milliarden-Geschäft Formel 1 kehrt zurück auf den Hockenheimring, doch für die Gastgeber bedeutet der Auftritt ein Millionen-Risiko. Die Organisatoren planen für den GP Deutschland (20.7.) schon jetzt mit einem Defizit von drei Millionen Euro.

17.07.2008

"Was es am Ende tatsächlich wird, hängt von der Tageskasse ab", sagte Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer, Vorsitzender der Hockenheimring-GmbH. Eine langfristige Garantie für Formel-1-Rennen auf der nordbadischen Traditionsstrecke will Gummer daher nicht geben: "Wir müssen uns den nüchternen Zahlen stellen."

Das Ende der Boom-Ära nach dem Abgang von Rekordweltmeister Michael Schumacher verhagelt den deutschen Formel-1-Strecken die Bilanzen. Die fetten Jahre zweistelliger Wachstumsraten sind für den Hockenheimring und den Nürburgring lange vorbei. Seit dem Vorjahr wechseln sich beide Kurse aus wirtschaftlichen Erwägungen bei der Austragung des deutschen Grand Prix ab. "Die deutschen Strecken haben das große Problem, dass sie mit der Garantiesumme, die sie abgeben müssen, nicht in die Gewinnzone fahren können", sagte Marcel Cordes, Vorstand der Kölner Sponsoring-Beratung Sport+Markt. 

Schwierige Refinanzierung

Die Millionen-Forderungen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone an die Streckenbetreiber lassen sich mit Ticketverkäufen allein kaum refinanzieren. Um die Verluste gering zu halten, hoffen die Hockenheimer zumindest am Renn-Sonntag auf volle Ränge. 65.000 Karten wurden vorab verkauft. Platz ist für 80.000 Zuschauer, auf Zusatztribünen verzichteten die Organisatoren in diesem Jahr ganz. "Eigentlich müsste bei fünf deutschen Fahrern und zwei deutschen Teams ein ausverkauftes Haus normal sein. Aber wir müssen es abwarten", sagte Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler. Möglicherweise lockt PS-Rentner Schumacher, der als Ferrari-Berater zum Rennen kommt, noch ein paar Fans.

Auch die deutschen Formel-1-Autohersteller Mercedes und BMW rührten vor dem Heimrennen die Werbetrommel. "Der Große Preis von Deutschland ist eindeutig die Nummer 1 im deutschen Motorsport-Kalender und damit das wichtigste Rennen des Jahres für alle Interessierten", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Mit Boxenstopp-Wettbewerben, Shows und Autogrammstunden mit WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und Silberpfeil-Kollege Heikki Kovalainen locken die Schwaben die Fans auf die 6.500 Zuschauer fassende Mercedes-Tribüne. Doch Haug weiß: "Es wird schwierig, ein komplett volles Haus zu haben."

Seit 2004 schreibt die Ring-GmbH mit der Formel 1 rote Zahlen. Die Einnahmen aus anderen Renn-Veranstaltungen sowie Fahrertrainings können diese Verluste nicht komplett auffangen. 2006 entging die Hockenheimring-Firmengruppe nur knapp dem Konkurs. 2010 hat die Strecke noch einmal die Formel 1 zu Gast, dann wird abgerechnet. "Wir haben eine finanzwirtschaftliche Verantwortung", sagte Verwaltungschef Gummer.

Großer Stellenwert für die Region

Die Kehrseite allerdings ist der Glamour-Faktor der Königsklasse. "Nur dort, wo die Formel 1 fährt, wollen auch Firmen und andere Veranstalter hin", erklärte Geschäftsführer Seiler. "Die Botschafter-Funktion der Formel 1 ist ungebrochen groß", sagte Branchenexperte Cordes. Der PS-Zirkus hat Hockenheim international bekannt gemacht, der Grand Prix spült pro Wochenende insgesamt rund 40 Millionen Euro in die Kassen der Hotels und Restaurants der Region. "Die Formel 1 hat als Imageträger einen erheblichen Stellenwert", sagte Gummer.

Doch nur frisches Geld liefert den Organisatoren neue Argumente für einen Verbleib der Formel 1. Geplant ist der Verkauf von GmbH-Anteilen und des Namensrechts. Es gebe Gespräche, mehr noch nicht, berichtete Gummer. Die Hoffnung auf Motorrad-WM-Läufe als zweiten Zuschauermagneten hat sich vorerst zerschlagen.

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