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Interview mit Gil de Ferran

"Formel 1 ist Opfer ihres Erfolges"

Gil de Ferran - IndyCar - 2014 Foto: IndyCar

Gil de Ferran war 2000 und 2001 IndyCar-Meister und hat 2003 das Indy 500 gewonnen Die Formel 1 kennt er aus seiner Zeit als Sportdirektor von BAR. Der 47-jährige Brasilianer sprach mit auto motor und sport über die Probleme der Formel 1 und seine Online-Rennfahrerschule Safe is Fast.

11.08.2015 Michael Schmidt
Wie genau verfolgen Sie die Formel 1?

de Ferran: Ich war immer ein Fan der Formel 1. Seit ich ein Kind bin. Deshalb schaue ich mir auch alle Rennen an.

Ist die Formel 1 im Vergleich zu anderen Meisterschaften immer noch die beste Rennserie, oder fehlt ihr etwas?

de Ferran: Die Formel 1 wird immer die Spitze des Motorsports bleiben. Aber auf eine Weise ist sie das Opfer ihres eigenen Erfolges. Sie ist zu perfekt. Ihr fehlt der menschliche Faktor. Menschen machen Fehler. Das macht sie sympathisch. Über die letzten zwei Jahrzehnte wurden im GP-Sport enorme Investitionen getätigt. Alle und alles wurden immer besser, und sie sind schließlich nahe dem Optimum angelangt. Ziel war und ist es, Fehler und Pannen auszuschalten. Ich frage mich: Gibt es überhaupt noch etwas, das schlecht ist? Wenn ich mir die Autos am hinteren Ende des Feldes anschaue, muss ich sagen: Die sehen immer noch verdammt gut aus.

Das war nicht immer so?

de Ferran: Nein. Für mich war der Motorsport Ende der 80er und Anfang der der 90er Jahre am besten. Da waren die Autos nicht perfekt. Wie oft haben wir einen Fahrer am Lenkrad korrigieren sehen. Also hat entweder er oder das Auto einen Fehler gemacht. Aber es war interessanter, den Fahrern damals bei ihrem Kampf mit dem Auto zuzusehen. Jeder Schritt zurück in diese Richtung wäre ein guter.

Kämpft der Motorsport nicht immer mit dem Problem der Perfektion?

de Ferran: Natürlich. Auch zu meiner Zeit haben wir alle vom perfekten Rennen geträumt. Ich starte von der Pole Position, gewinne den Start, fahre ohne Fehler, passe auf meine Reifen auf, ziehe dem Feld davon und gewinne das Rennens. Leider wollen die Leute genau das nicht sehen. Wenn du alle Werkzeuge der Welt hast, dieses perfekte Rennen zu planen, wird es gefährlich. Das ist der Fluch des Geldes, das in der Formel 1 steckt. Ich glaube, dass die heutigen Formel 1-Fahrer immer noch hart für das perfekte Rennen arbeiten müssen. Es ist nur von außen so schwer zu erkennen. Ich kann es vielleicht noch sehen, weil ich 30 Jahre lang Rennen gefahren bin. Aber der normale Zuschauer tut sich schon schwer.

Ist IndyCar besser, weil weniger Geld unterwegs ist?

de Ferran: Es ist eine nationale Meisterschaft, nicht vergleichbar mit der Formel 1. In meiner Zeit waren die Autos richtig schwer zu fahren. Wir hatten 980 PS und nicht genug Abtrieb. Heute ist das auch nicht mehr so. Aber IndyCar war immer eine Nummer kleiner als die Formel 1. Wenn wir hier von Problemen reden, ist das alles relativ. Ich fahre am Freitagmorgen um 10 Uhr ins Fahrerlager von Silverstone und stecke in einem Stau. So groß kann das Problem der Formel 1 nicht sein.

Die Formel 1 denkt über große Veränderungen nach. Dabei wurden auch die Fans befragt. Wie wichtig ist ihre Meinung?

de Ferran: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Henry Ford hat einmal einen guten Vergleich gebracht. Wenn wir Leute gefragt hätten, die in einer Kutsche gefahren, was sie sich wünschten, dann hätten sie geantwortet: schnellere Pferde. Sie hätten nie gesagt: Wir wollen ein Auto. Wenn Steve Jobs gefragt hätte, was sie sich vom Telefon wünschen, wäre kein Mensch auf das Smartphone gekommen. Was ich damit sagen will: Es ist wichtig zu wissen, wie die Fans ticken. Welche Lösungen du dafür lieferst, müssen die Leute entscheiden, die das Geschäft führen.

Heute sind nicht nur die Autos perfekt, sondern auch die Fahrer. Sie haben ein Programm entwickelt, wie junge Fahrer am Computer die Grundbegriffe des Motorsports lernen können. Wünschen Sie sich einen Schüler wie Max Verstappen ?

de Ferran: Der Junge ist unglaublich gut. Wenn ich mich in die Zeit zurückversetze, in der ich 17 Jahre alt war, dann wäre ich nie in der Lage gewesen, so etwas zu leisten. Es ist phänomenal, wie er in so jungen Jahren so gut fahren und so entschlossen Entscheidungen treffen kann.

Können Sie erklären, wie Ihr Safe is Fast-Programm funktioniert?

de Ferran: Ich hatte Glück. Mein Vater war ein Ingenieur. Ein Freund von mir wusste alles über Motorsport. Dann kam ich nach England und traf Jackie Stewart. Er war der beste Mentor, den man sich vorstellen kann. Er hat mir das Fahren, die Arbeitseinstellung, den Umgang mit den Medien beigebracht. Unbezahlbares Wissen. Ich hätte es mir nie alleine aneignen können. Aber wie viele junge Motorsportler haben dieses Glück? Für die haben wir ein Lehrbuch entworfen, das sie am Computer abrufen können. Dort unterrichten wir sie in allen Bereichen. Von der Frage, wie ich vom Kart in richtige Rennautos umsteige, wie ich mir die Technik des Spätbremsens aneigne, wie ich fitbleibe, was die Grundbegriffe der Fahrdynamik bedeuten.

Wer kann daran teilnehmen?

de Ferran: Jeder. Auch Sie. Wenn Sie Rennfahrer werden wollen, gehen Sie auf unsere >> Website. Das Menü führt sie Sie durch das Programm. Sie entscheiden, was Sie im Motorsport erreichen wollen. Egal ob Tourenwagen auf Amateurniveau oder Formel 1. Viele Fahrer haben dazu beigetragen. Alexander Wurz, Jenson Button, Bobby Rahal Anthony Davidson, ich selbst. Adrian Newey erklärt die Technik. Der Rennarzt Steve Olvey spricht über Sicherheit. In 65 Video-Clips wird Ihnen von Experten erklärt, was Sie für den Einstieg in den Motorsport brauchen, wie sie das Fahren lernen, wie Sie mit dem Auto umgehen. Die FIA unterstützt uns. Wir haben bereits 350.000 Besucher aus 154 Ländern auf unserer Website.

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