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Interview mit Ross Brawn

Geld ist nicht mein Antrieb

Ross Brawn Foto: dpa 51 Bilder

Ross Brawn gilt als Superhirn der Formel 1. Der 55-jährige übernahm zu Beginn des Jahres den Rennstall von Honda für ein symbolisches Pfund und führte das Team auf Anhieb zu zwei WM-Titeln. Nun hat er die Zukunft des Teams mit dem Mercedes-Einstieg gesichert.

03.12.2009 Michael Schmidt

Im nächsten Jahr wird BrawnGP das Werksteam von Mercedes. Der Stuttgarter Autokonzern und der größte Daimler-Aktionär Aabar Investments aus Abu Dhabi kaufen sich mit 75,1 Prozent bei Meistermacher Brawn ein. Damit hat Ross Brawn es innerhalb von neun Monaten auch noch geschafft, seinem Team eine langfristige Zukunft zu sichern. auto motor und sport.de sprach mit dem Engländer.

Mercedes steigt bei Ihrem Team ein, und Sie waren im Urlaub. Wie passt das zusammen?
Brawn: Die Verträge waren schon vorher unterzeichnet worden. Ich konnte ruhigen Gewissens in den Urlaub fliegen. Bei der Verkündung musste ich ja nicht dabei sein.
 
Sind Sie jetzt ein reicher Mann?
Brawn: Ich bin reich, weil ich eine tolle Familie habe. Geld treibt mich nicht an. Das ist ein langfristiges Abkommen mit Mercedes, deshalb fließt da nicht von heute auf morgen Geld auf mein Konto. Ich kann mich nicht ab morgen an den Strand legen.
 
Was ändert sich für Sie?
Brawn: Ich kann jetzt den Fokus mehr auf die Entwicklung des Autos und des Teams legen statt nach Geldgebern zu suchen, um das Team am Leben zu erhalten. Und ich kann die Technologie von Mercedes in unser Technikpaket integrieren.
 
Haben Sie nicht Angst, dass mit dem Eintritt eines Konzerns aus Ihrem Rennstall eine Behörde wird?
Brawn: Mercedes hat uns gewählt, weil wir effizient arbeiten. Ich habe als Mercedes-Kunde gelernt, dass in der Motorenabteilung in Brixworth nach dem gleichen Prinzip verfahren wird. Deshalb passen wir wunderbar zusammen. Wir wollen von Mercedes auf Gebieten profitieren, in denen sie gut sind. Zum Beispiel Prozesse bei der Qualitätssicherung. Wir können ein Team bieten, dass jetzt bereits eine Größenordnung hat, wie sie Ende 2010 auch von den anderen verlangt wird. Während unsere Gegner viel Energie aufwenden werden müssen, um ihre Belegschaft auf 350 Mitarbeiter herunterzufahren, können wir uns auf die Entwicklung des Autos konzentrieren.
 
Hat unter dem Duell mit Red Bull die Vorbereitung des 2010er Autos gelitten?
Brawn: Wir haben nur eine zusätzliche Woche im Windkanal für das 2009er Modell geopfert. Schon Mitte der Saison haben wir uns mehr auf das nächstjährige Auto konzentriert. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in diesem Jahr ein eher kleines Team waren. Unsere Ressourcen waren beschränkt und wir mussten sie für 2010 bündeln. Natürlich war die Versuchung groß, auf die Offensive von Red Bull zu antworten und dafür etwas für 2010 aufzugeben, doch wir durften uns da nicht nervös machen lassen.
 
Mercedes will aus der Formel 1 ein Profitcenter machen. Ist das realistisch?
Brawn: Das ist möglich, weil die Einnahmen aus dem Topf von Bernie Ecclestone für uns gestiegen sind, und weil Mercedes ist eine so starke Marke ist, dass es einfacher sein wird, gute Sponsoren zu finden. Gleichzeitig sinken die Kosten. Wir werden in naher Zukunft auf jeden Fall kostenneutral arbeiten können.
 
Jenson Button wechselt zu Konkurrent McLaren. Was haben Sie falsch gemacht?
Brawn: Seine Entscheidung ist eine Enttäuschung für mich, da wir gut zusammengearbeitet haben. Was auch immer erzählt wird, es lag nicht am Geld. Zum Schluss war unser Angebot sogar attraktiver als das von McLaren. Wir haben dann aber irgendwann die Reißleine gekappt. Es macht keinen Sinn, einen Fahrer zu beschäftigen, der mit seiner Wahl nicht glücklich wäre. Wir haben ihm geboten, was wir ihm bieten konnten. Dabei sind wir bereits an der äußersten Grenze angelangt. Weitere Verhandlungen hätten zu nichts geführt.
 
Warum?
Brawn: Weil Jenson offenbar den Kick suchte, im gleichen Auto gegen Lewis Hamilton zu fahren. Das ist mutig, und das muss ich respektieren. Es hat keinen Sinn, einen Fahrer festzuhalten, der bei uns nicht glücklich würde, weil er anderswo eine größere Herausforderung sieht.
 
Und was machen Sie jetzt?
Brawn: Den Markt sondieren und die beste Wahl treffen. Überstürzte Entscheidungen machen keinen Sinn. Unser Cockpit ist das attraktivste auf dem Markt. Jeder, der es ernst meint, wird darauf warten.

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