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Interview mit Bernie Ecclestone

"Formel 1 wird nie zusammenbrechen"

Bernie Ecclestone & Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Bahrain - 16. April 2015 Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone hat uns in Weihnachtslaune noch ein Interview gegeben. Der Formel 1-Chef erzählte, dass er sein Haus und Geld auf Lewis Hamilton hätte wetten sollen, er verrät, wie er die Macht der Werke brechen will und er malt düstere Aussichten für den GP Deutschland.

22.12.2015 Michael Schmidt
Was hat Ihnen an der abgelaufenen Saison gefallen und was nicht?

Ecclestone: Zuerst, was mir nicht gefallen hat. Mir hat der Wettbewerb am vorderen Ende des Feldes gefehlt. Mercedes hat einen exzellenten Job gemacht. Kein Problem damit. Aber es wäre nett gewesen, wenn es intern etwas mehr Wettbewerb gegeben hätte. Nicht immer nur Lewis auf der Pole und ganz oben auf dem Siegerpodest. Ich hätte mir den Rosberg vom Ende der Saison etwas früher gewünscht. Noch besser wäre es gewesen, wenn Mercedes Druck von einem anderen Team bekommen hätte. Die Rennen waren einfach zu berechenbar. Ich bin zur Strecke gefahren und kannte den Sieger schon vorher. Ich hätte ohne Risiko mein Haus und mein ganzes Geld auf Lewis wetten können.

Wir hatten dominante Autos schon früher in der Geschichte der Formel 1. Akzeptieren die Fans das nicht mehr so wie zu Zeiten der Alleingänge von McLaren oder Williams?

Ecclestone: Als McLaren 15 von 16 Rennen gewonnen hat, haben sich die Fahrer die Siege untereinander aufgeteilt. Keiner hat alles gewonnen.

Ist Rosberg zu spät aufgewacht oder hat es Hamilton am Ende zu leicht genommen?

Ecclestone: Beides ist möglich. Ich kann es von außen nicht beurteilen.

Red Bull und Toro Rosso haben lange Motoren gesucht. Lotus stand am Abgrund. Wie ernst war die Lage für die Formel 1?

Ecclestone: Die Formel 1 wird nie zusammenbrechen. Selbst wenn wir Red Bull und Lotus verloren hätten. Jetzt sind wir froh, dass beide bleiben. Wir haben Renault finanziell unterstützt, damit sie Lotus kaufen und Red Bull Motoren geben konnten. Es ist allerdings schon ein bisschen komisch, dass ein so großes Unternehmen wie Renault diese Hilfe brauchte. Jetzt hoffe ich, dass sie auch ehrlich daran gehen, Rennen und Weltmeisterschaften zu gewinnen.

Sie sind es gewohnt Probleme in der Formel 1 zu lösen. War es in diesem Jahr schwieriger als je zuvor?

Ecclestone: Es gab und gibt immer Probleme. Die Schwierigkeit in diesem Jahr bestand darin, dass die Motorenhersteller ihre eigenen Interessen verfolgt haben. Es wäre sehr leicht für Mercedes gewesen, Red Bull mit Motoren zu versorgen. Sie haben es ja mit Marussia getan. Ich hätte lieber mit Red Bull abgeschlossen. Da hätte ich mein Geld sicher bekommen. Der Grund, warum sie Red Bull abgesagt haben ist der, dass sie das verhindern wollten, was wir den Fans bieten müssen: Wettbewerb.

Aber Ferrari wollte Red Bull auch keine Motoren geben.

Ecclestone: Ich glaube, dass es da ein Abkommen zwischen Mercedes und Ferrari gab, in diesem Punkt das gleiche zu tun. Sie sind zur Zeit ein bisschen an der Hüfte zusammengewachsen wie siamesische Zwillinge. Der eine tut nichts ohne den anderen. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber es wurde mir so erzählt. Mercedes hat Ferrari technisch ein bisschen geholfen. Was der Grund dafür war, dass Ferrari aufgeschlossen hat und happy ist. Und seitdem rudern die beiden im gleichen Boot.

Warum ist der Deal zwischen Red Bull und Honda geplatzt?

Ecclestone: Honda wollte Red Bull Motoren geben, doch Ron Dennis war dagegen. Honda hat mit der FIA und mir selbst eine Vereinbarung getroffen, dass sie in ihrem ersten Jahr nur ein Team ausrüsten mussten. Im zweiten Jahr zwei, und drei Teams im dritten. Irgendwie haben sie sich von Ron Dennis breitschlagen lassen, dass er ein Veto-Recht hat. Er glaubt, dass Red Bull ein ernsthafter Konkurrent sein könnte.

Sind die Teams zu stark geworden?

Ecclestone: Warum sind diese Teams in der Formel 1? Weil sie Erfolg haben wollen. Sie müssen an sich denken. Das Problem ist nicht nur die Allianz zwischen Mercedes und Ferrari. Wenn wir in einem Meeting sagen, dass der Himmel morgen rosa sein sollte, dann sagen Herr Wolff und Herr Marchionne, dass sie damit nicht einverstanden sind. Gleichzeitig heben alle ihre Motor-Kunden die Hand. Was sollen sie anders tun? Sie sind völlig abhängig.

Die Motoren sind so teuer, dass viele der Kunden den Herstellern Geld schulden. Und da legt sich natürlich keiner mit seinem Motorenpartner an. Gleiches Spiel bei Ferrari und Philip Morris. Der Sponsor wird nichts unterstützen, was dem Team vermeintlich schadet. Das Ergebnis ist genauso, als würde man jemand Geld zustecken, um für das eigene Interesse abzustimmen. So wurde uns das Geschäft aus der Hand genommen. Aus dem Grund hat der FIA-Weltrat Jean Todt und mir das Mandat gegeben, in wichtigen Dingen Entscheidungen ohne die Zustimmung der Teams zu treffen. Sie haben entschieden, dass wir die Formel 1 nicht in die Hände von zwei Teams legen können.

Wie wird das aussehen: Sind die Tage der Strategiegruppe und der Formel 1-Kommission gezählt?

Ecclestone: Wir werden sehen. Die Antwort kann ja lauten. Warten wir mal ab, was uns die Motorenhersteller im Januar anbieten. Sie sollen Vorschläge für ein neues Motorenformat machen. Wir wollen einen einfacheren und billigeren Motor. Und ein unabhängiger Motorenhersteller wie Cosworth muss in der Lage sein, so einen Motor bauen zu können.

Warum gibt es plötzliche diese Allianz zwischen Ihnen und Jean Todt?

Ecclestone: Die FIA ist verpflichtet uns eine Meisterschaft zu bieten, die wir vermarkten und verkaufen können. Das ist im Moment nur eingeschränkt der Fall. Jean hat verstanden, dass er es in diesem Geschäft nicht jedem Recht machen kann.

Die neuen Autos sollen 2017 kommen, die neuen Motoren 2018. Macht das Sinn?

Ecclestone: Wir wollen, dass die neuen Motoren schon 2017 kommen.

Weil die Formel 1 die Überlegenheit eines Teams nicht länger ertragen kann?

Ecclestone: Korrekt. Die Formel 1 wird überleben, aber wie lange werden uns die Leute noch zuschauen? Werden sie verstehen, dass es im Feld immer noch tollen Rennsport gibt? Deshalb haben wir in diesem Jahr mehr Zweikämpfe aus dem Mittelfeld gezeigt. Hätten wir dauernd ein einsames Auto an der Spitze im Fokus gehabt, wären uns die Zuschauer davongerannt.

In der Abstimmung des Weltrats gab es einen Einspruch von Ferrari. War es nur einen Gegenstimme, oder hat Ferrari erneut von seinem Veto-Recht Gebrauch gemacht?

Ecclestone: Es war ein Votum. Das hat nichts zu tun mit dem Veto-Recht. Das können sie nur sehr, sehr eingeschränkt nutzen. Zum Beispiel dann, wenn Ferrari dadurch gezwungen wäre, sein Auto umzubauen.

Sie sind sich sicher, dass Sie vor einem Schiedsgericht gewinnen würden. Warum?

Ecclestone: Wenn wir eine Regel beschließen, die den Teams nicht gefällt, dann können sie vor ein Schiedsgericht zu gehen. Wir werden diesen Fall gewinnen, weil wir es nicht aus kommerziellen Gründen tun, sondern um die Formel 1 zu schützen und allen eine faire Ausgangsbasis für echten Wettbewerb bereitzustellen. Genau das ist im Augenblick nicht der Fall.

Früher haben Sie die Teams vor dem Verband geschützt. Jetzt bekommen Sie von den Teams Gegenwind. Sind Sie enttäuscht?

Ecclestone: Nein. Die Teams selbst haben kein Problem mit mir. Es sind nur die Motorenhersteller.

Die Ingenieure brüten gerade den neuen Motor aus. Haben Sie nicht Angst, dass sie wieder ein Monster schaffen?

Ecclestone: Im Prinzip ist an den aktuellen Antriebseinheiten nichts auszusetzen. Außer, dass die Ingenieure ein bisschen schlauer waren als die Leute, die das Reglement geschrieben haben. Daraus ist ein Monster entstanden. Das wird nicht mehr passieren.

Was soll der neue Motor kosten?

Ecclestone: Die Teams sagen, dass sie mit sieben Millionen Euro leben könnten. Das ginge vielleicht schon mit den aktuellen Triebwerken. Das Problem ist nur, dass die Hersteller ihre Entwicklungskosten mit hinein rechnen und sie innerhalb von vier Jahren amortisieren wollen. Für wen war das Geld wohl investiert? Für sie selbst. Sie wollen damit neue Technologien für ihre Straßenautos entwickeln und damit Marketing betreiben.

Um die Konfusion aufzulösen: Ihr ursprünglicher Vorschlag eines Billig-Motors hat nichts mit dem neuen Motor zu tun, der 2017 oder 2018 kommen soll?

Ecclestone: Zwei Dinge wurden diskutiert. Ein komplett anderer Motor. Zum Beispiel der V8, den wir vorher hatten. Das Problem bei zwei unterschiedlichen Motorkonzepten aber ist es, Chancengleichheit zu erzielen. Daraus entstand die Idee ein Motordesign zu entwickeln, mit dem alle happy sind. Mercedes, Ferrari, Cosworth. Daran arbeiten wir. Und da erwarte ich bald eine Antwort.

Ist die Hybridtechnologie nicht wichtig für die Formel 1?

Ecclestone: Der Mercedes-Motor ist ein wunderbares Stück an Ingenieurskunst. Aber ich glaube nicht, dass wir so einen Motor für die Formel 1 brauchen. Ich muss den Sport verkaufen und eine gute Show bieten. Die Zuschauer wollen Wettbewerb auf der Strecke sehen und nicht vorher wissen, wer das Rennen gewinnt. Eigentlich hat uns Max Mosley diese Regeln eingebrockt. Er hat gesagt, dass kleine und effiziente Motoren die Hersteller in die Formel 1 locken würden. Das war das große Ziel. Aber keiner hat damals über die Konsequenzen nachgedacht.

Warum nicht gleich eine Budgetdeckelung?

Ecclestone: Es ist nicht unser Geschäft den Leuten zu sagen, wie viel Geld sie ausgeben sollen. Wir müssen Regeln schreiben, die es nicht notwendig machen, viel Geld auszugeben.

Die neuen Autos sollen breitere Reifen bekommen. Pirelli will sie nächstes Jahr testen, aber keiner will ein Testauto bauen. Kann das zum Problem werden?

Ecclestone: Wir wollen Autos, dass die aggressiver aussehen und aggressiver sind. Und eine der Zutaten sind breitere Reifen. Wir haben Pirelli gebeten, diese Reifen zu bauen. Es war nicht ihre Idee. Testfahrten sind eine Angelegenheit zwischen den Teams und Pirelli. Wenn es keine gibt, wird Pirelli weiter die aktuellen Reifen bauen. Wir können auch mit diesen Reifen Rennen fahren.

Die Fans kritisieren, dass die Fahrer von der Box ferngelenkt sind. Wie wollen das Problem lösen?

Ecclestone: Es gibt eine Regel, die das verhindert. Sie wird nur nicht angewendet. Fahrer-Coaching am Funk ist verboten. Trotzdem tun die Teams, was sie wollen. Ich verspreche Ihnen: Wir werden sicherstellen, dass diese Regel eingehalten wird.

Wäre es nicht besser, gleich die Telemetrie zu verbieten?

Ecclestone: Ich sehe kein Problem darin, dass die Boxenmauer weiß, in welchem Zustand ihr Auto ist. Sie dürfen es nur dem Fahrer nicht sagen.

Wie sieht die Zukunft des GP deutschland nach 2016 aus?

Ecclestone: Ich sitze hier mit meinem Stift und bin bereit einen Vertrag zu unterschreiben, wenn sie mir einen schicken. Ich hatte gehofft, dass die neuen Veranstalter am Nürburgring in der Lage sind, einen Vertrag mit mir zu machen, aber das scheint nicht der Fall zu sein.

Bleibt nur noch Hockenheim übrig?

Ecclestone: Ich bin mr nicht sicher, ob Hockenheim das stemmen kann. Wir haben wirklich einen extrem günstigen Vertrag mit Hockenheim. Den wird es in Zukunft nicht mehr geben. Sie müssen das akzeptieren, was auch andere europäische Länder zahlen.

Ist Austin in Gefahr?

Ecclestone: Austin ist Amerika, richtig? Da sind Prognosen schwierig.

Weil sie kein Geld haben?

Ecclestone: Sie wussten ganz genau, was es sie kosten würde, als sie mit uns einen Vertrag geschlossen haben. Sie wussten, dass sie eine Rennstrecke bauen müssen, und was es kostet, einen Grand Prix zu veranstalten. Es ist wie in jedem anderen Business. Wenn du dir vorher nicht überlegst, ob du dir das leisten kannst, wirst du Probleme bekommen.

Hätten Sie einen Ersatz in den USA: Ist das Projekt in Kalifornien 2016 schon bereit?

Ecclestone: Nein, das käme zu früh.

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