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Formel 1: Jacques Villeneuve exklusiv

"Man muss Stefan GP ernst nehmen"

Jacques Villeneuve Foto: xpb 153 Bilder

Zuletzt wurde viel über ein Formel 1-Comeback von Jacques Villeneuve beim serbischen Rennstall Stefan GP spekuliert. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht der Weltmeister von 1997 exklusiv über seine Pläne.

19.02.2010 Michael Schmidt

Wo stecken Sie gerade?
Villeneuve: Bei mir daheim in der Schweiz. Ich bin gerade aus Kanada zurückgekehrt. Letzte Woche war ich Gast der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiel in Vancouver. Ich durfte als einer von acht Leuten die Olympische Fahne tragen. Das war eine ganz spezielle Ehre. Für mich wahrscheinlich meine einzige Chance, jemals an einer Olympiade teilnehmen zu dürfen.

Wie geht es mit Ihrer Rennkarriere voran?
Villeneuve: Ich studiere gerade im Internet, was alles über mich geschrieben steht.

Und was wissen Sie selbst darüber?
Villeneuve: So viel, wie ich darüber lesen kann. Es ist wirklich schwierig, den Überblick zu behalten, was mit den neuen Teams passiert. Hat Stefan GP schon offiziell einen Startplatz in der Formel 1?

Erst, wenn entweder USF1 oder Campos aufgeben. Und dann muss Stefan GP noch die Ausschreibung bei der FIA gewinnen, auch wenn das wohl nur Formsache ist.
Villeneuve: War das bei Sauber auch so?

Das war bei Sauber auch so. Erst als Toyota seinen Platz zurückgab, hat die FIA über den Nachfolger beraten.
Villeneuve: Warum macht man die Ausschreibung nicht sofort?

Weil zuerst einer der 13 Startplätze frei sein muss.
Villeneuve: Wäre es nicht im Interesse aller, dass in Bahrain alle Teams am Start stehen?

Haben Sie mit USF1 verhandelt?
Villeneuve: Ich habe ein paar Mal mit Peter Windsor gesprochen. Es war immer eine Frage des Geldes. Das ist nicht mein Ding.

Und mit Campos war es genauso?
Villeneuve: Ich habe Adrian Campos ein paar Mal im Fahrerlager getroffen, doch der Kontakt wurde nie intensiviert.

Bleibt noch Stefan GP?
Villeneuve: Wenn sie einen Formel 1-Platz bekommen, wäre das eine großartige Gelegenheit. So wie das Team angeblich von Bernie Ecclestone unterstützt wird, muss man davon ausgehen, dass sie es in die Startaufstellung schaffen. Dann muss man sie auch ernst nehmen. Mit dem Material von Toyota könnten sie das beste neue Team werden. Es wäre dann ja ein neues altes Team gewissermaßen. Der Herr Stefanovich scheint es wirklich ernst zu meinen mit seinem Projekt.

Sind Sie mit Bernie Ecclestone in Kontakt?
Villeneuve: Nicht wirklich.

Wie sehen Sie Ihre Chancen auf ein Comeback?
Villeneuve: Es gibt noch ein paar offene Plätze, und ich kann einem Team viel bieten. Ich habe Erfahrung, habe Rennen und Meisterschaften gewonnen. Das ist etwas anderes als ein Fahrer, der aus der GP2 kommt. Jedes der neuen Teams braucht Erfahrung. Sie müssen ja eine Richtung haben, wo sie hinlaufen sollen. Ich weiß, was es bedeutet, ein neues Team aufzubauen. Das habe ich schon mal gemacht. Außerdem sind die Autos jetzt wieder so wie ich sie mag, vergleichbar mit 1996 und 1997.

Wie mögen Sie denn die Autos?
Villeneuve: Mit Slicks, ohne den ganzen Elektronikkram wie die Traktionskontrolle. Auch die Rennen ohne Tankstopps kommen mir entgegen. Ich war in puncto Reifenverschleiß und Spritverbrauch immer besser als meine Teamkollegen. Seit ich Formel 3-Rennen fahre, war ich immer ein materialschonender Fahrer. Genau darauf kommt es jetzt an. In dem Jahr, als Reifenwechsel verboten waren, ich glaube es war 2005, da konnte ich oft als einziger Fahrer im Feld mit den weichen Reifen ins Rennen gehen. Die aktuellen Regeln sind perfekt für mich.

Was spricht gegen ein Comeback?
Villeneuve: Wenn ich einen Scheck von 20 Millionen Dollar mitbringen muss, sieht es schlecht aus. Doch wenn ich mal im Auto sitze, ist es für das Team viel einfacher, während der Saison Sponsoren zu finden. Ich könnte meine alten Kontakte zu Kanada spielen lassen. Als ich in die NASCAR einsteigen wollte, da haben mir einige potenziellen Sponsoren gesagt: Für die Formel 1 sofort, für die NASCAR nein. Ich werde aber jetzt nicht bei Firmen Klinken putzen und sagen, gebt mir mal Geld für ein Formel 1-Cockpit. Ich weiß ja nicht, was ich denen versprechen kann. Du musst schon einen reichen Vater haben, wenn du dich auf eine Fahrt ins Ungewisse einlässt. Ich will keinem Sponsor Versprechen abgeben, die ich nicht halten kann.

Michael Schumacher und Pedro de la Rosa kommen auch zurück. Ist Erfahrung wieder gefragt?
Villeneuve
: Auf jeden Fall. Vor einem Jahr dachte jeder, dass Barrichello ein alter Fahrer ist. Heute sagt das keiner mehr. Und Rubens ist nur ein halbes Jahr jünger als ich. De la Rosa ist in meinem Alter und Michael ist drei Jahre älter. In den letzten Jahren sind viele junge Fahrer in die Formel 1 gekommen. Einige wie Alonso oder Vettel waren gut, aber das hast du von den ersten Rennen an gesehen. Andere sind wieder in der Versenkung verschwunden, weil sie zu früh in die Formel 1 aufgestiegen sind. Inzwischen haben die meisten Teams kapiert, dass nur junge Fahrer keine Lösung sind. Du brauchst einen guten Mix. Die ideale Mischung ist ein junger und ein erfahrener Pilot. Dann hat der junge einen Maßstab. Sonst weiß er ja gar nicht, wo er steht.

Ist es ein Handicap, dass Sie seit Juli 2006 kein Formel 1-Rennen mehr gefahren sind?
Villeneuve: Es könnte beim ersten Test ein körperliches Handikap sein. Ich trainiere zwar bereits hart mit meinem Physiotherapeuten Erwin Göllner, aber du brauchst die Anspannung im Rennauto, um wirklich zu sehen, wo du physisch stehst. Wenn du fährst, ist der Herzschlag ganz anders als in einem Simulator. Davon hängt der Grad der Erschöpfung ab. Da ich in den letzten Jahren nie mehr diesen extremen Fliehkräften wie in der Formel 1 ausgesetzt war, gibt es da bestimmt ein paar versteckte Muskelpartien im Rücken, die man nur trainieren kann, wenn man mit dem Auto fährt. Der erste Test, das erste Rennen würde bestimmt etwas schmerzhaft sein. Aber nach einem Monat wäre ich wieder auf dem alten Stand. Als ich 1996 mit der Formel 1 anfing, habe ich null trainiert. Damals hatte ich keinerlei Probleme. Später habe ich gelernt wie wichtig Fitness ist. Deshalb habe ich mit dem Training nie aufgehört. Und ich bin zwischendrin ja auch Rennen gefahren.

Zum Beispiel?
Villeneuve: Alles mögliche: Kart, Motocross, Tourenwagen, NASCAR und Le Mans. Und ich habe mich überall sofort zurechtgefunden. Das ist ein weiterer Vorteil für mich: Ich brauche keine Anlaufzeit. Mein Renn-Nerv wurde ständig geölt, nur der Formel 1-Muskel lag brach. Doch den kriege ich schnell wieder auf das alte Niveau trainiert.

Wie wäre es, nach all den Jahren wieder gegen Michael Schumacher zu fahren?
Villeneuve: Das wäre absoluter Wahnsinn. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, so steht seine Leistung außer Zweifel: Er war für alle Fahrer im Feld immer die ultimative Herausforderung. Jeder will gegen den Mann fahren, der die meisten Rennen und Titel gewonnen hat.

Wie schätzen Sie seine Chancen ein?
Villeneuve: Sehr gut. Er hat den Biss, er weiß, was er will. Michael fährt sein ganzes Leben lang Autorennen. Er weiß, wie man Meisterschaften gewinnt. Selbst wenn das Auto am Anfang nicht das beste wäre, würde er einen Weg finden, es schneller zu machen. Mir scheint er genauso hungrig zu sein wie damals, als er mit der Formel 1 anfing. Ich kann mir sogar vorstellen, dass ihn die Pause noch besser gemacht hat. Wenn du lange in diesem Job bist, nutzt du dich ab. Das ist, als würdest du jeden Tag ein Steak essen. Dann hängt dir das zum Hals raus und du hast Lust auf Fisch. Nach zwei Jahren sagst du dir dann: Eigentlich war mein altes Leben doch toll. Warum soll ich es nicht wieder machen? Du realisierst: Dieses Leben ist alle Opfer wert, die es dir abverlangt. Das zweite Mal bist du noch besser, weil du die ganzen kleinen Fehler, die du vielleicht noch gemacht hast, kein zweites Mal mehr machen wirst.

Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Wochen aus?
Villeneuve: Ich werde sobald wie möglich wieder eine Trainingseinheit einschieben. Ich muss bereit sein für den Fall, dass sich eine Chance auftut. Und wenn es nicht beim ersten Rennen ist, vielleicht später. Im letzten Jahr gab es einige Fahrerwechsel unter der Saison. Ich glaube noch immer an mein Potenzial.

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