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Interview mit Niki Lauda

"Haben das Auto konsequent weiterentwickelt"

Niki Lauda - Mercedes - 2014 Foto: Wilhelm 34 Bilder

Niki Lauda blickt auf ein turbulentes Jahr in der Formel 1 zurück. Seine Rechnung ist aufgegangen. Mercedes gewann überlegen beide WM-Titel. Der 65-jährige Österreicher erzählte uns in Abu Dhabi, warum Mercedes in diesem Formel 1-Jahr so erfolgreich war.

15.12.2014 Michael Schmidt
Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Lauda: Zum ersten Mal eine Mannschaft zu haben, die Höchstleistungen bringt. So etwas entsteht nur in einem jahrelangen Prozess. Bei uns sitzen die richtigen Leute am richtigen Platz, und sie ziehen alle am selben Strang in eine Richtung. Brixworth und Brackley sind zusammengewachsen. Daraus entstand ein innovatives, überlegenes technisches Konzept.

Ist der Harmoniefaktor wichtig?

Lauda: Würde ich nicht sagen. Zwischen der Auto-Fraktion und den Motorleuten kommt es immer mal wieder zu Streitereien. Wichtig ist da, den richtigen Kompromiss zu finden. Das war gerade jetzt ein entscheidender Schritt. Weil das Motorkonzept komplett neu war. Wenn da der Zusammenschluss mit dem Auto nicht optimal funktioniert, hast du ein Problem. Mit den Kühlern, der Aerodynamik.

Warum hatten wir den Erfolg? Ganz einfach: Unser Auto war schneller als die anderen. Je nach Strecke einmal mehr, einmal weniger, so zwischen drei bis sechs Zehntel pro Runde im Renntrim. Und wir haben das Auto bis Suzuka konsequent weiterentwickelt. Früher haben wir immer nach der Sommerpause aufgehört, und die anderen haben weitergemacht. Der Fehler ist uns nicht mehr passiert. Und das zahlt sich auch für nächstes Jahr aus. Weil das Reglement nahezu gleich bleibt.

Red Bull hat 2009 die richtigen Schlüsse aus einem neuen Reglement gezogen und danach vier Mal die Weltmeisterschaft gewonnen. Kann man etwas ähnliches von Mercedes erwarten?

Lauda: Es ist leichter mit einem guten Basis-Konzept in eine neue Ära zu starten. So weißt du schon mal, was funktioniert. Aber Vorsicht: Jedes Jahr kann Überraschungen bringen. Wir werden sicher unser Auto und unseren Motor kontinuierlich weiterentwickeln. Ob es sich wie bei Red Bull in einer Siegesserie auswirkt, kann ich nicht sagen. Ich bin ja kein Hellseher.

Welche Fehler wurden denn früher bei Mercedes gemacht?

Lauda: Der Grundfehler war, dass Brixworth und Brackley nicht miteinander gearbeitet haben. Dann mussten wir im Team ein paar Leute austauschen. Wir haben schließlich auch unser Reifenproblem gelöst. Die Verpflichtung von Hamilton war auch einer der Hauptfaktoren für den heutigen Erfolg. Seitdem hat das alles eine Dynamik in die richtige Richtung bekommen. Jeder Puzzlestein wurde dorthin gesetzt, wo er hingehörte.

Wer sind die Architekten des Erfolges?

Lauda: Auf der Motorseite Andy Cowell und seine Mannschaft. Beim Auto Paddy Lowe und Aldo Costa. Und Toto Wolff, der das alles miteinander koordiniert hat. Unser Team ist in allen Positionen perfekt aufgestellt.

Und Ross Brawn?

Lauda: Ross hat das Team aufgebaut. Er hat mit dem fünften Platz angefangen und mit dem zweiten Platz aufgehört. Diese Entwicklung haben wir ihm zu verdanken. Wir haben mit Paddy Lowe den idealen Nachfolger gefunden. Der Übergang ging nahtlos, ohne dass wir in ein Loch gefallen sind.

Der WM-Titel hat 250 Millionen Euro gekostet. 1.250 Menschen haben ihn möglich gemacht. Ist das der Preis für den Erfolg?

Lauda: Die großen Teams stellen sich alle die Frage: Was ist uns der Erfolg wert. In unserem Fall kann ich sagen: Der finanzielle Einsatz von Mercedes wird dank der Erfolge immer geringer. Dafür bekommen wir immer mehr zurück. Der Werbewert steht absolut im Verhältnis zu dem, was Mercedes dafür ausgibt.

Wäre mit diesem überlegenen Auto nicht jeder im Feld Weltmeister geworden?

Lauda: Nein. Um so ein Auto zu bekommen brauchst du eine Fahrerpaarung, die sich auf höchstem Niveau in die gleiche Richtung motiviert und damit die Entwicklung des Autos vorantreibt. Und zwar in der kürzest möglichen Zeit. Wenn die beiden nur für sich fahren, beide in verschiedene Richtungen arbeiten, hast du schon mal nur den halben Erfolg. Nico und Lewis haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen angefeuert. Wenn der Nico vom Lewis eine auf den Deckel bekommen hat, hat er im nächsten Rennen zurückgeschlagen. Und umgekehrt.

Wie schwierig ist es, zwei Topfahrer unter Kontrolle zu halten?

Lauda: Es gab ein, zwei Ausreißer. Aber nach der Kollision von Spa gab es eine interne Aussprache, und seitdem ist das Thema erledigt.

Sie waren Rennfahrer, Teamchef, Außenminister. Was war die interessanteste Phase in Ihrer Karriere?

Lauda: Ich würde fast sagen: Die heutige. Ich denke jetzt schon wieder drüber nach, wie wir nächstes Jahr noch besser werden können. Du darfst dich in dem Geschäft nicht eine Sekunde zurücklehnen. Aber mich muss als Außenminister auch die große Formel 1-Politik interessieren. Weil sie auch das Team betrifft. Die Diskussion über die Motorentwicklung, Tokens hin und her und der ganze Schwachsinn, muss auch unter Kontrolle gehalten werden. Diese Kombination macht meine heutige Aufgabe so interessant.

Wie groß ist Ihr Einfluss als Aufsichtsrat des Rennstalls?

Lauda: Ich bringe mich überall mit ein, auch weil ich es mir dank meiner Position und Glaubwürdigkeit leisten kann, überall hinzugehen. Leute wie Bernie wissen, dass ich nicht lange rumpalavere wie viele in diesem Geschäft, sondern schnell zum Punkt komme. Ich kann auch in jedes Motorhome gehen, um mit den anderen Teamchefs über Lösungen zu verhandeln. Wir finden nicht immer welche, aber es gibt zumindest Ansätze, wo ich versuche das Gesamtinteresse des Sports und unsere Interessen zu vertreten.

Wie bewerten Sie die Wiederbelebung des Silberpfeil-Mythos?

Lauda: Der hat sich von selbst wiederbelebt. Durch den Erfolg. Was nutzt dir der schönste Mythos, wenn du nicht gewinnst? Durch die Siege kam auch die Vergangenheit wieder zum Vorschein.

Was wissen Sie noch von der alten Ära?

Lauda: Fangio habe ich persönlich gekannt und auch bewundert. Wir sind damals noch in Argentinien gefahren. Da hat er mir zum ersten Mal die Hand gegeben. Der alte W196 sieht geil aus. Ich bin einmal damit gefahren und habe mich gleich erschreckt, weil die Sitzposition und die Anordnung der Pedale so unterschiedlich war. Es war mir ein Rätsel, wie man mit den Dingern schnell fahren konnte. Sie waren wahnsinnig schnell auf der Geraden, hatten aber vergleichsweise kaum Bremsen drauf. Doch Fangio war Fangio. Wir leben heute in einer Hightech-Ära. Ich denke mehr an das heute und morgen als an gestern.

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