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Interview mit Dave Ryan

"Haben keine Existenzängste mehr"

Dave Ryan - Manor - F1 Foto: xpb 40 Bilder

Manor hat die Lücke zum Rest des Feldes geschlossen. Teamchef Dave Ryan verrät, warum der Rennstall nicht mehr ums Überleben kämpft, warum er in der Saison 2017 eine Chance sieht und wo das Team in Zukunft investieren wird.

28.07.2016 Michael Schmidt 1 Kommentar
Von Manor und seinem Vorgängerteam gab es meistens nur Hiobsbotschaften. Das Team stand lange am Rand des Ruins. Neuerdings ist es ruhig um Manor geworden. Ist das die gute Nachricht?

Ryan: Die Zukunft sieht gut aus. Der Besitzer denkt langfristig. Wir investieren, wo wir investieren müssen. Wir holen gute Leute an Bord. Natürlich geht es nicht über Nacht. Wir haben uns letzten Winter stark verbessert und planen einen ähnlichen Sprung im nächsten Winter.

Also keine Existenzangst mehr?

Ryan: Nein, das Problem haben wir nicht mehr.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich bei Manor zurechtgefunden haben?

Ryan: Das ist ein Prozess, der immer noch anhält. Ich muss nicht nur das Team kennenlernen, sondern mich auch daran gewöhnen, mit einem kleinen Team zu arbeiten. Meine Erfahrungen habe ich bei McLaren gemacht. Es braucht Zeit zu verstehen, wie ein kleines Team funktioniert. Wir haben jetzt sehr gute Leute an Bord. Denen müssen wir den Glauben an das Team geben. Sie sollen wissen, dass es ein langer Prozess wird nach vorne zu kommen, aber dass er sich lohnt.

Was können Sie von ihrer McLaren-Zeit mitbringen?

Ryan: Ein gutes Verständnis dafür, was das Ziel sein muss, wenn man die entsprechenden Mittel hat. Andererseits gewinne ich mit einigem Abstand auch den Eindruck, dass nicht alles so geglänzt hat wie es damals aussieht. In den großen Teams glaubt man gerne, dass man alles richtig macht. Und man unterschätzt den Einsatz und den Aufwand, den auch die kleinen Teams in das Unternehmen stecken. Ich versuche da, eine gute Balance zu finden.

Wie weit schränkt sie das Budget ein, die Änderungen vorzunehmen, die sie gerne vornehmen wollen?

Ryan: Unsere Restriktionen liegen darin, dass wir nicht alles gleichzeitig anpacken können. Wir müssen uns erst um die Bereiche kümmern, auf denen wir die größten Fortschritte erzielen können. Und das ist die Entwicklung des Fahrzeugs. Und da haben wir einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Das ist uns gelungen, weil wir in der Lage waren, ein neues Auto zu bauen statt ein altes weiterzuentwickeln. Im nächsten Schritt wollen wir mehr gute Leute anstellen, die an die Zukunft dieses Teams glauben. Ich sehe dahinter kein großes Geheimnis. Erfolg in der Formel 1 ist immer das Produkt harter Arbeit.

Manor hat über den Winter drei Sekunden gutgemacht. Wie groß ist der Anteil des Mercedes-Motors, wie groß der des Autos?

Ryan: Mercedes war natürlich ein beträchtlicher Faktor. Es ist ja kein Geheimnis, dass Mercedes den stärksten Motor hat. Es hilft auch, dass uns Williams mit dem Getriebe und der Hinterradaufhängung viel Arbeit abnimmt, die wir in anderen Bereichen investieren können. Deshalb hatten wir die Kapazitäten ein komplett neues Auto zu bauen. Wir schauen bei der Entwicklung des Autos nicht mehr darauf wie wir überleben, sondern wie wir das schnellstmögliche Auto entwickeln können.

Wie groß ist das Team?

Ryan: Letzte Woche waren es 187 Mitarbeiter. 21 neue Verträge sind bereits abgeschlossen. Wir werden bis nächstes Jahr bei 220 landen.

HaasF1 hat ähnlich viele Angestellte, aber als B-Team von Ferrari ein anderes Modell gewählt. Sind Sie neidisch?

Ryan: Ich bin nicht neidisch. Viele hier im Fahrerlager haben sich darüber aufgeregt, dass der Weg von HaasF1 in die Formel 1 nicht korrekt war. Das unterschreibe ich nicht. HaasF1 hat die Regeln genau gelesen, und sie zu ihrem Vorteil ausgenutzt. Davor muss man den Hut ziehen. Sie haben ein gutes Auto gebaut. Ich bin nicht ganz sicher, ob sie es auch voll verstehen. Sie hatten am Anfang der Saison etwas Glück, aber das haben sie sich verdient. Mit ihrer kleinen Truppe haben sie einen guten Job gemacht. Die echte Nagelprobe für sie kommt im nächsten Jahr, wenn sie ihr eigenes Aero-Programm vorantreiben müssen. Das wird nicht einfach für sie, weil sie wie wir von der Mannschaftsstärke ein kleines Team sind. Und weil sie viel outsourcen.

Käme dieses Modell für Sie mit Mercedes in Frage?

Ryan: Ich kann nicht für den Besitzer des Teams sprechen, kann mir aber vorstellen, dass er einem solchen Modell gegenüber aufgeschlossen wäre. Und ich glaube kaum, dass er sich die Gelegenheit entgehen lassen würde, wenn es die Chance einer Zusammenarbeit mit Mercedes gäbe und eine solche Partnerschaft für beide Parteien Vorteile bringt.

Sehen Sie die neue Technikregeln 2017 als Chance oder als Handikap?

Ryan: Ganz klar als Chance. Das gilt für alle. Wir haben ein kleines, aber feines Aero-Team. Ich habe viel Vertrauen in die Jungs. Und ich bin mir sicher, dass einige Teams nächstes Jahr danebenliegen, und dass wir richtig liegen werden. Ob wir wir dann das Beste draus machen wird sich zeigen.

Wie groß ist Ihr Aero-Team?

Ryan: Sicher vier Mal größer als es zu Beginn des Jahres war.

Arbeiten Sie noch am aktuellen Auto oder schon voll auf 2017 hin?

Ryan: Der Fokus liegt schon auf 2017. Aber ich erwarte noch einige Upgrades. Gerade diese Woche haben wir einige neue Konzepte abgesegnet. In Hockenheim haben wir sie am Auto.

Wie viel Zeit können Sie mit diesem Auto noch finden?

Ryan: Drei bis vier Zehntel wären mein Wunsch. Zweieinhalb Zehntel sind vielleicht realistisch.

Auf welchem Typ Rennstrecke ist das Auto am besten?

Ryan: Sicher nicht in Silverstone. Alle Strecken, auf denen mit maximalem Abtrieb gefahren wird, sind ein Problem für uns.

Wie hart wird es werden Platz 10 zu verteidigen?

Ryan: Das wird extrem schwierig. Sauber bekam frisches Leben eingehaucht. Sie haben jetzt eine große Chance. Uns bedeutet dieser Punkt unheimlich viel. Nicht nur finanziell. Er bestätigt, dass wir dazugehören. Heute ist schon Platz 15 unter 22 Autos eine gute Leistung. Aber ein Punkt, das ist eine andere Welt. Du hast etwas vorzuweisen. Es steht da, schwarz auf weiß. Wenn du einen Punkt auf dem Konto hast, kannst du bei der Suche nach Sponsoren oder gutem Personal ganz anders auftreten. Wir sind jetzt in einer schwierigen Lage. Einerseits müssen wir über unsere Schulter auf Sauber schauen, andererseits haben wir schon Renault im Auge.

Sind Sie immer noch von Pay-Drivern abhängig?

Ryan: Das ist noch zu früh zu sagen.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Fahrern?

Ryan: Pascal ist ein brillanter Fahrer. Auch wenn er sich in der Qualifikation manchmal schwer tut. Aber vergessen Sie nicht, dass er viele Rennstrecken nie zuvor gesehen hat. Mit der limitierten Anzahl an Reifen und damit Runden ist es nicht so einfach, sich da einzuschießen. In den Rennen hat er einen fantastischen Job abgeliefert. Er wird noch lernen. Selbst ich alter Kerl lerne ja ständig dazu. Das trifft auch auf Rio zu. Er hat in der Qualifikation einige ausgezeichnete Leistungen abgeliefert.

Wird Haryanto unterschätzt? Wehrlein wird dafür kritisiert, dass er seinen Teamkollegen in der Qualifikation nicht jedes Mal schlagen kann.

Ryan: Rio ist drei Jahre GP2 gefahren. Er kennt viele der Rennstrecken sehr gut. Er kennt die Pirelli-Reifen. Und er ist schnell. Ich finde, man muss Pascal die ein oder andere Trainingsniederlage zugestehen.

Wird Haryanto diese Saison bei Manor beenden?

Ryan: Das kann ich noch nicht sagen. Ich würde mir wünschen, dass er bis zum Ende der Saison für uns fährt. Sein Management arbeitet hart daran.

Bleibt Wehrlein auch nächstes Jahr im Team?

Ryan: Wir haben mit Pascal einen Vertrag bis Ende des Jahres. Was weiter passiert, müssen wir abwarten.

Was können wir von Manor 2017 erwarten?

Ryan: Wir werden an der Strecke viel besser organisiert auftreten. Unser neuer CEO wird dafür sorgen, dass auch in der Fabrik die Dinge besser geordnet werden. Wenn wir das Auto gut hinkriegen, sollten wir nächstes Jahr die Früchte dessen ernten, was wir dieses Jahr gesät haben und dementsprechend besser dastehen.

Was wird die wichtigste Investition für die Zukunft?

Ryan: Wir investieren in Leute, die unser Team auf allen Gebieten verstärken. Was das Auto betrifft: Wir haben einen sehr guten Motor und ein gutes Getriebe. Der Rest ist Aerodynamik. Darauf müssen wir uns konzentrieren?

Sind Sie auf der Seite von Force India und Sauber, die für eine gerechtere Verteilung der Gelder kämpfen?

Ryan: Absolut. Ich glaube nicht, dass die Formel 1 ein Wohlfahrtsunternehmen sein sollte. Aber der Unterschied zwischen dem, was Ferrari bekommt und dem was zum Beispiel Force India kriegt, könnte zwei Formel 1-Teams ernähren. Ich habe nichts dagegen, wenn die erfolgreichen Teams belohnt werden. Ich sehe auch ein, dass Teams, die schon lange dabei sind, dafür einen Bonus bekommen. Aber der Unterschied darf nicht so groß sein. Das versteht keiner.

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"Wie groß ist Ihr Aero-Team?
Ryan: Sicher vier Mal größer als es zu Beginn des Jahres war."

Also jetzt 4 Mann *g*

Mach5 28. Juli 2016, 12:35 Uhr
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