Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Interview mit Jean Todt

"Ich lasse lieber Fakten sprechen"

Mosley & Todt Foto: dpa 32 Bilder

Jean Todt bewirbt sich um das Amt des FIA-Präsidenten. Der frühere Ferrari-Rennleiter kandidiert am 23. Oktober gegen Ari Vatanen. Todt stattete der Formel 1 in Singapur einen Besuch ab. auto motor und sport sprach mit dem 63-jährigen Franzosen.

26.09.2009

Sie wollten nie FIA-Präsident werden. Warum ist das plötzlich Ihr Traumjob?
Todt: Das Amt des FIA-Präsidenten ist immer noch nicht mein Traumjob. Ich hatte Glück in meinem Leben, bin gesund, habe genug Geld verdient und jetzt setze ich mich trotzdem noch einmal einer öffentlichen Position aus, in der ich auch noch immer ein freundliches Gesicht machen soll. Aber dieses Amt ist eine Herausforderung. Und in meiner Natur liegt es, Herausforderungen anzunehmen. Ich liebe Autos. Ich liebe Motorsport jeder Art. Meine Partnerin arbeitet mit mir in der gleichen Organisation. Es war einfach zu früh, ein ruhiges Leben zu führen.
 
Was macht das Amt des FIA-Präsidenten so spannend für Sie?
Todt: Der amtierende Präsident Max Mosley sagt, ich sei der ideale Kandidat. Das ist eine große Ehre für mich. Ich bin ein Fan von Autos und ich liebe es, zusammen mit anderen Leuten ein Ziel zu verfolgen. Ich bin gerne Manager. Die FIA gibt mir die Chance, das zu tun.

Was ist der Unterschied, Chef von Peugeot oder Ferrari zu sein oder Präsident einer Organisation?
Todt: Diese Unterschiede will ich herausfinden. Ich stehe noch vor der Tür und muss erst gewählt werden. Meine Aufgabe wird es sein, die richtigen Leute an den richtigen Platz zu setzen. Ich kann diesen Job nicht alleine machen. Die FIA ist ein riesiger Verband. Jeder Club hat seine eigenen Probleme. Ich habe gerade den Präsidenten des indonesischen Clubs getroffen. Dort leben 230 Millionen Menschen. Wissen Sie wie viele Leben man retten kann, wenn man etwas für die Sicherheit auf den Straßen tut? Es motiviert mich, ihnen dabei zu helfen. Diese Leute geben ihre Seele für ihre Aufgabe. Bei Ferrari konnte ich mir meine Mitarbeiter aussuchen. Innerhalb der FIA muss ich mit allen zusammenarbeiten, auch mit denen, die nicht meiner Meinung sind.
 
Was wollen Sie ändern?
Todt: Ich werde erst Inventur machen, und dann etwas ändern. Ändern um des Änderns willen macht keinen Sinn. In der FIA ist ja nicht alles schlecht.
 
Einige Teamchefs in der Formel 1 haben Angst, dass alte Animositäten hochkommen, wenn Sie mal FIA-Präsident sind.
Todt: Ich bin bereit, mit einem weißen Blatt Papier zu starten. Alle Probleme, die ich früher einmal mit gewissen Personen hatte, sind ausgelöscht.
 
Sind auch die Teams bereit, mit einem weißen Blatt Papier zu beginnen?
Todt: Ich haben diesen Eindruck.
 
Macht die vereinte Front der Formel 1-Teams unter dem Banner der FOTA Ihr Leben schwieriger?
Todt: Für mich ist es einfacher, wenn sich alle Teams einig sind.
 
Was wird Sie von Max Mosley unterscheiden?
Todt: Zuerst möchte ich sagen, dass Max Mosley ein großartiger Präsident war. Er musste in seiner Amtszeit viele Probleme lösen, und er hat sich um jedes kleine Detail gekümmert. Wenn Sie ihm einen Brief geschrieben haben, hat er ihn spätestens am nächsten Tag in allen Einzelheiten beantwortet. Wenn Sie ihn angerufen haben, hat er am gleichen Tag zurückgerufen. Da werde ich mich von Max unterscheiden. Ich bin der Ansicht, dass der Präsident nicht jedes kleine Problem selbst lösen muss. Dafür habe ich Experten, an die ich Aufgaben delegieren kann.
 
Die Ära Mosley war eine Ära der Konfrontation. Wie wird das bei Ihnen sein?
Todt: Ich bin ein Mann des Ausgleichs. Kompromisse sind mir lieber als Konfrontationen.
 
Die letzten Dinge, die Mosley auf den Weg bringen wollte, waren ein Budgetlimit und KERS. Wie stehen Sie dazu?
Todt: Ich bin da seiner Meinung. Wir alle müssen uns doch die Frage stellen, ob es Sinn macht, 300 bis 400 Millionen Dollar dafür auszugeben, dass zwei Autos in 17 Rennen 12.000 Kilometer abspulen. Wir müssen mit der Zeit gehen. Genauso wenig können wir in Zeiten des Klimawandels an alternativen Antriebstechnologien vorbeiplanen. Auch die Teams müssen das begreifen. Die Formel 1 muss Flagge zeigen, dass man im Leben steht.
 
Tun Sie das? Wie wollen sie die Teams davon überzeugen?
Todt: Meine Philosophie ist: Die Teams sollen Vorschläge machen. Erst wenn sie dazu nicht in der Lage sind, muss die FIA eingreifen. In der Ära Mosley war das leider oft so. Max hat die Teams um Vorschläge gebeten, aber er hat sie nicht bekommen. So haben sie ihn in eine Sackgasse getrieben.
 
Sehen Sie eine Chance für Frieden in der Formel 1?
Todt: Das Klima hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Wir brauchen einen Neubeginn. Mit dem Concorde Abkommen ist eine Basis dazu geschaffen. Frank Williams hat mich gefragt, ob ich als ehemaliger Ferrari-Mann Ferrari bevorzugen werde. Ich habe ihm geantwortet: Frag mich das in einem Jahr. Ich sehe den Sport als Dreiklang. FIA, FOTA und FOM müssen zusammenarbeiten, um das beste aus diesem Sport zu machen.
 
Grüne Technologie kostet Geld. Die Formel 1 muss aber sparen. Wie wollen Sie das unter einen Hut bringen?
Todt: Wir gehen Schritt für Schritt vor. Das Verbot der Tankstopps ist ein erster Schritt. Zur Zeit werden ungefähr 80 Liter Benzin pro 100 Kilometer verbrannt. Das ist Irrsinn. Nächstes Jahr wird der Verbrauch eine Rolle spielen. Wer am Start 15 Kilogramm mehr Benzin mitnehmen muss, wird um eine halbe Sekunde pro Runde langsamer sein. Die Teams sind also gezwungen, am Verbrauch zu arbeiten. Was neue Technologien angeht, erwarte ich von den Teams Vorschläge, wie man diese Technologien für einen vernünftigen Preis integrieren kann.
 
Wie wird der Motorsport in fünf Jahren aussehen?
Todt: Es wird einen Wandel geben, und der wird radikal ausfallen.
 
Das Interesse am Motorsport ist im freien Fall. Was können Sie dagegen tun?
Todt: Ich werde mir alle Meinungen dazu anhören. Es wäre falsch, jetzt Entscheidungen aus der Hüfte zu treffen. Ich habe gelernt, dass man Emotionen mit Entscheidungen nicht vermischen sollte.
 
Wie lautet Ihre Kampagne?
Todt: Ich will den Weg der Sicherheit, den Max Mosley geebnet hat, weitergehen. Man kann nie genug Sicherheit haben. Denken Sie nur an den Fall des armen Henry Surtees. Oder im Rallyesport. Da gibt es noch viel zu tun. Wir müssen uns aber auch um mehr Sicherheit auf den Straßen kümmern. Es gibt immer noch Länder, in denen eine fünfköpfige Familie auf einem Motorrad sitzt, und nur der Vater hat einen Helm auf. Deshalb starten wir jetzt rund um die Welt mit Hilfe der Rennfahrer diese Sicherheitskampagne. Dinge wie ESP sollten weltweit Pflicht sein.
 
Sie haben sich seit Ihrer Kandidatur kaum in der Öffentlichkeit gezeigt. Warum?
Todt: Das ist nicht mein Stil. Ich war nie ein großer Redner und lasse lieber Fakten sprechen.

Umfrage
Wen würden Sie zum FIA-Präsidenten wählen?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden