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Hülkenberg zwischen den Stühlen

"Es gibt auch noch eine Zukunft"

Hülkenberg - GP Abu Dhabi 2013 Foto: xpb 57 Bilder

Am Montag dieser Woche war Nico Hülkenberg schon ein halber Lotus-Pilot. Seit Dienstag ist er wieder bei Sauber. Und nächstes Jahr? Da fällt die Entscheidung zwischen Sauber und Force India. Lotus muss notgedrungen mit Pastor Maldonado fahren.

14.11.2013 Michael Schmidt

Es waren hektische vier Tage für Nico Hülkenberg. Neun Tage vor dem GP USA teilte Kimi Räikkönen Lotus mit, dass er seine für Dezember geplante Rückenoperation auf Anraten der Ärzte vorziehen werde. Man kann das auch so übersetzen. Bis Samstag letzter Woche war immer noch kein Geld auf Kimis Konto.

Am Sonntag meldete sich Lotus bei Nico Hülkenberg. 24 Stunden später traf der Sauber-Pilot zur Sitzprobe im Lotus E21 in Enstone ein. Er passte wie angegossen. Ein Lotus-Ingenieur verrät: "Alle Gerüchte, dass Nico zu groß für unser Auto sei, sind Unsinn. Er hätte bequem sitzen können."

Sauber zahlt 80 Prozent des Gehalts

Trotzdem sagte Hülkenberg Lotus einen weiteren Tag später ab. Sauber hatte ihm 80 Prozent des ausstehenden Gehalts bezahlt. Der Druck zeigte Wirkung. Sauber hätte sonst für die letzten beiden Rennen seinen Punktegaranten verloren.

Gerüchte, Ferrari habe die Rechnung beglichen, weil man verhindern wollte, dass Lotus mit Romain Grosjean und Nico Hülkenberg im Kampf um Platz 3 im Konstrukteurspokal zu gefährlich wird, sind natürlich Unsinn. Das Geld kam vermutlich von den mexikanischen Sponsoren, die bei Sauber endlich ihre letzte Rate entrichtet haben sollen.

Sauber ist neben Force India eine Option

Nico Hülkenberg wollte auf die verspätete Gehaltszahlung nicht näher eingehen. Stattdessen begründete er seine Absage an Lotus so: "Es gibt auch noch eine Zukunft. Und eine Option ist Sauber." Die andere heißt Force India. Im Augenblick hat das Team, für das Hülkenberg 2011 und 2012 unter Vertrag stand, leichte Vorteile. Dort gibt es weniger Fragezeichen.

Lotus hat Hülkenberg praktisch abgeschrieben. Um dort zu landen, müsste Quantum seinen 35-prozentigen Anteil am Team bezahlen. Am Freitag (15.11.) läuft die Frist ab. Bei Lotus glaubt keiner mehr an ein Wunder.

Die Mitarbeiter freunden sich bereits mit dem Gedanken an, dass Pastor Maldonado und sein venezolanischer Sponsor PDVSA der Rettungsanker sind. "Maldonado ist schnell. Und wenn er noch Fehler macht, dann werden wir ihm helfen sie abzustellen. Es ist einfacher Fehler auszubauen als Speed zu finden", sagt einer aus dem Team.

Grosjean wäre eine Herausforderung gewesen

Hülkenberg verknüpft die Absage an Lotus für die letzten beiden Rennen des Jahres nicht mit seiner Zukunftsplanung. "Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Hier ging es um zwei Rennen. Bei der anderen Sache geht es um 2014." Der Sauber-Pilot weiß, dass ein Wechsel zu Lotus auch mit Risiken verbunden gewesen wäre. Grosjean kennt das Auto und das Team in- und auswendig, und er hat zur Zeit einen Lauf. Zuletzt hat sich sogar Räikkönen an ihm die Zähne ausgebissen.
 
"Es wäre sicher schwierig geworden ihn zu schlagen, vor allem bei der begrenzten Trainingszeit", räumt Hülkenberg ein. "Er ist mit dem Auto und den Abläufen vertraut. Es ist klar, dass ich das Gefühl, das ich mit dem Sauber habe, nicht so einfach auf den Lotus übertragen hätte können. Trotzdem glaube ich, dass ich schnell in einem neuen Auto an die 100 Prozent gekommen wäre. Es wäre auch eine reizvolle Herausforderung gewesen. Lotus hat ein sehr gutes Auto, und ich hätte zum Ende dieser Ära noch einmal die Möglichkeit gehabt zu erfahren, wie sich so etwas anfühlt."
 
Ob er von Lotus für seine zwei Einsätze bezahlt worden wäre, weiß Hülkenberg nicht. Er hätte aber auf jeden Fall ein Gehalt ausgehandelt, wenn es dazu gekommen wäre: "Umsonst gefahren wäre ich natürlich nicht. Ich bin ja nicht die Caritas", grinste der Rheinländer.

McLaren zeigte nie Interesse

Etwas enttäuscht zeigte sich der WM-Elfte, dass sich in den letzten Wochen McLaren nie gemeldet hat, stattdessen den Rookie Kevin Magnussen neben Jenson Button setzt. "Ich habe öfter mit Martin Whitmarsh gesprochen. Es ist schwer zu sagen, warum von dieser Seite so wenig Interesse bestand. Ich glaube, dass ich auf der Strecke alle Argumente geliefert habe."
 
Trotz der vertrakten Vertragslage ist sich Hülkenberg sicher, dass er im nächsten Jahr Formel 1-Fahrer bleibt. Nach vier Jahren in diesem Sport sieht er die Zeit der Ungewissheit inzwischen gelassen. "Das schlimmste Jahr war 2010 bei Williams. Da wurde ich dauernd hingehalten und vertröstet und stand am Ende mit gar nichts da. Ich war damals noch neu im Geschäft. Inzwischen habe ich mich an diesen Transferpoker gewöhnt."

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