Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Honda-Chef Yusuke Hasegawa im Interview

"Nur mit Glück ein Podium"

Yusuke Hasegawa - Honda - Formel 1 - 2016 Foto: sutton-images.com 11 Bilder

Rennleiter Yusuke Hasegawa spricht über die Pläne und Ziele von Honda, gibt zu dass ein Podium 2016 unrealistisch ist und erklärt, warum Honda darauf gedrängt hatte, dass die Token-Regel fällt.

26.06.2016 Michael Schmidt
Liegt Honda im Plan?

Hasegawa: Wir sind nicht zufrieden, aber die Ergebnisse sind vernünftig, wenn man bedenkt von wo wir herkommen. Ja, wir sind noch im Plan. Und wir sind optimistisch innerhalb der nächsten 2 Jahre ein Podium oder einen Sieg herauszufahren.

Ist ein Podiumsplatz dieses Jahr noch möglich?

Hasegawa: Nein. Nur mit Glück. Unser realistisches Ziel ist regelmäßig in die Punkte zu fahren.

Sind Sie mit dem Fortschritt des Motors zufrieden?

Hasegawa: Natürlich willst du immer mehr, aber wir sind froh, dass wir Fortschritte erkennen können.

Mit welchen Problemen hatte Honda 2015 zu kämpfen?

Hasegawa: Eigentlich überall. Am größten waren unsere Probleme mit der Zuverlässigkeit, und auch da in allen Bereichen.

Hat Honda die Hybrid-Technologie unterschätzt?

Hasegawa: Ich würde sagen ja. Keiner hat so eine schlimme Saison wie letztes Jahr erwartet. Wir waren einfach noch nicht bereit, Rennen zu fahren. Weder in Bezug auf die Leistung, noch auf die Zuverlässigkeit.

Wie haben Sie die Arbeit über den Winter aufgeteilt?

Hasegawa: Am Ende kommt es auf die Leistung an. Aber bevor du dich darum kümmern kannst, brauchst du eine solide Basis. Deshalb haben wir uns im Winter hauptsächlich um die Standfestigkeit gekümmert.

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Hasegawa: Wir sind besser, aber noch nicht gut genug. Am Freitag in Montreal hatten wir einen Turboschaden. Wir sind da noch nicht sattelfest. Und da ist es egal, ob ein Ölleck dazu geführt hat. Auch das müssen wir ausschließen.

Die McLaren liegen in der Top-Speed-Tabelle meistens hinten. Ist da nur der Motor schuld, oder hat das Auto zu viel Luftwiderstand?

Hasegawa: Beides. Das Auto hat in diesem Jahr mehr Abtrieb. Und unser Motor hat zu wenig Leistung. Selbst wenn McLaren mit der gleichen Flügeleinstellung wie die anderen Teams fahren würde, wären wir im Top-Speed auch nicht vorne.

Reden wir über die Leistung. Wo gibt es die größeren Defizite: Auf der elektrischen oder mechanischen Seite?

Hasegawa: Auf der elektrischen Seite haben wir praktisch das Niveau der anderen Hersteller erreicht. Wir müssen uns jetzt auf den Verbrennungsmotor konzentrieren. Da werden Sie auch die nächsten Entwicklungsschritte sehen. Wann sie kommen, steht noch nicht fest. Wir entwickeln unter Volldampf und bringen die neuen Teile, sobald sie die geforderte Zuverlässigkeit erreicht haben.

Der neue Turbolader war ein weiterer Schritt in diese Richtung?

Hasegawa: Ja, genau. Der Turbolader ist heute dazu da, mehr elektrische Power zu generieren und in den Antrieb einzuspeisen. Wir sind jetzt in der Lage so viel elektrische Leistung abzurufen, wie es das Reglement erlaubt.

Werden Sie alle 11 Token einlösen, die Sie noch übrig haben?

Hasegawa: Das ist der Plan. Es würde wenig Sinn machen, es nicht zu tun.

Honda hat dafür gekämpft, das Token-System abzuschaffen. Warum? Andere Hersteller behaupten, man könne mit 32 Token einen neuen Motor bauen.

Hasegawa: Wir sind bereits mitten in der Entwicklung des nächstjährigen Motors und stecken dabei die Eckpunkte ab. Noch wissen wir nicht, wohin die Reise geht und wie viele Token wir dafür brauchen würden, gäbe es die Token-Regel noch nächstes Jahr. Möglich dass 32 Token ausreichen würden. Aber ohne Beschränkungen sind wir einfach viel freier im Design, weil wir nicht dauernd drüber nachdenken müssen, ob wir das Limit überschreiten.

Wird der 2017er Motor eine Evolution oder eine Revolution sein?

Hasegawa: Ich will jetzt nicht sagen, dass wir einen komplett neuen Motor bauen. Es ist ja nicht alles schlecht. In einigen Bereichen müssen wir nur Anpassungen vornehmen. In anderen brauchen wir ein neues Konzept.

Renault glaubt, dass sie auf den Motor bezogen eine halbe Sekunde hinter Mercedes liegen. Wie weit ist Honda weg?

Hasegawa: Auf der Rennstrecke liegen wir ungefähr 1,5 Sekunden hinter Mercedes. Diese Lücke können wir sicher nicht allein mit dem Motor schließen. Ich schließe mich Renaults Meinung an und würde sagen, dass rein von der Leistung her eine halbe Sekunde fehlt. Aber wenn diese halbe Sekunde kommt, kann McLaren auch mit dem Fahrzeugkonzept reagieren, und die Reifen kommen leichter in ihren Arbeitsbereich. Das eine hilft dann dem anderen.

Ist die Isolation in Japan ein Vorteil oder ein Nachteil?

Hasegawa: Ich glaube, dass es kein Nachteil ist. Die Welt ist sehr klein geworden. Mit den modernen Kommunikationsmitteln kannst du heute rund um die Welt mit jedem Kontakt aufnehmen. Der Standort spielt keine Rolle. Eher die Einstellung. Selbst wenn wir den Motor komplett in Japan entwickeln, können wir auf europäische Technologie zurückgreifen. Man muss es aber auch wollen.

Mercedes, Ferrari und Renault werben sich untereinander Ingenieure ab, um so schneller zum Erfolg zu kommen. Macht Honda bei diesem Spiel mit?

Hasegawa: Theoretisch wäre es einfach. Wir haben eine Basis in England mit Prüfständen, könnten also europäische Ingenieure abwerben. Aber wir tun es nicht.

In allen Formel 1-Epochen hat Honda immer etwas Anlauf gebraucht, bis man erfolgreich war. Sind Sie guter Hoffnung, dass es diesmal genauso ist?

Hasegawa: Auf jeden Fall. Wir glauben, dass wir eines Tages den stärksten Motor im Feld haben werden.

Bei Mercedes arbeiten 400 Leute am Motor. Ferrari und Renault sind inzwischen ähnlich groß. Wo liegt Honda?

Hasegawa: Wir geben die Zahl der Leute nicht bekannt, aber ich kann Ihnen sagen, dass wir nicht weit davon entfernt liegen.

Wie viele Ingenieure aus den alten Tagen sind noch dabei?

Hasegawa: Die meisten unserer Ingenieure haben Erfahrung. Es ist aber nicht mehr alle dabei. Vergessen Sie nicht, dass wir eine Pause von 5 Jahren eingelegt hatten. In der Zwischenzeit sind viele Ingenieure in die Serienentwicklung gegangen.

Ist Honda bereit, ein zweites Team zu beliefern?

Hasegawa: Wenn wir genügend Ressourcen hätten, gäbe es nichts, was gegen ein zweites Team spricht. Du generierst mehr Daten und Erfahrungen und lernst so auch schneller. Aber in unserer derzeitigen Lage gibt es nicht viele Teams, die unseren Motor wollen. Zurzeit hat jedes Team einen Motor. Wir planen aber unsere Organisation so auszubauen, dass wir einen zweiten Rennstall beliefern könnten, wenn Interesse bestünde.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden