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Formel 1: Sebastian Vettel im Interview

"Michael war früher unser Held"

Sebastian Vettel Foto: xpb 75 Bilder

Red Bull-Pilot Sebastian Vettel spricht im Interview mit auto-motor-und-sport.de über den Rummel um Michael Schumacher, die Konkurrenz von McLaren, Mercedes GP und Ferrari sowie über die Regeländerungen der Formel 1.

13.03.2010 Michael Schmidt

Als Michael Schumacher anfing, Weltmeister-Titel zu sammeln, drückten Sie noch die Schulbank. Wie fühlt es sich an, gegen den siebenfachen Weltmeister jetzt plötzlich zu fahren?
Vettel: Das ist für alle von uns etwas besonderes. Seit der Ära Alonso haben immer häufiger die jungen Fahrer das Heft in die Hand genommen. Robert Kubica, Lewis Hamilton, Nico Rosberg, wir alle kennen uns schon von der Kartbahn. Und als wir damals die Formel 1 verfolgt haben, war der Michael unser Held, unser Vorbild. Dass wir jetzt gegen ihn fahren, ist noch schwer einzuordnen. Im Auto spielt es keine Rolle, wer neben dir fährt. Da denkst du nicht über Namen nach. Du willst jeden schlagen, egal wie er heißt.

Seit wann kennen Sie Michael Schumacher?
Vettel: Das erste Mal habe ich ihm 1995 die Hand geschüttelt. Da war ich acht Jahre alt. Es war mein erstes Jahr im Kartsport. Michael war der große Star, gerade zum zweiten Mal als Weltmeister gekürt. Es gab damals den NRW-Cup, dessen Schirmherr der Michael war. Er kam immer zum letzten Rennen nach Kerpen, um die Sieger zu ehren und jeden Teilnehmer zu begrüßen. Das wollte sich natürlich keiner nehmen lassen. Deshalb waren die Starterfelder in Kerpen immer riesig. Im besagten Jahr 1995 waren im freien Training 94 Teilnehmer eingeschrieben, obwohl die Bahn nur für 34 Karts zugelassen ist. Das war schon kriminell. Ich bin einmal stehen geblieben. Mein Vater musste mit dem Wagen kommen, um mein Kart zu bergen, aber er schaffte es nicht mal über die Strecke, soviel Verkehr war da. Allein ins Finale zu kommen, war ein großer Erfolg. Am Ende bin ich Siebter geworden. Das war schon ein Erlebnis, dem Michael die Hand geben zu dürfen.
 
Haben Sie ihn später wiedergetroffen?
Vettel: Über den Gerhard Noack, der bereits Michael unterstützt hatte und später auch mich, kam ich 1997 richtig in Kontakt mit ihm. Ich stand da voller Ehrfurcht. Erst mal wollte ich ein Autogramm. Eigentlich mehrere für meine Kumpels gleich mit. Eines habe ich immer noch zuhause. Ich war natürlich aufgeregt, aber das hat sich schnell gelegt, weil er sich ganz normal gegeben hat. Wir haben dann über Fitnesstraining gesprochen. Das Thema hat mich interessiert.
 
Steht Schumacher auf der Rennstrecke jetzt unter Artenschutz?
Vettel: Die Chance, so einen wie den Michael zu schlagen, ist schon verlockend. Aber wenn der Helm mal auf ist, dann ist es egal, wer da links und rechts daneben steht, ob das Auto silber oder rot ist. Ich habe mich mit Michael immer gut verstanden. Ich sehe auch keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Wir sind drei Mal in Folge zusammen das Race of Champions gefahren, haben auch ein paar Kartrennen gemeinsam bestritten. Aber auf der Rennstrecke gibt es nichts zu verschenken. Da steht keiner unter Artenschutz. Vor zwei Jahren in Hockenheim hatte ich ein Duell mit Fernando um den achten Platz. Ich wusste schon, dass da der zweifache Weltmeister Alonso gegen mich fährt, aber darüber denkst du hinterher mehr nach als in der Situation selbst. Da ist er einfach ein Gegner, an dem du vorbei willst.
 
Beim gelben Helm von Senna im Rückspiegel haben die Leute aber schon Platz gemacht.
Vettel: Das war bei Schumachers rotem Helm nicht anders. Als ich 2006 ein paar Freitagstrainings fuhr, sind alle weggefahren, wenn der Michael von hinten kam. Er selbst hat aber nicht Platz gemacht, wenn du durch die Umstände mal schneller warst als er.
 
Hatten Sie einen ruhigen Winter dank Schumacher?
Vettel: Ja schon. Als das Comeback immer wahrscheinlicher wurde, hat sich das Interesse auf ihn konzentriert und für mich war es entspannter. Aber damit kann ich leben.
 
Haben Sie keine Probleme damit, dass sich jetzt alles um Schumacher schart, die Traube aber nach zwei Siegen von Ihnen vielleicht wieder zurückkehren wird?
Vettel: Die Formel 1 ist ein schnelllebiges Geschäft. Man ist immer nur so gut wie sein letztes Rennen. Es geht schnell auf und ab. Das wichtigste ist, dass man an sich selbst glaubt und dass man weiß, was man kann. Am Anfang der Karriere ist man da noch ein bisschen unsicher und denkt sich: Ach, all die großen Namen und ich mittendrin. Dann kommt der Schritt zu mehr Selbstbewusstsein und damit lernst du auch damit umzugehen, dass sich die Medien auf den letzten Sieger zuerst stürzen. Wenn die Traube mal woanders hinwandert, ist das nicht das Ende der Welt. Der eine nimmt es sich vielleicht etwas mehr zu Herzen, dem anderen ist es wurscht. Ich habe das ja schon mal erlebt, 2008 mit dem ToroRosso. Nach meinem Sieg in Monza war beim nächsten Rennen in Singapur der Laden voll. In Singapur wurde ich Fünfter, es war ein absolut tolles Rennen, ich habe mir die Seele aus dem Leib gefahren, doch ein Rennen später saß wieder die normale Anzahl von Leuten am Tisch. Die Begeisterung hat sich schnell gelegt. Dann ging es um die WM, und Massa und Hamilton standen im Fokus.
 
Stört es Sie nicht, dass es plötzlich nur noch ein Thema in Deutschland gibt?
Vettel: Der Michael ist in Deutschland eine feste Größe, er ist ein absoluter Superstar. Jeder, der normal denkt, kann nachvollziehen, dass die Rückkehr eines Superstars einen Riesenrummel erzeugt. Da wird mir nichts weggenommen.
 
Wäre es eine Bankrotterklärung für die jüngeren Fahrer, wenn euch ein 41-Jähriger auf Dauer die Show stiehlt?
Vettel: Klar. Das wäre in jeder anderen Sportart auch so. Wenn der Held der Vergangenheit alle wegputzt, die kurz vorher noch an der Spitze gefahren sind, wäre das kein Vergnügen. Der Michael ist unumstritten ein guter Rennfahrer. Er ist auch kein Spinner. Er kann die Situation seriös abschätzen. Man kann also davon ausgehen, dass er erstens fit genug ist, zweitens sich noch zutraut, ganz vorne mitzufahren. Ob es sich bewahrheitet darin liegt im Moment die Spannung. Er ist was Besonderes, ganz klar. Es hat keiner sieben Titel und 91 Rennen gewonnen. Als es bei mir letztes Jahr in Silverstone so gut lief und ich das ganze Wochenende beherrscht habe, da habe ich am Abend nach dem Rennen zu meinen Jungs gesagt: So, und diese Situation hatte der Michael Schumacher fünf Jahre lang gepachtet.

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