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Idealzeiten der Barcelona-Tests 2017

Ferrari hat 6 Zehntel Vorsprung

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - Test - Barcelona - 9. März 2017 Foto: Stefan Baldauf 13 Bilder

Kimi Räikkönen ist der Test-König von Barcelona. Wenn man die besten Sektorzeiten aller Teams zusammenzählt, ist Ferrari sogar noch einmal 2 Zehntel schneller. Die Sektorzeiten zeigen aber auch, dass Mercedes Fahrt rausgenommen hat.

16.03.2017 Michael Schmidt 1 Kommentar

Die Analyse von Testfahrten ist ein mühsames Puzzlespiel. Die Bestzeiten der Teams sagen eigentlich wenig. Weil sie mit unterschiedlichen Spritmengen, unterschiedlichen Reifentypen (ultrasoft, supersoft), mit unterschiedlichen Power-Stufen und zu unterschiedlichen Bedingungen aufgestellt wurden.

Williams hat die Karten auf den Tisch gelegt

Ferrari führte die Rangliste klar an. Kimi Räikkönen knackte mit 1.18,634 Minuten als einziger die 1.19er Schallmauer. Sebastian Vettel hätte es auch geschafft, wäre er nicht für alle hörbar auf den letzten 500 Metern vom Gas gegangen. Mercedes und Red Bull wären wahrscheinlich auch unter 1.19 Minuten gefahren, wenn sie es darauf angelegt hätten. Was sie wirklich draufhaben, werden wir erst in Melbourne erfahren.

Immerhin wissen wir, dass Williams gezeigt hat, was das Auto und die Fahrer können. Und das macht den Rennstall aus Grove im Moment zum Spitzenreiter des Mittelfeldes. Force India, Toro Rosso, Renault und HaasF1 liegen nur minimal auseinander. Das zeigen vor allem die Idealzeiten. Da trennen den Fünften Toro Rosso vom Achten HaasF1 nur 0,297 Sekunden.

Lance Stroll - Williams - Formel 1 - Test - Barcelona - 9. März 2017 Foto: sutton-images.com
Das Mittelfeld liegt eng beisammen.

Ferrari immer Erster, Sauber immer Letzter

Wir haben uns den Spaß gemacht, alle Sektorbestzeiten der Teams aus der zweiten Testwoche zusammenzuzählen. Das heißt: unterschiedliche Reifen, unterschiedliche Fahrer, unterschiedliche Tage, unterschiedlichen Runden. Man kann aber davon ausgehen, dass die Bestwerte in den einzelnen Abschnitten das Optimum dessen darstellen, wozu das Auto in einer bestimmten Konfiguration in der Lage ist.

Es war in den jeweiligen Runden vermutlich mit dem niedrigsten Benzinstand, den weichsten Reifen und dem höchsten Motormodus der ganzen Woche unterwegs. Wobei man annimmt, dass Teams wie Mercedes oder Red Bull nie mit wenig Sprit, den weichsten Reifen und der höchsten Power-Stufe gefahren sind.

So lassen sich aus den Sektor- und Idealzeiten durchaus einige Erkenntnisse ableiten. Zum Beispiel die: Ferrari war in allen Sektoren Schnellster und Sauber in allen Abschnitten Langsamster. Teilweise mit erheblichem Abstand. Das lässt darauf schließen, dass Ferrari von den Top-Teams in den schnellen Runden den wenigsten Sprit an Bord hatte und Sauber den meisten. Man muss aber auch sagen: Ferrari wäre vermutlich auch unter vergleichbaren Bedingungen um die Bestzeit mitgefahren, und Sauber wäre auch mit weniger Benzin im Tank Schlusslicht gewesen. Nur halt nicht mit dem Rückstand.

Mercedes nimmt in der zweiten Woche Fahrt raus

Was sehen wir noch? Mercedes hat in der zweiten Woche nicht aufgedreht. Eigentlich hätte das Auto mindestens eine halbe Sekunde schneller sein müssen. Das Aero-Kit sollte 3 Zehntel auf der Strecke bringen, und mit dem Spec 2-Motor durften die Fahrer etwas mehr mit der Power spielen. In den Rundenzeiten schlug sich das erst spät nieder. Immer wieder brachen Teile vom Unterboden ab. Sie mussten repariert oder ersetzt werden. Ein Flickwerk, das die Ingenieure einen Tag lang in die falsche Richtung schickte.

Tatsächlich aber war Mercedes in Woche 2 im Sektor 1 nur ein Zehntel, in Sektor 2 immerhin 3 Zehntel und im dritten Sektor 1 Zehntel schneller als an den ersten vier Testtagen. Da haben sich Lewis Hamilton und Valtteri Bottas ganz klar zurückgehalten. Mercedes-Ingenieure geben allerdings zu: „Ferrari ist schneller als wir in den Kurven 3 und 9. Wir gewinnen in langsamen Ecken.“ Das deckt sich auch mit Sebastian Vettels Beobachtungen.

Red Bull verlor zwei Tage. Einen wegen zwei Schäden am Elektroabtrieb des Renault V6-Turbo. Den zweiten, weil man mit der Fahrzeugabstimmung komplett neben der Spur lag. Die Unsicherheit der Ingenieure dokumentierte sich darin, dass sie noch am letzten Tag zwei unterschiedliche Frontflügel einem Aero-Test mit Strömungsgittern und FloViz unterzogen.

Trotzdem ließ der Red Bull phasenweise seine Klasse durchblitzen. Mit der jeweils drittschnellsten Zwischenzeit in Sektor 1 und 3. Der RB13 kann also beides: schnelle und langsame Kurven. Im Schnitt steigerte sich der WM-Zweite trotz der pannenreichen zweiten Woche in allen Sektoren im Schnitt um 6 Zehntel.

Stoffel Vandoorne - McLaren MCL32 - F1-Test - Barcelona Foto: sutton-images.com
Der dritte Sektor zeigt, dass der McLaren MCL32 ein gut ausbalanciertes Auto ist.

Der McLaren MCL32 ist ein gutes Auto

Was zeigt die Sektor-Analyse noch? Force India hat ein gutes Auto für schnelle Kurven, muss aber in den langsamen Ecken noch zulegen. Kein Wunder, bei 10 Kilogramm Übergewicht. Beim neuen Toro Rosso STR12 ist es erstaunlicherweise umgekehrt. Er schwächelt in Sektor 1 und ist brillant im dritten Sektor. Das zweitkürzeste Auto im Feld tut logischerweise leicht bei schnellen Richtungswechseln.

HaasF1 fiel in der absoluten Bestzeit vom Mittelfeld ab, ist aber in der Idealzeit auf Tuchfühlung. Die liegt mit 1.20,116 Minuten um vier Zehntel unter Kevin Magnussens tatsächlich schnellster Runde von 1.20,504 Minuten. Carlos Sainz, Nico Hülkenberg und Sergio Perez haben in ihren schnellsten Runden dagegen fast die Idealzeit des Teams erreicht.

Interessant ist auch McLaren. Trotz des schwachbrüstigen Honda-Motors wäre eine Idealzeit von 1.20,786 Minuten möglich gewesen, hätten Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne ihre besten Sektorzeiten zusammengeworfen und hätte der Honda-Motor über die gesamte Runde ausreichend Leistung abgegeben. Die Idealzeit liegt 6 Zehntel unter der Wirklichkeit.

Der dritte Sektor zeigt, dass der McLaren MCL32 ein gut ausbalanciertes Auto ist. Alonso fuhr dort mit 26,816 Sekunden die siebtschnellste Zeit und war dabei nur um 0,415 Sekunden langsamer als der Ferrari. Mit schätzungsweise 100 PS weniger als der Ferrari.

Formel 1-Testfahrten Barcelona 2017: Idealzeit + Sektorzeiten

TeamIdealzeitSektor 1*Sektor 2Sektor 3
1. Ferrari1.18,435 min22.779 s (1)29.255 s (1)26.401 s (1)
2. Mercedes1.19,040 min22.990 s (4)29.481 s (2)26.569 s (6)
3. Williams1.19,247 min22.960 s (2)29.715 s (3)26.572 s (2)
4. Red Bull1.19,402 min22.983 s (3)29.764 s (4)26.655 s (3)
5. Toro Rosso1.19,837 min23.239 s (8)29.803 s (5)26.795 s (4)
6. Renault1.19,885 min23.163 s (6)29.920 s (7)26.802 s (5)
7. Force India1.19,998 min23.074 s (5)29.976 s (8)26.948 s (8)
8. HaasF11.20,116 min23.210 s (7)29.913 s (6)26.993 s (9)
9. McLaren1.20,786 min23.558 s (9)30.422 s (9)26.816 s (7)
10. Sauber1.21,522 min23.604 s (10)30.654 s (10)27.264 s (10)
* Sektor-Bestzeit Team
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Wenn es Sebastian dieses Jahr nicht schafft, dann nie mehr. Man kann für Ferrari nur hoffen, dass sie das gute Tempo auch halten können. In den letzten Jahren hat Mercedes immer wieder während der Saison zulegen können. Oder die Zuverlässigkeit hat bei Ferrari einfach nicht gestimmt. Selbst wenn sie das erste Rennen gewinnen, glaube ich noch längst nicht, dass es nach Schumacher mal wieder zu einem Titel reicht. Dafür musste man als Ferrari-Fan in den vergangenen Jahren zu viel leiden. Sollten sie es wieder in den Sand setzen kann man Sebastian nur wünschen zu Mercedes zu wechseln und sein persönliches Leid zu beenden. Ich drücke dennoch fest die Daumen.

Bernd Maassen 16. März 2017, 22:36 Uhr
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