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Ist Eau Rouge wieder eine Kurve?

"Eau Rouge schwieriger als früher"

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - Spa-Francorchamps - 22. August 2014 Foto: Red Bull 97 Bilder

Die Kurve aller Kurven macht ihrem Ruf wieder Ehre. Eau Rouge war in den letzten Jahren zu einer Gerade verkümmert. Doch jetzt haben die Autos weniger Abtrieb und mehr Power. Die ganz große Mutprobe ist Eau Rouge trotzdem nicht mehr. Aber das Bergauf-Geschlängel ist wenigstens wieder eine halbe Kurve.

22.08.2014 Michael Schmidt

Früher war es die Kurve schlechthin. Eau Rouge flößte den Fahrer Respekt ein. Wer die Mutprobe am Wochenende ein Mal mit Vollgas schaffte, fühlte sich wie auf dem Gipfel des Mt. Everest. Doch dann fanden die Ingenieure immer mehr Abtrieb, und Eau Rouge wurde immer mehr zur Gerade. In den letzten fünf Jahren bedauerten die Fahrer: "Eau Rouge geht easy voll."

Die neue Formel 1 hat zehn Prozent weniger Abtrieb. Dafür fast 100 PS mehr Leistung. Man kommt dort unten in der Senke theoretisch um 10 km/h schneller an. Wie gesagt theoretisch. "Alles hängt davon ab, wie du deine Ers-Strategie einsetzt. Manche geben den Berg runter nicht die volle Elektro-Power und sparen sich den Saft für das Bergaufstück auf", erklärt Force India-Technikchef Andy Green.

Durch Eau Rouge rutschen bei Tempo 300

Die Fahrer waren gespannt, wie sich Eau Rouge mit den aktuellen Autos anfühlt. Sebastian Vettels Antwort fiel ernüchternd aus: "Easy voll." Er war allerdings nur elf Runden lang gefahren, bevor ihn ein Motorproblem lahmlegte. Teamkollege Daniel Ricciardo differenzierte: "Eau Rouge ist schwieriger als früher. Sie geht voll, aber oben auf der Kuppe kommt das Heck und du musst korrigieren."

Red Bull-Technikchef Adrian Newey zeigte sich nicht überrascht: "Das haben wir nach den Simulationen erwartet." Auf die Frage, wie das mit mehr Power und weniger Anpressdruck möglich ist, lächelt Newey süßsauer: "Wir kommen in Eau Rouge nicht schneller an als früher. Da fehlt uns die Leistung."

Valtteri Bottas zu seinem Eau Rouge-Abenteuer: "Ich bin schon in der ersten Runde voll durchgeheizt. Das Auto rutscht ein bisschen mehr als im letzten Jahr." Bei Tempo 300. Teamkollege Felipe Massa unterscheidet: "Mit den harten Reifen bist du am Limit. Mit den weichen geht es leichter."

Hülkenberg lupft unten, Perez oben

Nico Rosberg fährt Eau Rouge nur mit frischen Reifen voll. Je mehr sich die Sohlen abnutzen, umso schwieriger wird es, das Gas durchzutreten. Romain Grosjean warnt: "Wenn du in Eau Rouge zu wild rangehst, machst du dir schneller die Reifen kaputt. In einer Qualifikationsrunde mache ich es, im Rennen nicht. Jedenfalls nicht mit viel Benzin an Bord. Eau Rouge ist schwieriger geworden, aber lange nicht so anspruchsvoll wie die Pouhon-Kurven."

Die Force India-Piloten müssen in Eau Rouge lupfen. "Ich gehe oben am Hügel kurz vom Gas", gibt Sergio Perez zu. "Ich unten in der Senke", erzählt Nico Hülkenberg. Was ist der Unterschied? Hülkenberg verrät: "Das hängt von deiner Linie ab, wo du oben auf der Kuppe den Randstein treffen willst." Der lange Rheinländer schließt aber nicht aus, dass er die Kurve voll fahren wird: "Es geht, aber dann wird unser Auto am Ausgang ziemlich unruhig."

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