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Ideenklau

Copy und Paste in der Formel 1

Foto: dpa 55 Bilder

Die Spionage-Affäre zwischen den Teams McLaren und Ferrari hat für viel Aufregung gesorgt. Dabei ist es eigentlich gang und gäbe, dass die Formel 1-Rennställe voneinander abschauen.

22.08.2007

Um eine gute Designidee des Gegners zu erkennen, muss man sich nicht, wie im aktuellen Spionage Fall, ein 720 Seiten starkes Dossier mit internen Aufzeichnungen besorgen. Oft reicht es schon aus, die Autos des Gegners in der Startaufstellung etwas genauer zu beobachten und Fotos der Boliden im Detail zu studieren.

Problem der Adaption

Eine andere Möglichkeit des Know-How-Transfers ist der Wechsel von Ingenieuren und Technikern von einem zum anderen Rennstall. Nicht selten wechseln Konzeptideen und Detail-Lösungen direkt mit. Allerdings sind das Erkennen einer Neuerung und die Umsetzung am eigenen Auto zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Boliden sind vom Konzept her meist so verschieden, dass sich Verbesserungen an einem Auto nicht unbedingt auch zu einem Zeitengewinn bei einem anderen führen.

BMW-Technikchef Willy Rampf gibt offen zu, öfter mal ein Design-Feature der Konkurrenz am eigenen Auto zu testen. Kopieren und Montieren ist allerdings nicht so einfach wie es klingt: "Wenn wir etwas übernehmen, muss es immer zuerst an das eigene Konzept angepasst werden." Während BMW ein neues Teil direkt im Windkanal testet, setzt man bei Williams auf Computer-Kalkulationen. Erst wenn die Simulation einen Zeitgewinn prognostiziert, wird ein Versuchsträger für den Windkanal produziert.

Nicht alles wird übernommen

Oft ist die Zahl der Kopien auch ein Gradmesser dafür, wie gut das Original ist. Williams Technikchef Sam Michael erklärt: "Wenn Du am Auto eine bestimmte Idee für dich alleine hast und nach einem halben Jahr hat sie noch keiner geklaut, dann kannst du sicher sein, dass sie nichts taugt." Lange lassen sich Änderung vor den neugierigen Augen der Konkurrenz nicht verbergen.

Beispiele für gelungene Ideen und geglückten Ideenklau gibt es reichlich. Vor allem BMW stand in diesem Jahr schon oft Modell für andere Teams. Jüngstes Beispiel ist die Form der Airbox mit einer vertikalen abrupt nach unten fallenden Finne auf dem Rücken. Nachdem McLaren und Ferrari das Feature schon vorher übernahmen, hatte auch der Red Bull zum Grand Prix in Budapest eine verlängerte Airbox.

Renault auf beiden Seiten

Renault bediente sich dagegen an der Front des BMW-Sauber. Ein Schlitz im Flügel sorgt dafür, dass sich die Flügelfläche verlängert, ohne dass die Strömung abreißt. Der Schlitz bei BMW befindet sich im hinteren Flügelblatt (Flap), Renault fügte ihn nach Tests in das Hauptblatt ein. Ganz nach dem Prinzip "Geben und Nehmen" wird aber auch bei den Franzosen abgekupfert. Ferrari adaptierte Renaults seitliche Finnen vor dem Cockpit. Die Leitbleche lenken die am Chassis aufsteigende Strömung nach unten in die Kühlschächte. Ein Patentrecht auf Anbauteile gibt es nicht und so ist der Vorsprung durch eine gute Idee meist nur von kurzer Dauer.

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