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Interview mit Bernie Ecclestone

"Fragezeichen hinter drei Teams"

Bernie Ecclestone - GP Singapur 2013 Foto: xpb 41 Bilder

Bernie Ecclestone lenkt seit 35 Jahren die Formel 1. Der 83-jährige Engländer spricht im auto motor und sport-Interview über die Probleme der Teams, die Geldverteilung, den Prozess in München und die neuen Motoren für 2014.

22.09.2013 Michael Schmidt
Warum genießen Sie mit bald 83 Jahren nicht Ihr Leben mit Ihrer Frau auf der Yacht?

Ecclestone: Weil ich arbeite. Es gibt noch Dinge, die getan werden müssen. Ich habe immer noch genug Zeit, das Leben zu genießen.

83 Jahre ist nur eine Zahl, aber haben Sie wirklich nie über einen Rücktritt nachgedacht?

Ecclestone: Nein, nie.

Aber Sie wissen, wie man das Wort "Rücktritt" buchstabiert?

Ecclestone: Die Leute reden drüber. Ich weiß nicht, was das ist.

Mehr als die Hälfte des Feldes steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Können die alle überleben?

Ecclestone: Wenn Sie mich das letztes Jahr gefragt hätten, hätte ich gesagt: nein. Aber sie sind alle noch hier. Sie finden Geld irgendwie, irgendwoher. Ich glaube, Sie liegen mit dem halben Feld falsch. Ich würde sagen es sind zwei Teams, nein warten Sie, vielleicht drei, über denen ein Fragezeichen schwebt.

Ihre Geldverteilung sehen viele als unfair an. Sie macht die Reichen reicher und lässt die Armen arm. Warum machen Sie das?

Ecclestone: Weil wir das Versprechen der Reichen haben, dass sie bis 2020 dabeibleiben. Sie haben uns Bankgarantien gegeben. Seit ich dieses Geschäft leite, und das nun schon eine ganze Weile, habe ich es immer so praktiziert. Der Verteilungsschlüssel war immer der gleiche. Der Unterschied zu früher ist, dass wir viel mehr Geld verteilen.

Wie viel mehr?

Ecclestone: Ich habe vor kurzem in einen paar Zahlen gestöbert, und da ist mir ein Grand Prix in Watkins-Glen vor vielen, vielen Jahren untergekommen. Das komplette Preisgeld betrug 870.000 Dollar.

Und wie viel schütten Sie heute aus?

Ecclestone: Zu viel.

Werden Sie auch in Zukunft Teams helfen, die in Schwierigkeiten stecken?

Ecclestone: Nein. Es ist mir nicht mehr erlaubt das zu tun. Wir haben mit den Teams eine Abmachung, dass wir keinen unterstützen dürfen. Das wäre unfair gegenüber den anderen. Die Teams haben es selbst so gewollt.

Die neue Formel 1 2014 wird noch teurer. War der Schritt in eine grüne Formel 1 notwendig?

Ecclestone: Es ist keine neue Formel 1. Nur ein neuer Motor. Wo ist der Neuigkeitswert? Es wird ein Turbomotor sein. Die hatten wir schon in der Formel 1. Er wird KERS an Bord haben. Das haben die aktuellen Motoren auch. Ich mag diese neuen Motoren nicht. Für mich sind sie absolut unnötig. Es ist ein dummer Schritt. Jeder ist mit den aktuellen Motoren happy. Das einzige was sich ändert ist, dass es für die Teams drei bis vier Mal so teuer wird.

War es notwendig, dass die Hersteller mehr als 100 Millionen Euro in diese Motoren investiert haben?

Ecclestone: Nein.

Was hätte man stattdessen tun sollen?

Ecclestone: Lass die Dinge wie sie sind.

Wovor haben Sie mehr Angst: Dass der Sound der Motoren nicht gut ist, dass es eine Ausfallorgie gibt, oder dass die Autos zu langsam werden?

Ecclestone: Vor allen drei Dingen.

Das Gericht in München hat Ihren Prozess auf unbestimmte Zeit verschoben. Eine gute Nachricht?

Ecclestone: Sie haben wohl sehr viel Arbeit um die Ohren. Ich hätte es gerne hinter mich gebracht.

Können Sie noch ruhig schlafen?

Ecclestone: Ja, natürlich. Hier, in Singapur ist es schwieriger wegen des Zeitunterschieds. Aber normal schlafe ich sehr gut.

Ihnen werden von der Staatsanwaltschaft zwei Dinge vorgeworfen. Sie hätten die Anteile der Bank zu billig verkauft, und sie hätten deswegen Angst um ihren Job haben müssen, weshalb Sie Herrn Gribkowsky bestochen haben sollen. Was sagen Sie dazu?

Ecclestone: Ich hatte keine Anteile zu verkaufen, deshalb auch kein persönliches Interesse. Zum zweiten Vorwurf: Ich will jetzt mal ein bisschen arrogant sein, was ich vermutlich bin: Mein Job war nicht in Gefahr. Egal, an wen die Anteile verkauft worden wären, die FIA musste zustimmen. Der Verband wollte aber sicherstellen, dass er weiter die Geschäfte mit mir abwickelt, weil die FIA mir vertraute und wusste, wie ich arbeite.

Haben Sie eine gute Verteidigungsstrategie?

Ecclestone: Das Geld, das Herr Gribkowsky bekommen hat, hatte nichts mit dem Verkauf und nichts mit meinem Job zu tun.

In Deutschland sagt man: Vor Gericht sind Sie in Gottes Hand, weil man nie weiß, wie es ausgeht. Macht Ihnen das Angst?

Ecclestone: Das ist absolut richtig. Wenn es einmal zu einem Prozess kommt, dann muss ein Ergebnis her. Ein befreundeter Anwalt hat mir einmal gesagt: In mehr als 90 Prozent aller Fälle wird nur mit einer Klage gedroht in der Hoffnung sich zu vergleichen.

Haben Sie mehr Freunde oder mehr Feinde im Fahrerlager?

Ecclestone: Das weißt du immer erst, wenn es darauf ankommt. Im Augenblick interessiert es mich nicht.

Vettel wird dieses Jahr wahrscheinlich zum vierten Mal Weltmeister. Ist das gut für das Geschäft?

Ecclestone: Es ist gut für ihn. Ich möchte das mit der Situation mit Michael Schumacher vergleichen. Als der alles gewonnen hat, haben sich die Leute gefragt: Wird er weiter gewinnen oder wird er geschlagen? Bei Muhammad Ali wollte auch jeder wissen, ob er Weltmeister bleibt.

Auf welchen Ferrari-Fahrer setzen Sie nächstes Jahr Ihr Geld: Alonso oder Räikkönen?

Ecclestone: Ich traue mich nicht.

Erwarten Sie Probleme zwischen den beiden?

Ecclestone: Das hängt von den beiden Fahrern ab. Kimi ist vernünftig genug, keinen Streit zu produzieren. Fernando hat den Ruf einer zu sein, der Probleme macht, aber ich halte diesen Vorwurf für falsch.

Im Dezember wird der neue FIA-Präsident gewählt. Wer ist Ihr Favorit?

Ecclestone: Ich weiß gar nicht, wer gegen Todt kandidiert.

David Ward hat Jean Todt herausgefordert.

Ecclestone: Ich bin ein bisschen überrascht, dass er das getan hat. Aber dieser Schritt wird vielleicht die Tür für andere mögliche Kandidaten öffnen. Sie werden sich sagen: Was der kann, kann ich auch. Wir wissen also noch nicht, wer am Ende antritt. Es ist noch Zeit, seine Nominierung abzugeben.

Haben Sie nicht Jean Todts Schicksal in Ihrer Hand. Seine größte Trumpfkarte wäre das Concorde Abkommen, weil es der FIA viel mehr Geld einspielt. Sie könnten das hinauszögern.

Ecclestone: Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied für die Wahl ausmacht.

Wann wird es unterschrieben?

Ecclestone: Die meisten Probleme sind aus dem Weg geräumt.

Es gibt 22 Rennen im provisorischen Kalender. Wie viele davon werden tatsächlich stattfinden?

Ecclestone: Sagen wir 20 oder 21.

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