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Ilmor hilft Renault

Renault zieht alle Register

Renault F1 Foto: xpb 17 Bilder

Red Bull fährt auch 2016 mit Renault-Power. Der Motor wird aber TAG Heuer heißen. Red Bull hofft, dass Renault mit einer neuen Organisation 2016 die Kurve kriegt. Renault will die Entwicklung beschleunigen, indem man im Bereich des Zylinderkopfes mit Ilmor zusammenarbeitet.

07.12.2015 Michael Schmidt

Etikettenschwindel im Motorsport sind nicht neu. McLaren fuhr von 1983 bis 1987 mit Porsche-Motoren, die aber nicht Porsche heißen durften. Offiziell saß ein TAG V6-Turbo im Heck der McLaren. Der arabische TAG-Technologiekonzern zahlte die Rechnungen. Das Modell machte Schule. Saubers Ferrari-Motoren hießen lange Petronas, der des Prost-Rennstalls Acer.

BMW-Kundenmotoren firmierten 1987 und 1988 unter dem Namen Megatron. Der Schweizer Motorentuner Heini Mader baute sie in Gland auf. Die Mecachrome-Motoren wurden Supertec und Playlife getauft. Tatsächlich waren es alte Renault-Triebwerke. Minardi nannte seine Cosworth-Motoren ein Jahr lang Fondmetal, dann European. Osella taufte den Uralt Alfa Romeo V8-Turbo 1988 Osella.

Motor, der wie eine Uhr heißt

Jetzt also Red Bull. Die Österreicher haben sich in der Not wieder mit ihrem ungeliebten Motorenpartner Renault zusammengerauft. Weil sonst keiner Red Bull Motoren geben wollte. Der Renault-Motor von Red Bull darf nicht Renault heißen. Damit die Ohrfeigen weniger wehtun, wenn es wieder nicht klappt. Die Antriebseinheit wird den Namen seines Sponsors tragen: TAG Heuer.

Der Aufschub der Scheidung war nur möglich, weil es lediglich eine Absichtserklärung gab, sich zu trennen. Und keine echte Trennungserklärung. Renault-Sportchef Cyril Abiteboul schloss mit Red Bull vorzeitig einen neuen Liefervertrag über stolze 30 Millionen Euro ab. Um bei seinem Chef Carlos Ghosn Fakten zu schaffen. Doch der Schuss ging zunächst nach hinten los. Abiteboul gab Bernie Ecclestone eine Steilvorlage in seinen Verhandlungen mit Ghosn. Das wichtigste war geschafft. Red Bull hatte Motoren. Wozu sollte er Renault dann noch die geforderten Bonuszahlungen geben?

Doch Ghosn ließ sich nicht so einfach austricksen. Er drohte den Red Bull-Vertrag zu ignorieren, sollte Renault aus der Formel 1 aussteigen. Das wirkte. Renault bekommt zwar nicht ganz so viel Geld wie ursprünglich ausgemacht, aber immer noch genug, um den Kauf von Lotus zu finanzieren und die eigene Bilanz aufzuhübschen.

Ilmor soll Renault-Entwicklung beschleunigen

Red Bull-Teamchef Christian Horner versuchte alte Animositäten abzubauen: "Wir freuen uns, dass Renault seinen langfristigen Einsatz in der Formel 1 bestätigt hat und danken ihnen für die Unterstützung unseres Teams seit 2007. Ihre technische Partnerschaft mit Ilmor gibt uns die Zuversicht für die nächste Saison."

Renault will sich mit der englischen Motorschmiede Ilmor verbünden, um die Entwicklung zu beschleunigen. Zuerst soll der neue Zylinderkopf probiert werden, den Mario Illien und seine 67-Mann Truppe im Sommer im Auftrag von Red Bull gebaut haben. Der Widerstand der Ingenieure in Viry gegen das externe Projekt ist in dem Augenblick in sich zusammengefallen, als die eigene Renault-Entwicklung in Brasilien floppte.

Auch Mercedes will helfen

Darüberhinaus ist eine weitere Zusammenarbeit im Bereich der Verbrennung geplant. Es bleibt vorerst bei einem klar definierten Einsatzbereich. "Für mehr reicht im Augenblick unsere Kapazität nicht aus", sagt Illien. Die Ergebnisse kommen nicht nur Red Bull zugute, sondern auch Lotus. Illien stellt klar, dass er für Renault arbeitet und nicht für Red Bull. Ein Alleingang auf der Basis des Renault-Motors wäre vom Reglement her nicht erlaubt. Es darf pro Motorenhersteller nur eine Spezifikation geben.

Renault will sich nicht nur von Ilmor Entwicklungshilfe einholen. Im Raum steht immer noch das Angebot von Mercedes im Bereich der Hybridbausteine Knowhow auszutauschen. Daraus soll ein völlig neuer Motor für 2016 entstehen. Red Bull hofft, dass der Fortschritt spätestens in der zweiten Saisonhälfte sichtbar wird. Auf die Frage, ob der Toro Rosso-Ferrari 2016 nicht das bessere Red Bull-Team sein könnte, antwortet Horner. "Sie könnten am Anfang der Saison vor uns liegen. Ich glaube aber, dass in Renault mit seinen neuen Strukturen mehr Potenzial steckt."

Renaults Bekenntnis zur Formel 1 war auch für Red Bull eine gute Nachricht. Bei einem Rückzug von Renault hätte man mit 2015er Triebwerken ohne Weiterentwicklung leben müssen. Dann hätte auch Ilmor nicht aushelfen dürfen.

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