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Hülkenberg über Porsche-Einsatz

"Nicht mehr viel Unterschied zur Formel 1"

Nico Hülkenberg - Porsche 919 Hybrid - 2015 Foto: Porsche 15 Bilder

Nico Hülkenberg tanzt dieses Jahr auf zwei Hochzeiten. Ein Wochenende Formel 1 im Force India, das nächste WEC im Porsche. Optisch zwei Welten. Doch von der Technik und neuerdings von den Rundenzeiten her sind sich die zwei Rennserie sogar recht ähnlich, meint Hülkenberg.

18.05.2015 Michael Schmidt

Früher war es ganz normal. In den 50er, 60er und 70er Jahren fuhren viele Formel 1-Fahrer auch Langstreckenrennen. Mike Hawthorn, Phil Hill, Olivier Gendebien, Jochen Rindt, Bruce McLaren, Chris Amon, Dan Gurney, Pedro Rodriguez, Henri Pescarolo, Jacky Ickx, Graham Hill und Didier Pironi stehen auch bei den 24 Stunden von Le Mans in der Siegerliste.

Heute kommen Formel 1-Piloten nur noch in ein WEC-Cockpit, wenn sie ihre Grand Prix-Karriere beendet haben. Beispiel Mark Webber, Alexander Wurz oder Sebastien Buemi. Eine Ausnahme gibt es: Nico Hülkenberg fährt parallel Formel 1 und WEC. Der Einsatz für Porsche beschränkt sich in diesem Jahr auf zwei Rennen: Spa und Le Mans.

Nachtschicht für Porsche

Spa hat Hülkenberg bereits hinter sich. Damit sind auch die Eindrücke von seiner WEC-Premiere bei Porsche noch frisch. Vorangegangen war ein wahrer Marathon für Hülkenberg. Der Force India-Pilot verließ Bahrain noch am Abend des Rennens. "Am nächsten Tag stand ich schon in Paul Ricard auf der Matte. Porsche hatte mich für eine Nachtschicht eingeplant. Ich fuhr in den Sonnenaufgang. Das war vielleicht geil. Nach dem Grand Prix und dem Nacht-Test im Porsche war ich dann aber auch ganz schön platt."

Damit nicht genug. Nach dem Test in Paul Ricard ging es nach Stuttgart zum Rollout des 919. Von dort nach Spa. Ein Wochenende später zurück in die Formel 1 nach Barcelona. Mit dem 6 Stunden-Rennen von Spa noch im Kopf. Erstes Fazit: "Für mich passierte in Spa alles zum ersten Mal. Das Auto kannte ich natürlich schon. Aber die Abläufe waren neu für mich. Die Lernkurve ist steil. Ich habe mich schon ganz gut eingelebt."

Neu ist zum Beispiel, sich mit einem anderen Fahrer abzulösen. Und auf den Kollegen angewiesen zu sein. "Gerade als ich mich für meinen Stint fertig gemacht habe, passierte der Unfall mit unserem Auto. Ich habe ihn deshalb auch erst im Replay am Fernseher gesehen. Schade, dass der Crash so früh stattfand. Dadurch sind wir unser eigenes Rennen weiter hinten im Feld gefahren."

Auch an den Verkehr bei einem Langstreckenrennen muss man sich erst einmal gewöhnen. Hülkenberg sieht es als Herausforderung: "Wenn du auf langsame Autos aufläufst, fragst du dich immer: Was macht der da? Wo fährt er jetzt hin? Du brauchst eine gute Nase dafür, wo du dein Auto positionieren musst, um ohne großen Zeitverlust durchzukommen. Das macht schon Spaß."

"Eau Rouge auch im Porsche easy voll"

Natürlich wurde Hülkenberg gefragt, wie sich die WEC gegen die Formel 1 schlägt. Erste Antwort: "Das ist ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Beides ist Motorsport, aber eben zwei paar Schuhe." Auf den ersten Blick ja. Die einen fahren mit Dach, die anderen ohne. Die WEC-Renner haben verkleidete Räder, die Formel 1 nicht. Ein Sportwagen wiegt 870 Kilogramm, ein Formel 1-Auto 701 Kilogramm. Dafür mobilisiert der Porsche 919 im Maximum-Power-Modus 1.300 PS. Der Force India-Mercedes schafft höchstens 850 PS.

Trotzdem ist die Formel 1 schneller. Die WEC haben in diesem Jahr in Spa die Rundenzeiten auf 1.54 Minuten gedrückt. Die schnellste Formel 1-Runde auf trockener Bahn im letzten Jahr lag bei 1.49 Minuten. "Da ist nicht mehr so viel Unterschied", gibt Hülkenberg zu und nimmt uns mit auf eine Runde Formel 1 und WEC auf dem Ardennenkurs.

Auf der Kemmelgeraden hätte ein Formel 1 mit 345 zu 325 km/h gewonnen. "Aber nur, weil wir den Porsche auf 325 km/h übersetzt hatten." Im Le Mans-Trim hätten sich die Top-Speeds nicht viel gegeben. In den schnellen Kurven gleicht der Porsche das Gewichtshandikap durch mehr Abtrieb und den besseren Grip vom Reifen fast aus. "Eau Rouge ging auch im WEC easy voll. In den schnellen Kurven bremst das Gewicht etwas."

Beschleunigen mit Allradantrieb und Traktionskontrolle

Dafür geht beim Beschleunigen im Le Mans-Porsche die Post ab. Weil mehr Pferdestärken an den Antriebswellen zerren. "Und weil du die Power voll auf die Straße bringst. Der Allradantrieb und die Traktionskontrolle zieht dich aus den Ecken raus, das ist nicht normal. Du steigst aus der Busstop-Schikane und aus La Source raus einfach aufs Gas. Im Formel 1 musst du mit dem rechten Fuß ganz sachte umgehen."

Auch im WEC muss der Mann im Cockpit seinen Fahrstil so einrichten, dass das Hybridsystem maximal Leistung rekuperiert. Die Antriebseinheit von Porsche und die von Mercedes sind sich da ziemlich ähnlich. Beide haben eine MGU-K und eine MGU-H. Mit einer etwas anderen Betriebsphilosophie. Trotz Spritlimit rollt man in der WEC nicht benzinsparend durch die Gegend.

 "Da ist nichts mit cruisen. Du machst die ganze Zeit Druck", erzählt Hülkenberg. "Die Reifen sind sehr beständig. Du musst nicht dauernd daran denken, sie zu schonen. Natürlich hilft die Traktionskontrolle dabei, sie länger in Schuss zu halten." 

In der Woche nach dem GP Monaco wird es für Hülkenberg ernst. Dann geht es zum Vortest nach Le Mans. Auf eine Strecke, die es in der Formel 1 so nicht mehr gibt. Ein Großteil der 13,6 Kilometer führt über Landstraßen. Im ultraschnellen Schlussabschnitt stehen die Mauern gefährlich nah.

Hülkenberg freut sich auf das Abenteuer: "Ich gehe ganz offen nach Le Mans. Für mich gibt es da viel zu lernen. Ich träume nicht vom Gesamtsieg. Das wäre unrealistisch. Das Schöne an dem Porsche-Einsatz aber ist: Du weißt von vornherein, dass du vorne mitfahren wirst."

In unserer Galerie haben wir einige Bilder von Hülkenbergs WEC-Premiere in Spa-Francorchamps.

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