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Interview mit Force India-Technikchef Andy Green

"In Silverstone ging es um alles oder nichts"

Andy Green - Force India - GP Abu Dhabi 2015 Foto: xpb 25 Bilder

Force India lieferte als Fünfter in der Konstrukteurs-WM das beste Resultat der Firmengeschichte ab. Technikchef Andy Green erklärt im auto motor und sport-Interview, was hinter der B-Version des Autos steckte, wie wichtig das erste Training in Silverstone war und wie stark dieses Team ist.

11.12.2015 Michael Schmidt
Platz 5 in der WM: Haben Sie nach dem ersten Testtag in Barcelona an dieses Resultat geglaubt?

Green: Wir wussten, dass der erste Teil der WM hart wird. Es war einfach darüber zu sprechen, was wir vorhatten. Aber es war viel härter, es wirklich zu tun. Die erste Saisonhälfte hat uns viele Schmerzen bereitet. Wir haben uns mit den bescheidenen Mitteln ein Ziel gesetzt: Einfach dran bleiben, die Reifen optimal nutzen, keine Fehler machen, von den Fehlern anderer profitieren, jede unserer Chancen nutzen.

War es der härteste Winter Ihrer Karriere?

Green: Ohne jeden Zweifel, ja. Aber es hat gezeigt, was dieses Team kann. Es ist ein positiver Geist, der unser Team vorantreibt. Wir lassen uns durch Schwierigkeiten nicht aus der Bahn werfen. Wir sind echte Racer.

Was war für die Entwicklung des Autos schlimmer: Die Restriktionen beim Cashflow oder das Rennen gegen die Zeit?

Green: Beides ging Hand in Hand. Die Tests kamen immer näher und das Auto konnte nicht so schnell gebaut werden, wie es idealerweise der Fall hätte sein sollen. Wir haben schnell entschieden, nicht nach Jerez zum ersten Test zu gehen. Das war kein großes Problem. Dann mussten wir den ersten Test in Barcelona auch noch sausen lassen. Da kam die Sorge auf, dass wir vor dem ersten Rennen vielleicht gar nicht fahren würden. Zum Glück haben wir es gerade noch so geschafft. Bei der Gelegenheit haben wir gesehen, wie weit wir mit dem Auto hinterher waren.

War der erste Teil der Saison vielleicht sogar die größere Leistung?

Green: Absolut. Ich ziehe meinen Hut vor den Jungs an der Strecke und den Fahrern. Sie haben mehr aus dem Auto herausgeholt, als vorhanden war. Wir wussten schon anhand der Daten, dass unser neues Auto ein Schritt rückwärts war. Die Testfahrten haben das bestätigt. Uns blieb wegen der besonderen Umstände einfach zu wenig Entwicklungszeit, das Auto für die Regeländerungen zu optimieren. Also haben wir alle Energie in diese B-Version gesteckt. Uns war klar: In Silverstone geht es um alles oder nichts.

Wie haben Sie die Wende in Silverstone erlebt?

Green: Das war unser D-Day. Dieses erste Training am Freitag. Ich war schon lange nicht mehr so nervös wie an diesem Tag. Das Warten auf die ersten Kommentare der Fahrer war eine Zerreißprobe. Und dann diese Erleichterung. Als wären tausend Steine vom Herzen gefallen.

Wann haben Sie gewusst, dass die B-Version ein Volltreffer war?

Green: Gleich nach dem ersten Stint im ersten Training. Die Fahrer kamen zurück und haben gesagt: Das ist genau das, was wir wollten, was uns gefehlt hat. Da wussten wir, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Ab da kamen fast jedes Rennen neue Teile ans Auto. Das Auto wurde von Rennen zu Rennen besser. Abu Dhabi hat es gezeigt. Beim letzten Rennen haben wir unser bestes Resultat abgeliefert.

Wenn der Winter normal verlaufen wäre, hätten Sie dann Red Bull schlagen können?

Green: Hätte, wäre, wenn bringt uns nicht weiter. Es hätte uns im ersten Teil der Saison sicher geholfen. Aber wir haben zu viele Punkte in einigen Schlüsselrennen hergeschenkt. Budapest hat uns gekillt. Red Bull hat 33 Punkte geholt, wir null. Das straft dich doppelt. Wir waren schnell dort, hatten aber ein Problem mit den Flügeln. Das kann passieren, wenn du am Limit operierst. Nächstes Jahr starten alle bei Null. Wir werden Red Bull eine harte Zeit bereiten.

Sie haben alle Karten auf die B-Version gesetzt. Wie riskant war das?

Green: Es war riskant, weil wir dieses Auto zum ersten Mal in einem Windkanal entwickelt haben, dessen Werte vorher noch nicht mit der Strecke korreliert worden waren. Die Daten sahen gut aus. Der Simulator sagte das gleiche. Aber das hilft dir alles nichts, wenn das nicht auf der Strecke ankommt. Da lebst du immer in der Angst, dass die Wirklichkeit etwas anderes sagt.

Wie groß war der Schritt von der A- bis zur B-Version?

Green: Im Gesamtabtrieb beachtlich, aber nicht massiv. Viel mehr hat uns die neue Charakteristik des Autos gebracht. Alle Probleme, die wir vorher hatten, die von den Fahrern immer wieder beanstandet wurden, waren wie weggeblasen.

Das waren?

Green: Mehr Abtrieb im Heck, wenn er dort gebraucht wurde. Mehr Abtrieb vorne, wenn es nötig war. Eine viel bessere Balance. Das ist eine Allzweckwaffe, weil es den Fahrern Vertrauen gibt. Und dann können sie attackieren.

Danach kamen viele Upgrades. Waren Sie happy damit?

Green: Jedes Upgrade, das ans Auto kam, hat so funktioniert, wie es sollte. Alle Daten wurden bestätigt. Wir hätten gerne noch mehr gemacht, aber uns lief die Zeit davon. Das kommt dann nächstes Jahr. Wir haben noch viel mehr in der Pipeline. Die Aerodynamiker finden ständig Abtrieb. Wir werden unserer Aero-Philosophie treu bleiben. Das Auto nächstes Jahr in Melbourne sollte ein guter Schritt vorwärts sein.

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