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Interview mit Kamui Kobayshi

"Ich weiss nicht, wo ich wohne“

Kobayashi GP Türkei 2011 Foto: xpb 42 Bilder

Kamui Kobayashi fuhr in jedem Grand Prix in dieser Saison in die Top Ten. Nur in Melbourne gab es keinen Lohn dafür. Beide Sauber wurden wegen illegaler Heckflügel disqualifiziert. Kobayashi bleibt cool. Der 24-jährige Japaner ist der ungekrönte Überholkönig und entwickelt sich immer mehr zum Liebling der Fans. auto motor und sport.de sprach mit dem besten Formel 1-Japaner aller Zeiten.

03.06.2011 Michael Schmidt

Nach drei mal Platz zehn haben Sie in Monte Carlo als Fünfter endlich groß abgesahnt. Erleichtert?
Kobayashi: Ich habe Peter Sauber schon nach Barcelona gesagt, dass ich diesen 10. Platz nicht mehr will.

Wird Monaco jetzt zu Ihrer Lieblingsstrecke?
Kobayashi: Monaco gehört sicher nicht zu meinen Lieblingspisten, aber einmal im Jahr geht das. Ich fühle mich auf superschnellen Pisten am wohlsten.

Da können Sie dann auch ihre Spezialität, das Überholen, ausspielen. Haben Sie eine spezielle Technik oder einen Trick?
Kobayashi: Manchmal ja. Aber die Strategie ist immer die gleiche, du musst vorbei! 2010 konnte ich auf den Geraden kaum überholen, weil der Sauber so langsam war. Also musste ich es in den Kurven oder Schikanen versuchen.

Das ist Ihnen spektakulär gegen Fahrer wie Schumacher, Alonso, Barrichello oder Buemi gelungen…
Kobayashi: Es geht nur, wenn man beim Angriff eben noch später als der Gegner bremst!

Wie oft hat Ihnen ein Rivale die Faust gezeigt?
Kobayashi: Nie. Ich fahre fair.

Haben Sie schon Ihre Faust aus dem Cockpit gestreckt?
Kobayashi: Ja, einmal. Letztes Jahr in Suzuka, als Alguersuari zweimal versuchte, mich mit dem ToroRosso abzudrängen, als ich ihn aussen überholte.

Wer war bis jetzt der schwierigste Duell-Gegner?
Kobayashi: Barrichello im Williams.

Sie überholen wie ein Weltmeister, doch wie sieht es mit der Verteidung einer Position aus?
Kobayashi: Defensiv bin ich nicht gut.

Sie reden nicht viel, sehen meist ruhig und gelöst aus. Sind Sie nie wütend?
Kobayashi: Doch, öfters. Aber dann bin ich auf mich selber sauer. Meist nach einem schlechten Training oder einem dummen Fahrfehler.

Was halten Sie allgemein vom verstellbaren Heckflügel und dem 82-PS-Zusatzschub von Kers?
Kobayashi: Wenn diese beiden Hilfen funktionieren, sind sie okay.

Die meisten Fahrer beschweren sich über die Reifen, obwohl sie die Rennen spannender und unberechenbarer machen. Weil der Unterschied von Reifensatz zu Reifensatz oft mehr als fünf Sekunden beträgt?
Kobayashi: Das fühlt sich manchmal auch so an. Aber in der Formel 1 kämpfen alle mit den gleichen Regeln. Da nerven solche Diskussionen.

Der Pirelli-Gummi scheint am besten zum Sauber C30 zu passen. Warum?
Kobayashi: Weil unser Wagen eben sehr sehr gut ist.

Nur das Auto - oder auch der Pilot Kobayashi?
Kobayashi: Die Basis ist immer das Auto. Dann kommen die Strategie und der Fahrer. Ohne diesen Mix läuft nichts.

Sie sind nicht als grosser Ingenieur im Auto bekannt…
Kobayashi: Das ist auch nicht mein Job. Ich will fahren und gewinnen. Wenn ich aus dem Auto klettere, sage ich meinen Technikern, was ich fühle - und dann ist es ihre Aufgabe, das Auto besser zu machen.

Haben Sie eigentlich Timo Glock schon mal ein grosses Bier bezahlt?
Kobayashi: Warum?

Weil Sie ohne seinen bösen Toyota-Unfall 2009 in Suzuka nicht in Brasilien und Abu Dhabi als Ersatzfahrer eine GP-Chance bekommen hätten, die sie dann mit tollen Leistungen nutzten.
Kobayashi: Ein Bier war es nicht. Doch Timo und ich hatten schon vorher Kontakt und gingen oft essen. Die aktuelle Situation ist für ihn natürlicher bei Virgin schwieriger als für mich. Aber so ist die Formel 1.

Wenn Red Bull oder Ferrari plötzlich mit einem Angebot kommen würden - wie gross wäre Ihre Loyalität zu Peter Sauber?
Kobayashi: Sehr gross, weil er Vertrauen in mich hatte. Und weil ich ihm in der Formel 1 fast alles verdanke. Zudem erfülle ich meine Verträge immer bis zum letzten Tag.

Wie lebt man als Japaner in Europa?
Kobayashi: Ich habe keine Wohnung.

Was heisst das?
Kobayashi: Ich bin gerade aus meiner Pariser Wohnung ausgezogen - und kehre dorthin auch nicht mehr zurück.

Wo leben Sie jetzt?
Kobayashi: Ich habe kein Haus, keine Wohnung. Ich weiss nicht, wo ich wohne.

Wie bitte?
Kobayashi: Ich habe keine Basis mehr - aber einen grossen Koffer. Mit dem ziehe ich von Hotel zu Hotel. Ich bin ja immer unterwegs. Doch nun muss ich mir selber eine Frage stellen: Wo zahle ich jetzt meine Steuern?

Wie oft waren Sie nach dem Erdbeben und der Atom-Katastrophe in Japan?
Kobayashi: Mehrmals. Und jedesmal wurde ich sehr traurig. Ich habe einige Hilfsaktionen gestartet, denn meine Landsleute leiden immer noch sehr viel. Es vergehen sicher zehn Jahre, bis etwas die Normalität zurückkehrt. Das Land steht vor einem harten Sommer, weil man Strom sparen muss und viele Menschen so keine Air Condition  einschalten können.

Haben Sie als Japaner mit der Kultur in Europa nie Probleme gehabt?
Kobayashi: Nein, ich lebe ja bereits seit über sieben Jahren in Europa. Nur beim Essen bin ich ein echter Japaner geblieben. Ich brauche fast jeden Tag eine Portion Reis. Dazu bringe ich oft das asiatische Essen mit zu den Rennen - und bereite es in der Sauber-Küche sogar selber zu.

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