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Interview mit Rubens Barrichello, Teil II

"Williams würde von mir profitieren“

Rubens Barrichello - GP Brasilien - 26. November 2011 Foto: xpb 9 Bilder

Rubens Barrichello hat unfreiwillig die Seiten gewechselt. Statt Formel 1 fährt er jetzt IndyCars. Im zweiten Teil unseres Interviews verrät der Rekordteilnehmer der Formel 1, dass er immer noch eine Chance für eine Rückkehr in den GP-Zirkus sieht.

14.08.2012 Michael Schmidt
Haben Sich die Autos für Sie im Vergleich zur Formel 1 langsam angefühlt?

Barrichello: Anfangs ja. Aber wenn du dann nach Indianapolis kommst, denkst du anders über den Speed.

Wie war diese Erfahrung?

Barrichello: Ich hätte es mir nie so schnell vorgestellt. Auf der Geraden hast du fast 380 Sachen drauf. In den Kurven wird das Auto ganz leicht, weil der Abtrieb fehlt. Am Renntag denkst du, dass die Zielgerade nur noch halb so breit ist. Die vielen Leute links und rechts auf den Tribünen lassen die Gerade wie einen Tunnel aussehen.

Hat Indy am Anfang Angst gemacht?

Barrichello: Nein, weil du zwei Wochen Zeit hast, dich daran zu gewöhnen. Und das Team war ganz toll zu mir. Sie haben mich aus dem Auto geholt, als ich mich gerade wohl zu fühlen begann. Ich wollte weitertesten. Nein, haben sie gesagt, steig bitte aus. Sie haben mir gezeigt, dass ich leicht übersteuernd durch die Kurven bin. Wenn du so weiterfährst, wirst du in der Mauer landen, haben sie mich gewarnt. Ich habe geantwortet. Keine Sorge, ich habe alles unter Kontrolle. Die Sprüche kennen wir, hieß es. Das sagen alle Rookies. Es macht keinen Sinn, so zu fahren. Versuche lieber dein Auto so abzustimmen, dass das Übersteuern verschwindet. Wenn es einmal zu viel wird. kriegst du das Auto nie mehr in den Griff und du landest in der Mauer. Das war mir eine gute Lehre.

Und wie war das Rennen?

Barrichello: Ich hätte in den Top 6 landen können. Dann wurde ich von meiner Unerfahrenheit ausgetrickst. Nach 180 Runden hat das Rennen noch einmal von vorne begonnen. Plötzlich sind alle wie die Verrückten gefahren und ich wurde auf Platz elf durchgereicht.

Wollen Sie dieses Rennen mal gewinnen?

Barrichello: Unbedingt. Es gibt zwei Rennen, die ich unbedingt gewinnen wollte oder will. Den GP Brasilien in Interlagos und das Indy 500.

Ist die Formel 1 für Sie beendet?

Barrichello: Ich glaube, es gibt noch einen Weg zurück. Ich benutze IndyCar nicht als Notlösung. Ich fahre, weil ich Rennfahren liebe.

Schauen Sie sich die Formel 1-Rennen an?

Barrichello: Jedes, bis ins kleinste Detail. Vom Freitag an, jede Trainingssitzung. Ich studiere jede einzelne Sektorzeit, ich bekomme von Freunden ganz genaue Informationen über die Reifen und die Autos, stehe extra dafür um fünf Uhr morgens auf. Meine Frau schimpft, dass ich komplett verrückt bin.

Wie gefällt Ihnen die Saison?

Barrichello: Sensationell, wie ausgeglichen das ist. Mir blutet das Herz, dass ich da nicht dabeisein kann. Verstehen Sie mich richtig. Ich bin happy, dass ich hier fahren kann, ich sehe mich nicht als Opfer. Ich finde es nur schade für Williams, weil ich glaube, dass ich dieses Jahr wirklich Großes hätte leisten können. Nicht nur für mich. Auch für das Team. Williams würde von mir profitieren. Ich wäre als Teamkollege ein guter Coach für Senna, Bottas oder Maldonado gewesen. Sie wären neben mir noch viel besser gefahren als sie es jetzt tun. Schauen Sie sich Maldonado an. Er hat letztes Jahr weniger Unfälle gehabt als in dieser Saison. Pastor ist superschnell. Mit mir an der Seite fährt er viel kontrollierter. Okay, sie haben viel mehr Punkte auf dem Konto als letztes Jahr. Aber mit diesem Auto müssten sie unter den Top 3 mitfahren.

Schauen Sie besonders auf Ihren Nachfolger Senna?

Barrichello: Ja, aber ohne böse Gedanken. Ich habe mich über seinen siebten Platz in Ungarn richtig gefreut. Er ist ein tolles Rennen gefahren. Wie gesagt: Wenn ich sein Teamkollege wäre, würde er noch mehr aus sich herausholen. Ihm fehlt Erfahrung. Und die bekäme er von mir. Er braucht jemand, der die ganzen kleinen Probleme löst. Dann kann er viel relaxter fahren.

War das gute Auto absehbar?

Barrichello: Ja, weil wir schon letztes Jahr die Probleme erkannt haben. Und weil die neuen Leute gut sind. Der Wechsel zu Renault hat einen großen Unterschied ausgemacht. Das große Plus dieses Motor ist seine gute Fahrbarkeit.

Wer wird Champion?

Barrichello: Alonso fährt in der Form seines Lebens. Er hat nicht das schnellste Auto, macht aber das beste daraus. Und jetzt nehmen sich seine Verfolger die Punkte gegenseitig weg. Am Ende wird es auf ein Duell Alonso gegen Vettel hinauslaufen.

Hat sie Sauber überrascht?

Barrichello: Sie hatten letztes Jahr schon ein gutes Auto, besonders in Bezug auf die Reifen. Jetzt haben sie noch Speed dazugefunden. Die sind in der Endphase eines Rennens immer unter den Schnellsten. Das kommt nicht von ungefähr.

Michael Schumacher wird in Monza 300 Rennen alt. Was sagen Sie dazu?

Barrichello: Ich mag es, wie entschlossen er an die Sache herangeht, und mir war klar, dass es nach drei Jahren Pause schwierig sein würde, sofort wieder Fuß zu fassen. Deshalb hat es mich echt überrascht, wie viel weniger Probleme Kimi damit hat.

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