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Hollywood meets Schwabenland

Passt Hamilton zu Mercedes?

Lewis Hamilton Silberpfeil Nordschleife 2009 Foto: Wolfgang Wilhelm 73 Bilder

Mit der Verpflichtung von Lewis Hamilton als Nachfolger von Michael Schumacher geht Mercedes hohes Risiko. Der Brite gilt zwar als einer der Besten seiner Zunft, aber auch als möglicher Unruheherd.

28.09.2012 dpa, Tobias Grüner

Extrovertiert, exzentrisch und immer gut für eine kleine Eskapade: Lewis Hamilton ist abseits der Rennstrecke die Antithese zu Michael Schumacher. Der Nachfolger des Formel-1-Rekordweltmeisters im Silberpfeil versendet schon mal geheime Teamdaten via Twitter, macht bis in die Nacht Party mit ein paar Damen im Hotel und verärgert damit Popstar-Freundin Nicole Scherzinger. Der 27-Jährige gilt in der PS-Branche als Rapper auf Rädern, als vielleicht schillerndste Figur im Vollgas-Zirkus. Pflegeleicht ist der Mercedes-Neuzugang ganz sicher nicht.

Hamiltons Talent ist unbestritten

Doch der schwäbische Autobauer weiß, warum er das Wagnis eingeht und die globale Sportikone Schumacher gegen Hamilton austauscht. Auf der Strecke sind die Qualitäten des Briten unbestritten, er gilt neben WM-Spitzenreiter Fernando Alonso und Doppel-Champion Sebastian Vettel als der derzeit beste Fahrer der Formel 1. "Leidenschaftlichen Siegeswillen" nannte Hamilton am Freitag (28.9.) als Eigenschaft, die ihn und Mercedes eine.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn hofft auf eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft: "Ich glaube, dass Lewis und Nico die interessanteste und aufregendste Fahrerpaarung im kommenden Jahr im Feld sein wird, und ich freue mich darauf, zu sehen, was wir zusammen erreichen können. Während der letzten drei Jahre haben wir das Fundament gelegt und die Bausteine gesetzt, die notwendig waren, um regelmäßig um die WM-Titel zu kämpfen."

"Dazu haben wir ein Team zusammengestellt, das technisch stärker, erfahrener und besser ausgestattet ist. Das Potenzial ist mittlerweile vorhanden, um mit jedem anderen Team im Feld aussichtsreich zu konkurrieren, was der grundsätzliche Anspruch eines Mercedes-Benz Werksteams ist. Unsere Aufgabe ist es jetzt, dieses Potenzial in Leistung auf der Rennstrecke im nächsten Jahr und darüber hinaus umzusetzen."

Hamilton auf und neben der Strecke kompromisslos

Wenn es mit den Siegen aber mal nicht so läuft, schießt Hamilton als Rennrüpel aber bisweilen auch über das Ziel hinaus. Das zumindest erinnert an den siebenmaligen Champion Schumacher auf dem Höhepunkt seines Schaffens. 20 seiner 104 Formel-1-Rennen hat Hamilton gewonnen. 2008 war er Weltmeister, damals als jüngster Fahrer der Geschichte. Ein Jahr davor hatte er den Titel trotz großen Vorsprungs noch verspielt. Dieser Eindruck bleibt bis heute: Für sein außergewöhnliches Talent hat Hamilton noch zu wenig erreicht.

Auch das war wohl einer der Beweggründe für die Trennung von McLaren. Als Zehnjähriger war Hamilton auf McLaren-Boss Ron Dennis zugegangen und hatte ihm erklärt: "Hi, ich bin Lewis Hamilton und ich will eines Tages euer Auto fahren." Ein paar Jahre später holte Dennis ihn tatsächlich ins Nachwuchsprogramm, 2007 debütierte Hamilton schließlich in der Formel 1. In den ersten neun Rennen fuhr er stets aufs Podium, auch dank des starken Mercedes-Motors.

Hamilton genießt Hollywood-Leben

Doch Hamilton hat eben auch diese andere Seite. Er genießt das süße Leben der High Society an der Seite der bildhübschen "Pussycat Dolls"-Sirene Scherzinger. Er zeigt sich gern mit Hip-Hop-Musikern und verbreitet Twitter-Botschaften im Rap-Slang. Hamilton will eine Marke sein - und ist sich seines Werts sehr wohl bewusst.

Im Streit hatte er einst Vater Anthony den Laufpass als Manager gegeben. Inzwischen wird er von der Agentur von Simon Fuller beraten, der auch David Beckham, die Spice Girls und Jennifer Lopez vertritt. Wie stark Fullers Einfluss auf Hamiltons Entscheidung war, ist offen. Dass sich der Formel-1-Superstar allein aus sportlichen Gründen für Mercedes entschied, darf aber bezweifelt werden.

Die große Frage lautet nun, ob sich Hollywood und schwäbische Tugenden in Einklang bringen lassen. In britischen Gazetten wird Mercedes schon jetzt als nicht gut genug für den Weltmeister von 2008 befunden. Sollte das Auto in der Saison 2013 nicht um den Titel kämpfen können, wird es wohl ungemütlich für alle Beteiligten. Erst die Zeit wird zeigen, ob es alles ein großes Missverständnis war.

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