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Jack Brabham gestorben

Ex-Weltmeister starb mit 88 Jahren

Formel 1 Weltmeister Jack Brabham Foto: xpb.cc

Der dreimalige Weltmeister Jack Brabham ist tot. Der Australier starb am Sonntag (18.5.2014) im Alter von 88 Jahren in seinem Haus an der Gold Coast. Brabham war der älteste noch lebende Weltmeister.

19.05.2014 Michael Schmidt

Jack Brabham sah gar nicht wie ein Rennfahrer aus. Eher wie ein Buchhalter. Und doch zählte der Mann aus Down Under zu den Rennfahrern, die Formel 1-Geschichte geschrieben haben. Nicht nur wegen seiner drei Titel 1959, 1960 und 1966.

Der am 2. April 1926 geborene Australier ist der einzige Formel 1-Pilot, der in seinem eigenen Auto den Titel holte. 1966 wurde er in einem Brabham BT20-Repco zum dritten Mal Weltmeister. Der technisch versierte Brabham hatte zusammen mit seinem Kompagnon Ron Tauranac das Auto selbst konstruiert. Es wird ein Rekord für die Ewigkeit bleiben.

Brabham forcierte das Mittelmotor-Konzept

Jack Brabham startete seine Formel 1-Karriere zu einer Zeit, in der seine Gegner noch Juan-Manuel Fangio und Stirling Moss hießen. Als 29-Jähriger kam er 1955 nach Europa. Und debütierte im gleichen Jahr in Aintree mit einem Cooper im GP-Sport. Er startete vom letzten Platz und fiel nach 30 Runden aus. Drei Jahre später holte er seine ersten WM-Punkte, 1959 in Monte Carlo seinen ersten Sieg.

Da war Brabham bereits ein integraler Bestandteil des Cooper-Rennstalls. Er trug maßgablich zu einer Revolution im Rennwagenbau bei. "Ich überzeugte John Cooper, seinen 1,5 Liter Sportwagen in einen Einsitzer zu konvertieren. Daraus wurde der erste Mittelmotor-Formel 1-Wagen." In der Abendschule hatte der gelernte KFZ-Meister sich das Grundwissen eines Ingenieurs beigebracht.

Brabham verschreckte auch die Yankees

Mit diesem Konzept gewannen Brabham und Cooper die WM-Titel 1959 und 1960. Brabham war bei dem Rennstall aus Surbiton Fahrer und Techniker. In einem Gespräch mit auto motor und sport aus dem Jahr 2000 erinnerte er sich: "Anfangs gab es keine Getriebe für diese Motoranordnung und die Power des Bristol-Motors, den wir damals noch hatten. Ich bin nach Paris gefahren und habe dort eine Firma aufgetan, die uns 20 Getriebegehäuse gegossen hat."

Der Erfolg kam, als Cooper auf Motoren von Coventry-Climax umsattelte. Trotzdem wunderte sich Brabham, dass es schon 1959 zum Titel reichte: "Es war mehr eine Überraschung als das Gesetz der Logik, dass wir Weltmeister wurden. Wir erwischten unsere Gegner von der Frontmotor-Liga einfach auf dem falschen Fuß." Der zweite Titel war ein Durchmarsch. Brabham gewann fünf von zehn Rennen.

Der Australier trug seine Revolution auch nach Indianapolis. Er verschreckte die Frontmotor-gläubigen Yankees mit einem Auto mit Motor hinter dem Fahrer. Die Amerikaner verspotteten die Konstruktion als "funny car". Sie lachten nicht lange. 1965 gewann Jim Clark in einem Lotus mit Mittelmotor.

Mit Pragmatismus zum dritten Titel

Ab 1962 fuhr Brabham auf Brabham. Er hatte genug bei Cooper gelernt und sagt sich: "Was die können, kann ich auch." Schon 1964 bauten Brabham und sein Freund Ron Tauranac ein Siegerauto. Den ersten Erfolg aber feierte nicht der Chef, sondern sein Angestellter Dan Gurney. 1964 in Rouen. Brabhams Chance kam 1966, als die Formel 1 von 1,5 Liter-Motoren auf Dreiliter-Triebwerke umstellte. Wieder triumphierte der Pragmatismus des Technikers Brabham.

Er ahnte, dass die neuen Dreiliter-Motoren mit Kinderkrankheiten behaftet sein würden. Deshalb gab er bei der australischen Firma Repco einen simplen V8 in Auftrag. Der hatte zwar 50 PS weniger als die Konkurrenz, aber er lieferte die Leistung über ein breites Drehzahlband, und er war zuverlässig. Brabham baute mit dem BT20 ein handliches und vor allem leichtes Auto und wurde mit vier Siegen zum dritten Mal Weltmeister.

Das große Finale: Chef gegen Angestellten

Ein Jahr später verteidigte der australische Rennstall seinen Titel. Aber nicht mit Brabham am Steuer sondern Denis Hulme. Im Finale in Mexico-City kam es zu Showdown zwischen Chef und Angestellten. Es wäre ein leichtes gewesen, Hulme einzubremsen, doch Brabham spielte mit offenen Karten. Er verlor. Als Repco begann seinen Motor auf vier Ventile pro Zylinder umzustellen, fingen die Probleme an. Aus einem zuverlässigen Paket wurde ein Minutenbrenner.

Brabham stellte auf Cosworth-Motoren um. 1970 unternahm er einen letzten Anlauf auf den Titel. Bis zur Saisonmitte war der Oldie der einzige Gegner von Jochen Rindt im übermächtigen Lotus 72. Jack Brabham hatte in seinem BT33 das Auftaktrennen in Südafrika gewonnen und dann zwei Rennen in der letzten Kurve der letzten Runde verloren. In Monte Carlo, weil er unter dem Druck von Rindt in der Gasometer-Kurve in die Strohballen schlidderte. In Brands Hatch, weil ihm das Benzin ausging. In beiden Fällen wurde er Zweiter. 

Das Schicksal klopfte an

Dann ging Brabham das Glück aus. Bis zum Saisonende gab es keinen einzigen Punkt mehr. Nur noch eine Reihe von Unfällen, bei denen das Schicksal anklopfte. Nach einem Reifenplatzer hatte sich Brabham bei Testfahrten in Zandvoort überschlagen und lag kopfüber im Dünensand. Benzin trat aus. Er wurde erst nach drei Minuten gefunden und aus seiner misslichen Lagen befreit. Er sagte später einmal: "Hätte nur einer eine Zigarette angezündet...". Einen Tag nach dem Todessturz von Jochen Rindt in Monza flog Brabham spektakulär in der Parabolica in die Leitplanken.

Brabham hatte seiner Familie versprochen, Ende 1970 den Helm an den Nagel zu hängen. Er tat es mit schwerem Herzen. Ein Jahr später verkaufte er zusammen mit Tauranac seinen Rennstall an Bernie Ecclestone. Seine Söhne Geoff, David und Gary brachten es in den unterschiedlichsten Motorsport-Kategorien zum Erfolg. Sir Jack tauchte von Zeit zu Zeit bei historischen Anlässen auf und fuhr auch im hohen Alter seine Rennautos so flott, als wäre er noch aktiv.

Brabham erlebte einen Generationswandel mit

Doch die Jahre nagten an ihm. Der Motorenlärm hatte ihn fast taub gemacht. Ein Unfall in Goodwood raubte ihm einen Teil der Sehkraft. In seinen letzten Jahren hing die PS-Legende von Down Under an der Dialyse. Immer seltener zeigte sich der 14fache GP-Sieger in der Öffentlichkeit. Er hatte den Wandel eines Berufsstandes am eigenen Leib miterlebt. Lächelnd sagte er uns vor 14 Jahren: "Aus Playboys wurden Profis, aus Rennfahrern, die Geld hatten, welche, die Geld verdienten." Auch Brabham kam durch den Sport zu Wohlstand. Er machte den Pilotenschein und flog in seiner eigenen Maschine zu den Rennen.

Brabham verbrachte seinen Lebensabend in seinem Haus an der australischen Gold Coast. Eine Woche vor dem Grand Prix, den er 55 Jahren gewann, ist er friedlich eingeschlafen.

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