Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Interview mit Mercedes-Rennleiter Ross Brawn

Michael fehlt das Reifen-Gefühl

Ross Brawn Mercedes GP Foto: Mercedes GP 153 Bilder

Mercedes-Rennleiter Ross Brawn blickt auf ein schwieriges erstes Jahr als Chef der Silberpfeile zurück. Im neuen auto motor und sport 2/2011, das am 3. Januar erscheint, reflektiert der Meistermacher über die Technik. Für auto-motor-und-sport.de spricht Brawn über seine beiden Fahrer Nico Rosberg und Michael Schumacher.

30.12.2010 Michael Schmidt

Wie gut ist Nico Rosberg?
Brawn: Er ist sehr gut, sehr talentiert, sehr fit, ein exzellenter Teamplayer, und er macht kaum Fehler. Mit dem richtigen Auto gewinnt er Rennen, und wenn er diesen Schritt geschafft hat, kann er auch um die Meisterschaft mitfahren. Es hängt immer von den Umständen ab. Du musst zur richtigen Zeit im richtigen Auto des richtigen Teams sitzen. Ich glaube, dass er im richtigen Team ist. Jetzt müssen wir Nico nur noch das richtige Auto geben.

Welche Problem hatte Michael Schumacher im abgelaufenen Jahr?
Brawn: Wenn man die Bereiche analysiert, in denen Michael Zeit auf Nico verliert, dann sind das nicht die Bereiche, die man zunächst im Verdacht haben könnte. Schnelle Kurven, Mutpassagen, Situationen, wo man schnell reagieren müsste. In all diesen Bereichen ist Michael immer noch sehr stark. Es ist die Fahrtechnik in langsamen und mittelschnellen Kurven, für die Nico mit den Reifen, die wir 2010 zur Verfügung hatten, hin und wieder das bessere Gefühl entwickelt hat. Und da gehen die zwei, drei Zehntel verloren. An diesen Bereichen arbeitet Michael. Es fehlte im manchmal das Gefühl dafür, wie der Reifen reagiert. Ob das mit den Pirelli-Reifen sich ändert, weiß ich nicht. Da müssen wir abwarten. Die Tatsache, dass es an eher technischen Dingen liegt, gibt mir die Sicherheit, dass Michael in der Pause nichts an seinen Fähigkeiten eingebüßt hat.
 
Aber war Schumacher in seiner ersten Karriere nicht der Meister der Anpassung?
Brawn: Ich weiß es nicht. Wir brauchen ein anderes Auto und andere Reifen, um ein ehrliches Urteil darüber abgeben zu können. Ich bin optimistisch. Michael hat mit Nico eine fantastische Herausforderung. Nico holt das Maximum aus dem Auto heraus. Das bedeutet eine sehr starke Gegenwehr für Michael. Er kann sich nicht verstecken, aber genau das will er auch nicht. Michael will einen Referenzpunkt, an dem er sich messen kann.  

Schumacher glaubt, dass er in der Qualifikation mehr Probleme hat als im Rennen. Warum?
Brawn: Weil man aus einem frischen Reifensatz in der Qualifikation ein bisschen extra Grip herausholen kann, abhängig davon, wie man ihn benutzt, wie man ihn vorbereitet. Das kriegt Nico einfach besser hin. Im Rennen ist es deshalb enger.
 
Ist es nicht naiv zu glauben, dass der Pirelli-Reifen alles besser kann als der von Bridgestone?
Brawn: Keiner kann das vorhersagen. Der Reifen wird eine andere Charakteristik haben, ein anderes Gefühl vermitteln, eine andere Vorbereitung verlangen. Als vor einigen Jahren einige Teams von Michelin zu Bridgestone gewechselt sind, hatten viele Fahrer Probleme, Top-Piloten wie Alonso mit eingeschlossen. Mit Pirelli wird das ähnlich sein. Ob das jetzt Rosberg oder Schumacher in die Hände spielt, ist schwer vorherzusagen.
 
Schumacher beschwerte sich manchmal, dass ihm die Testfahrten fehlten. Hätte ihm ein Fahrsimulator geholfen?
Brawn: Wahrscheinlich schon. Er hätte sich mehr in das Verhalten der Reifen hineinarbeiten können. Es war sicher keine Hilfe, dass wir noch keinen Top-Simulator haben. Der befindet sich gerade im Aufbau, wird aber nicht vor 2012 voll einsatzfähig sein. Daimler entwickelt diesen Fahrsimulator. Wir sollten im Winter einen großen Schritt damit machen. Das geht nur in Eigenregie. Diese Technik kann man nicht auf dem Markt kaufen. 
 
Kann das Wunder von 2009 wiederholt werden?
Brawn: Wir treffen heute andere Umstände an. 2008 hatten wir 750 Mitarbeiter in Brackley und einige hundert in Japan bei Honda. Das haben wir nicht mehr. Es stimmt, dass wir mit der Entwicklung des 2011er Autos früh begonnen haben, was aber nicht heißt, dass wir deshalb mehr Ressourcen hineinstecken konnten als die drei Teams vor uns. Red Bull, Ferrari und McLaren können immer noch das aktuelle Auto bis zum Ende der Saison betreuen und gleichzeitig das neue entwickeln. Nein, wir werden dieses Märchen von 2009 kein zweites Mal erleben. Aber ich bin sicher, dass wir ein sehr gutes Auto haben werden. Wie gut, wissen wir erst, wenn es fährt. Sollte es aber so gut sein wie wir glauben, dann haben wir jetzt auch die Organisation im Rücken, es während der Saison zu entwickeln.
 
Es gibt Gerüchte, dass Sie zurücktreten wollen.
Brawn: So weit ist es noch nicht. Ich werde nicht zurücktreten, bis dieses Team erfolgreich ist.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden