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Interview mit Daniel Ricciardo

"Muss mir meinen Platz verdienen“

Daniel Ricciardo - GP Europa Valencia 2011 Foto: xpb 38 Bilder

Red Bull-Junior Daniel Ricciardo debütierte beim GP England in einem Hispania. Nach einem mühsamen Start beginnt sich der 22-jährige Australier zu steigern. auto-motor-und-sport.de sprach mit Ricciardo über seine ersten Formel 1-Erfahrungen und seine Zukunft.

04.08.2011 Michael Schmidt
Wir sieht Ihr Fazit nach drei Rennen aus?

Ricciardo: Ich habe viel gelernt. Und die Eindrücke werden immer positiver. Der Nürburgring war besser als Silverstone, und Budapest war besser als der Nürburgring. Ich kann den Fortschritt spüren. Wenn ich mich in diesem Tempo weiter steigern kann, dann habe ich den Job gut erledigt.

Beim GP Ungarn kamen Sie vor Ihrem Teamkollegen Vitantonio Liuzzi ins Ziel.

Ricciardo: Das war definitiv mein bislang bestes Rennen. Und das bei schwierigen Bedingungen. Es gab so viele Boxenstopps, dass ich ein bisschen den Überblick verlor, wo ich überhaupt lag. Wir haben aber immer die richtigen Entscheidungen getroffen, auch mit den Einstellungen des Autos. Am Ende war mein Hispania richtig gut ausbalanciert, und ich war ziemlich flott unterwegs. So lag ich im Ziel auch vor meinen zwei Hauptrivalen. Es kann meinetwegen so weitergehen.

Können Sie erklären, wie schwierig der Sprung vom Test- zum Rennfahrer ist?

Ricciardo: Das Niveau der Formel 1 ist extrem hoch. Da machen deine Gegner keine Fehler. Und du musst auf die Sekunde hellwach sein. Am Anfang hatte ich Mühe in meiner Qualifikationsrunde, jeden Streckensektor in der entscheidenden Runde optimal zu erwischen. Du bist mit dem Setup limitiert. Wenn du nur auf eine schnelle Runde schaust, bezahlst du dafür im Rennen, weil man zwischen Training und Rennen ja nichts verändern darf. Da muss ich die Balance noch finden. Daran muss ich noch arbeiten. Im Rennen ist erst einmal die Dauer des Rennens ungewohnt. Dann musst du lernen schnell zu fahren und trotzdem die Reifen zu schonen. Und du brauchst ein Gefühl dafür, was du beim Boxenstopp geändert haben willst. Den Reifendruck? Den Frontflügel? Es gibt da schon viele Variablen, mit denen du herumspielen kannst. Beim Testen bist du am Stück nie so lange Distanzen unterwegs. Da hast du viel mehr Reifensätze.

Waren die längeren Renndistanzen ein Problem für Sie?

Ricciardo: Ich war schon überrascht, wie lange so ein Grand Prix dauert. Davor hatte ich Respekt. Die längsten Rennen, die ich in der Renault-Weltserie gefahren bin, dauerten 45 Minuten plus eine Runde. Da habe ich befürchtet, dass ich bei meinen ersten Formel 1-Rennen die schwarzweiß karierte Flagge herbeisehnen werde. Formel 1-Rennen sind halt doch eine ganze Ecke intensiver, physisch und mental. Deshalb habe ich mich gefreut, dass ich im Ziel sogar noch Reserven hatte. Das zeigt, dass ich richtig trainiere. Klar, da und dort hat es während der letzten Runden ein bisschen gezwickt, aber mit etwas mehr Training kriege ich das weg.

Sind Sie auch so ein Sportfreak wie Ihr Landsmann Mark Webber?

Ricciardo: Ich mag Sport. Aber Mark ist schon superfit. Ob ich mit ihm mithalten kann? Ich weiß es nicht. Aber ich habe schon als Kind immer viel Sport getrieben. War immer draußen. Das ist mir lieber als Zeit am Computer mit Videospielen zu verbringen. Da bin ich wohl der typische Aussie. Ich spiele Fußball, Tennis und fahre Rad. Und ich schaue mir Sport auch gerne im Fernsehen an. Am liebsten Australian Football.

Wie oft sind Sie in Australien?

Ricciardo: Für uns Australier ist es schwierig. Wir können nicht einfach mal nach Hause fliegen, wenn wir wollen. Über Weihnachten bin ich vier Wochen in meiner Heimatstadt Perth. Mit etwas Glück kann ich noch den Rennen in Melbourne und Singapur einen Abstecher in die Heimat machen. Das ist nicht viel, wenn dort deine Familie und deine ganzen Freunde leben. Und das Wetter besser als in Europa ist. Aber für die Formel 1 bringe ich jedes Opfer.

Letztes Jahr haben Sie einen Red Bull getestet. Bis Valencia sind Sie einen ToroRosso am Freitag gefahren. Jetzt bestreiten Sie Rennen im Hispania. Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung von einem Auto aufs andere?

Ricciardo: Diese Autos sind wirklich sehr verschieden. Aber ich habe mich schneller damit zurecht gefunden als befürchtet. Ich bin zunächst dazwischen ja auch noch die Rennen zur Renault-Weltserie gefahren, bin also den schnellen Wechsel gewohnt. Sitze ich im Formel Renault erwarte ich keine 750 PS. Wenn ich ins Formel 1-Cockpit klettere, weiß ich, dass mich viel mehr Abtrieb erwartet. Ich kann da ganz gut umschalten. Vielleicht, weil ich noch in der Lernphase stecke. Da bin ich offen für unterschiedliche Anforderungen.

Und die unterschiedlichen Lenkräder?

Ricciardo: Ich kenne jetzt drei Formel 1-Lenkräder. Die zu lernen war der schwierigste Part. Weil die Knöpfe immer woanders sind. Deshalb nehme ich mir vor jedem Training oder Rennen noch mal das Lenkrad vor und studiere ganz genau, wo ich welche Einstellungen vornehmen kann.

Was ist Ihr Ziel: Fahren Sie nächstes Jahr im Red Bull oder ToroRosso?

Ricciardo: Bevor ich überhaupt einen Sitz dort bekomme, muss ich beweisen, dass ich es verdiene. Deshalb muss ich vorher erst einmal Tonio Liuzzi ans Limit treiben. Das ist ein realistisches Ziel. Es wäre natürlich toll in einem Red Bull zu sitzen, aber ich glaube, das ist eher unwahrscheinlich. Es wäre schön, wenn ich nächstes Platz einen Formel 1-Platz habe. Wo, ist mir eigentlich egal. 

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