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Ist Mercedes zu schlagen?

Kurze Nase und Motor-Token

Formel 1 - GP Australien 2015 - Bilderkiste - F1 - Start Foto: Daniel Reinhard 20 Bilder

Mercedes fuhr zum Formel 1-Saisonauftakt wie erwartet in einer eigenen Klasse. Die Überlegenheit übertraf die schlimmsten Befürchtungen. Müssen wir uns jetzt auf 19 Doppelsiege gefasst machen? Es besteht Hoffnung auf Besserung. Red Bull und Ferrari haben noch kurze Nasen im Köcher. Und mehr Motor-Token.

19.03.2015 Michael Schmidt

Die Abstände waren erschreckend: 1,39 Sekunden im Training, 0,63 Sekunden Sekunden im Rennen. Die Niederlage für Ferrari, Williams und Red Bull wäre auch im Rennen größer ausgefallen, wenn Melbourne nicht so ein Benzinrennen gewesen wäre. Die Silberpfeile verbrennen mehr Sprit als im Vorjahr. Mehr Abtrieb und mehr PS haben ihren Preis. Das nächste Rennen in Malaysia ist unkritisch. Es könnte dort also eine größere Klatsche für die Konkurrenz geben.

Mercedes allein auf weiter Flur. Die Experten fürchten, dass es bis zum Saisonende so bleibt. Vielleicht sogar schlimmer als letztes Jahr. Und wenn Lewis Hamilton einen Lauf hat, könnte das ganz schnell eine eintönige Saison werden. Deshalb hoffen alle darauf, dass Nico Rosberg bald einen Fuß in die Tür kriegt.

Mercedes F1 W06 ist das fast perfekte Auto

Doch ist die Situation wirklich so aussichtslos? Für die nächsten Rennen mit Sicherheit. So einen Vorsprung fährt keiner innerhalb weniger Wochen zu. Auch Rosberg gibt zu: "Im Augenblick sind wir die führende Kraft. Wir müssen niemanden fürchten. Nur Defekte können uns stoppen. Das wird sicher noch eine Weile so bleiben, aber nicht ewig. Wenn die Regeln gleichbleiben, werden die anderen aufholen, weil unsere Entwicklungskurve flacher wird.“

Tatsächlich hat Mercedes-Chefdesigner Aldo Costa das fast perfekte Auto gebaut. Es generiert so viel Anpressdruck, dass man jetzt vom Benzinverbrauch eingebremst wird. Da ist offenbar ein Punkt erreicht, an dem die Ingenieure abwägen müssen, ob jeder weitere Schritt nicht mehr Schaden als Nutzen bringt. Solange Mercedes einen derart großen Vorsprung hat, tut der erhöhte Benzinverbrauch nicht weh. Hamilton und Rosberg können ihr Tempo von der Spitze weg diktieren. Sie müssten gar nicht voll fahren, um vorne zu bleiben. Nur das interne Duell treibt sie dazu.

Motor kostet Red Bull eine Sekunde

Ferrari und Red Bull könnten in der zweiten Saisonhälfte durchaus zur Gefahr für Mercedes werden. Für den WM-Titel wird es nicht mehr reichen, aber für GP-Siege. Wenn sie alles richtig machen. Beide haben sich mehr Motor-Token aufgehoben als Mercedes. Renault kann noch 12 Wertmarken einsetzen, Ferrari 10, Mercedes nur 7. Zwölf Token sind eine Menge Holz. Dafür dürfte Renault den halben Motor umbauen. Zum Beispiel Zylinderkopf (2), oberes Kurbelgehäuse (3), Brennraum (3), Ventiltrieb (2) und dazu noch die MGU-H (2).

Bei Renault kann es eigentlich nur besser werden. Selbst ohne den Einsatz eines einzigen Tokens. Zur Lösung der Software-Probleme muss man sich in der Token-Tabelle gar nicht bedienen. Technikchef Adrian Newey behauptet, dass die Motorprobleme eine Sekunde Zeit kosten. Weil man wegen der schlecht dosierbaren Leistung absichtlich PS zurücknehmen und Kompromisse bei der Fahrzeugabstimmung eingehen muss. Und bei Red Bull wartet noch die kurze Nase. Sobald sie den Crashtest geschafft hat, kann Newey auch das restliche Aerodynamik-Paket bringen. Da soll eine halbe Sekunde versteckt sein.

Ferrari sucht noch den Kurznasen-Vorteil

Für Ferrari gilt im Prinzip das gleiche. Beim Motor fehlt nicht mehr viel zu Mercedes. Williams-Technikchef Pat Symonds ist sogar der Meinung, dass zwischen den V6-Turbos von Mercedes und Ferrari praktisch Gleichstand herrscht: "Das sagen mir die Zwischenzeiten in Sektor 1 und die Topspeedwerte.“ Den großen Turbolader hat Ferrari noch in der Hinterhand. Er soll zur Europa-Saison kommen.

Ferrari muss beim Auto mobil machen. Es ist zwar erstmals seit Jahren wieder gut ausbalanciert, aber im Gegensatz zu den Silberpfeilen fehlt Abtrieb. Der Ferrari SF15-T trägt die Nase noch lang. Die meisten Teams gehen den umgekehrten Weg. Auch der Klassenbeste Mercedes. Man muss also davon ausgehen, dass das der richtige Weg ist. Ferrari hat aber bis jetzt mit der kurzen Nase noch nicht den entscheidenden Durchbruch zu mehr Abtrieb gefunden. Auch hier liegt noch viel Platz für Verbesserung.

Williams wird sich schwer tun, den Rückstand auf Mercedes entscheidend zu reduzieren. Erstens hat man den gleichen Motor. Und zweitens fehlen dem Team die Mittel, im Entwicklungswettlauf mit Mercedes, Ferrari und Red Bull mitzuhalten. Auf diesem Niveau macht das Geld den Unterschied. Rundenzeit wird heute im Optimieren von Details gefunden. Die geniale Idee gibt es nicht mehr.

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