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Interview mit Ross Brawn

"Monza und Spa sollten uns liegen"

Ross Brawn Mercedes - GP Ungarn 2013 Foto: xpb 25 Bilder

Mercedes geht heimlich, still und leise auf Titeljagd. auto motor und sport sprach nach dem Sieg von Lewis Hamilton in Ungarn mit Teamchef Ross Brawn über das Wunder vom Hungaroring, den Fortschritt beim Verständnis der Reifen und die Titelchancen.

01.08.2013 Michael Schmidt
Es war das Worstcase-Szenario für Mercedes: Große Hitze, keine Testmöglichkeit mit den neuen Reifen, und trotzdem ein überlegener Sieg. Wie war das möglich?

Brawn: Die neuen Reifen können ein Faktor gewesen sein. Ich glaube fest daran, dass unsere Reifenprobleme eines Tages von Nutzen sein werden. Wenn wir sie gelöst haben, werden wir die Reifen auch besser als die verstehen, die von Anfang an damit klargekommen sind, aber nicht wissen warum. Heute war ein weiterer Schritt in diese Richtung. Sicher kannst du dir aber nie sein, wie du im Rennen gegen deine Mitbewerber dastehen wirst. Ein Schlüssel war, dass unsere Fahrer eine gute Fahrzeugbalance gefunden haben, um diese Reifen zum Arbeiten zu bringen.

Von welcher Fahrzeugbalance sprechen Sie?

Brawn: Ein leichtes Untersteuern. Es war schwierig, das genaue Maß zu finden. Hätten wir zu viel Untersteuern eingebaut, hätten wir in den langgezogenen Kurven zu viel Zeit verloren.

Haben Sie Ihr Reifenproblem jetzt endlich gelöst?

Brawn: Das darf man nie glauben. Es ist ein Problem, das mit jedem Rennen neu beginnt. Die Asphaltbeschaffenheit, die Temperaturen, die Reifenmischungen sind immer anders. Das Puzzle muss jedes Mal neu entschlüsselt werden.

Wie viel besser verstehen sie die Reifen jetzt als nach dem Rennen am Nürburgring?

Brawn: Das ist schwer zu sagen, weil wir in Ungarn einen neuen Reifentyp hatten. Da stellt sich die Frage: Welchen Beitrag hat der Reifen geleistet, welchen unsere Lektionen, die wir am Nürburgring gelernt haben? Die nächsten zwei Rennen werden wir ein besseres Bild bekommen.

Wie schwierig war es, den neuen Reifen in nur drei Tagen kennenzulernen?

Brawn: Jeder von uns hat in der Zwischenzeit Kontrollsysteme für die Reifen entwickelt. Wir generieren ständig Daten über Temperaturen, Verschleiß, Gripverhalten. Wir hatten uns schon vorher einige Theorien ausgearbeitet, was diese Reifen in Bezug auf die Fahrzeugabstimmung verlangen könnten. Mit unseren Simulationen lagen wir fast richtig. Ob das bei einem anderen Rennen mit anderen Mischungen und anderen Temperaturen auch so gut funktioniert, traue ich mich nicht zu sagen.

Der Kevlargürtel soll die Temperaturen auf der Lauffläche um zehn Grad senken. Das ist doch eine Steilvorlage für Sie?

Brawn: Möglich, ja. Aber sie wissen ja wie die Formel 1 funktioniert. Sie gehen trotzdem knapp unter die Maximaltemperatur, um das meiste aus dem Reifen herauszuholen. Deshalb sind sie auch mit den neuen Reifen wieder am Limit.

Sieben Pole Positions, drei Siege: Träumen Sie bereits vom WM-Titel?

Brawn: Wir werden in den nächsten paar Rennen angreifen und je nach Ergebnis entscheiden, wo wir für den Rest der Saison unsere Prioritäten hinlegen.

Sind Spa und Monza Mercedes-Strecken?

Brawn: Das Auto sollte auf diesen Strecken stark sein. Deshalb sind wir leicht optimistisch gestimmt.

Hatten Sie je Sorge, dass Lewis Hamilton dieses Rennen noch hätte verlieren können?

Brawn: Wir sind uns am Kommandostand nie sicher. Da schwingt immer noch die Angst mit, dass wir das Rennen nicht richtig lesen. Und dass etwas passieren könnte. So wie bei Lewis in Silverstone. Für uns war es ein stressiges Rennen, obwohl der Speed von Anfang an stimmte. Lewis fuhr immer so schnell wie er musste. Nach Nicos Motorschaden haben wir noch einmal gezittert. Da lag die Versuchung nahe, Lewis aufzufordern, den Motor im Schonbetrieb zu fahren. Aber wir hatten Angst, dass genau das ein Problem verursachen könnte. Wir wussten ja nicht, was Rosbergs Motorschaden ausgelöst hatte. Es hatte jedenfalls nichts mit den hohen Temperaturen zu tun.

Rosberg fiel gegen Hamilton ein bisschen ab. Was war da los?

Brawn: Nicos Rennen war gleich in der ersten Runde beeinträchtigt. Wäre er von Massa nicht getroffen worden, hätte auch er eine gute Figur abgegeben. Als er später wieder hinter Massa festhing, haben wir ihm gesagt, dass er erst in den letzten Runden einen Angriff starten soll, in der Hoffnung, dass Massas Reifen einbrechen. Leider konnten wir nicht mehr herausfinden, ob unsere Taktik funktioniert hätte.

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