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Illien dementiert Gerüchte

Keine Motoren-Entwicklung bei Red Bull

Christian Horner & Mario Illien - F1 2014 Foto: xpb 17 Bilder

In dieser Woche sorgte eine Meldung für Wirbel, nach der Red Bull nächstes Jahr angeblich einen Renault-Motor fährt, der auf einem von Illmor entwickelten Triebwerk basiert. Wir haben bei Mario Illien nachgefragt.

05.11.2015 Michael Schmidt

Das ist das schöne an der Formel 1. Die Gerüchte sind genauso spannend wie der Sport selbst. Im Internet-Zeitalter schießt der ein oder andere aber hin und wieder über das Ziel hinaus. Eine Website unter dem Namen "The Judge13" meldete am Donnerstag (5.11.20115), dass der Renault-Deal mit Red Bull fix sei, dass Red Bull 2016 selbständig an dem Motor entwickeln dürfe, und dass diese Arbeit in einer eigenen Motorenabteilung in Milton Keynes stattfindet, wo Mario Illien angeblich schon seit über einem Jahr arbeitet.

In der Story, die von verschiedenen News-Webseiten kopiert wurde, heißt es weiter, dass die Motor-Ausbaustufe mit 11 Entwicklungs-Token, die Renault zum ersten Mal in Brasilien an den Start bringen will, eigentlich von Ilmor kommt und bis jetzt nur deshalb nicht eingesetzt werden konnte, weil es zwischen Red Bull und Renault zu einem Copyright-Streit über geistiges Eigentum gekommen sei.

Illien weiß nichts über Renault-Upgrade

So weit, so schlecht. Nur Mario Illien hat davon komischerweise selbst noch nichts davon gehört. Der Schweizer Motorenpapst reagierte überrascht auf die Gerüchte und stellt klar: "Ich weiß nichts von einem Rechtsstreit. Ich habe auch keine Ahnung, welche Upgrades Renault in seinen modifizierten Motor eingebaut hat. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass ein großer Konzern wie Renault das Risiko eingeht, heimlich meine Entwicklung einzubauen."

Mario Illien hatte im Sommer auf Kosten von Red Bull den Zylinderkopf des Renault V6-Turbo modifiziert und laut Red Bull ermutigende Ergebnisse damit erzielt. Renault wollte jedoch lieber seine eigene Entwicklung an den Start bringen. Sie lief parallel zum Ilmor-Projekt.

Red Bull hat der Auftrag an Ilmor knapp 2 Millionen Euro gekostet. Auch hier weicht die Geschichte von der Realität ab. Sie spricht von Arbeiten am Block statt am Zylinderkopf. "Wenn wir den Block noch angefasst hätten, wären wir mit 12 Token nicht über die Runden gekommen", sagte uns Illien bereits im Sommer.

Illien bestreitet auch, dass er in Milton Keynes eine Motorenabteilung bezogen hätte und dass es Pläne gebe, im nächsten Jahr zusammen mit Red Bull den Renault-Motor zu überarbeiten. Nachdem das eigene Projekt im September von Renault zurückgewiesen wurde, hatte ihm Dietrich Mateschitz erklärt, dass es wenig Sinn mache in Eigenregie eine komplette Antriebseinheit zu bauen. Es würde bei der Komplexität der Technik viel zu lange dauern, bis man auf einem Stand von Mercedes oder Ferrari wäre.

Ilmor am Alternativ-Motor interessiert

Der wahre Teil: Tatsächlich könnte Red Bull im nächsten Jahr wieder mit einem Renault-Motor antreten. Der würde dann wahrscheinlich nicht den Namen Renault auf den Zylinderköpfen tragen. Dass Red Bull auf der Elektro-Seite Eigenentwicklung betreibt, ist nicht neu. Die Truppe in Milton Keynes lässt schon seit zwei Jahren ihr Know-how bei der Batterie und der Software für das Energiemanagement einfließen. Es ist der einzige Teil, der klaglos funktioniert. Eine Fremdentwicklung darüber hinaus, wird Renault kaum zulassen. Man stelle sich die Schmach vor, wenn ein auswärts entwickelter Renault-Motor besser wäre als der eigene.

Wenn Renault seinem Noch-Partner Red Bull 2016 aus der Klemme hilft, dann ist das nur eine Übergangslösung. Sie hat nichts mit dem Billig-Motor zu tun, den Bernie Ecclestone und Jean Todt auf den Markt werfen. Renaults Hilfestellung löst nicht das Grundproblem. Nämlich dass die Motoren zu teuer sind, und dass die Hersteller sie nach Belieben unter den Teams verteilen. Deshalb werden die Drahtzieher so lange an diesem Motor festhalten, bis die Hersteller einlenken.

Red Bull steht hinter dem Alternativ-Motor. Teamberater Helmut Marko sagte auto motor und sport in Mexiko: "Das ist der richtige Schritt, die Formel 1 wieder attraktiv zu machen. Ein Motor, der laut ist, Power hat, den jeder versteht, und mit dem man gewinnen kann." Auch Mario Illien ist interessiert: "Ich schaue mir mal an, was in der Ausschreibung steht. Dann entscheide ich, was ich mache."

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