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Formel 1: Jaime Alguersuari exklusiv

"Schumacher hat mir mehr gegeben"

Jaime Alguersuari Foto: Red Bull 49 Bilder

Seit Melbourne kennen auch die deutschen Formel 1-Fans den Namen Jaime Alguersuari: 38 Runden lang stand der Youngster Michael Schumacher im Weg. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de erklärt der 20-Jährige, warum der Zweikampf für ihn so wertvoll war.

02.04.2010 Tobias Grüner

Sie haben in Melbourne lange gegen Michael Schumacher gekämpft. War das für Sie etwas Besonderes?
Alguersuari: Der Fight selbst war schon sehr beeindruckend für mich. Es ist immer schön, gegen jemanden auf der Strecke zu kämpfen. Wenn man nur alleine fährt, verliert man etwas das Rennfeeling. Ich genieße so etwas richtig. Es macht einfach Spaß. Erst Recht, wenn es gegen Michael (Schumacher, Anm. d. Red.) geht. Aber im ersten Moment habe ich gar nicht richtig registriert, dass es Michael ist. Klar habe ich ihn gesehen, aber das war nicht mein erster Gedanke. Es war einfach ein Fahrer, der wie ich um Punkte gekämpft hat. Wir sind einfach so schnell gefahren wie wir konnten. Die Pace war dabei ziemlich ähnlich. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, konnte er aufschließen und ich musste kämpfen. Das war schon ein tolles Gefühl. Das ging so 35 bis 40 Runden bis ans Ende des Rennens und es war ziemlich eng. Am Schluss hat er den Kampf gewonnen. Er hat den Punkt geholt und ich nicht. Aber ich habe nicht einfach einen Punkt verloren. Michael hat mir mehr als diesen einen Punkt gegeben. Das Gefühl richtig mit dem Auto zu kämpfen. Das habe ich vorher noch nie in der Formel 1 erlebt. Das ist gut für mich und meinen Lernprozess, um besser zu verstehen wo das Limit des Autos liegt, wo man einen Fahrer ausbremsen kann und wie man mit den Reifen umgeht. An welchen Stellen man mehr pushen muss und wo man weniger pushen muss. Denn ein Rennen ist lang und die Konditionen waren nicht einfach in Australien. Das Körnen der Reifen war zum Beispiel ein großes Problem.

Sie haben 38 Runden mit ihm gekämpft. Dann hat ein kleiner Fehler ausgereicht. War das sehr enttäuschend?
Alguersuari: Ja natürlich. Es waren ja nur noch fünf Runden bis zum Ziel. Wir haben sehr schnell auf Barrichello und de la Rosa aufgeholt. Als ich hinter de le Rosa lag, bekam ich in Kurve 14 etwas Untersteuern. In Kurve 15 hat Michael versucht mich auszubremsen. Er hatte ein bisschen mehr Geschwindigkeit in die Kurve hinein, deshalb habe ich versucht, ihn ein bisschen zu blocken. Wir haben uns dabei glaube ich sogar berührt. In Kurve 16 war er außen und somit in der nächsten Kurve wieder innen im Vorteil. Am Ende hat er es geschafft. Wir haben beide noch de la Rosa überholt. Ich habe zwar den Punkt verloren, aber Michael hat mir wie gesagt mehr als einen Punkt gegeben.

Schaut man bei so einem langen Zweikampf ständig in den Rückspiegel oder konzentriert man sich nur auf sich selbst?
Alguersuari : Wenn jemand mit dir auf einem Level ist und im Windschatten fahren kann, dann ist er ein bisschen schneller auf der Geraden. Die Mercedes sind momentan generell etwas besser als wir. Michael hat sehr hart gepusht. Ich habe nur versucht, keine Fehler zu machen, was nicht einfach war. Neben der Ideallinie war es noch sehr feucht. Da ist man schnell abgeflogen. Ich habe versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Natürlich habe ich auch in den Spiegel geschaut, wo Michael ist.

Wie oft schaut man in einer Runde denn in den Spiegel?
Alguersuari: Manchmal schaue ich gar nicht. Im Rennen habe ich vielleicht zehn bis 15 Mal geschaut. Das hing von meinen Rundenzeiten ab. Ich habe versucht, meinen Rhythmus zu fahren und keine Fehler zu machen. Die Pace war ziemlich gut. Ich war schneller als Barrichello und habe auf ihn aufgeholt. Wenn man meine Rundenzeiten mit denen der Spitze vergleicht, war ich nicht weit weg. Ich wusste, dass ich schnell bin und gegen Ende immer schneller werde. Manchmal hat Michael ein bisschen verloren und dann wieder aufgeholt. Wir waren ziemlich gleich schnell.

Michael hatte nach dem Rennen in den Medien ein paar nette Worte für Sie. Hat Ihnen das etwas bedeutet?
Alguersuari: Ich habe nicht gelesen, was er gesagt hat. Es war ein sauberer Fight und wir können beide happy sein. Es ist schwierig zu sagen, wer den Punkt mehr verdient hat. Wir haben beide gekämpft und am Ende hat er gewonnen.

Wäre es für Sie möglich gewesen, als ihr beide Pedro de la Rosa überholt habt, einen Nutzen aus der Situation zu ziehen und Michael wieder zu überholen?
Alguersuari: Vielleicht hätte ich es versuchen können, wenn wir noch ein paar Runden gehabt hätten. Aber es war schwierig. Es ist natürlich nicht einfach, Michael zu überholen. Er weiß ganz genau, wie er seine Position verteidigt. Ich muss dagegen noch ein paar Sachen lernen. Sag niemals nie, aber es wäre schwierig geworden.

Michael und Fernando sind nach der ersten Runde von hinten gekommen. Wie kam Alonso an Ihnen vorbei?
Alguersuari: Er hat mich an der Box überholt. Er wechselte eine Runde vor mir von Intermediates auf die weiche Mischung Slicks. Da war ich noch mit den Intermediates unterwegs. Wir sind uns also gar nicht auf der Strecke begegnet.

Wer hatte bei Toro Rosso die Idee zum zweiten Mal die Slicks zu wechseln?
Alguersuari: Als wir Slicks aufgezogen haben, war die Strecke noch nicht vollständig trocken. Die Wahrscheinlichkeit die Reifen zum Körnen zu bringen, war sehr hoch, denn die Temperaturen waren noch sehr niedrig. Die Strecke bot nicht viel Grip. Wenn man dann zu hart pusht, körnen die Hinterreifen. Dann hat man verloren. Wenn man die Rundenzeiten anschaut, dann gab es einen Moment im Rennen - als ich auch zum Wechsel ging - da sind die Rundenzeiten plötzlich abgefallen. In dem Moment haben die erfahrenen Piloten wie Michael und Barrichello verstanden, dass sie die Reifen härter rannehmen müssen, um mehr Temperatur rein zu bekommen und so das Körnen zu beseitigen. Aber so etwas fühlst du nur mit der Erfahrung. Ich habe diese Erfahrung nicht. Man muss sehr viel über die Reifen wissen. Die Reifen sind alles, quasi deine Füße auf der Strecke. Ich habe das noch nicht verstanden, dass ich die Hinterreifen stärker belasten muss, damit sie sich wieder erholen. Deshalb habe ich über Boxenfunk durchgegeben, dass ich neue Reifen brauche. Das war auch gar nicht so schlecht, denn wir waren anschließend schneller unterwegs. Aber ich muss noch mehr mit den Reifen arbeiten. Wenn du aus der GP2 oder der World Series oder der Formel 3 kommst, ist die Hauptaufgabe den Umgang mit den Reifen zu lernen.

Hat Technikdirektor Giorgio Ascanelli Ihnen nach dem Rennen erklärt, wie man das Körnen loswird?
Alguersuari: Ja, Giorgio kennt die Situation. Ich habe die Reifen nach dem Rennen angeschaut und mich mit den Bridgestone Technikern unterhalten. Am Ende geht es nur darum, mehr über den Reifen zu erfahren und zu verstehen, was für eine Art Körnen du hast und wie du es in den Griff bekommst. Das ist einfach eine Frage der Erfahrung und des Wissens.
 
Was gibt es sonst noch zu lernen? Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
Alguersuari: Du lernst immer dazu. Sogar Michael lernt noch bei seinem Comeback mit Mercedes. Für mich gibt es natürlich noch viel mehr zu lernen. Ich brauche dazu mehr Zeit, weil es keine Testfahrten gibt und ich die Strecken nicht kenne. Aber es ist besser als letztes Jahr, was positiv ist. Wir sehen große Fortschritte auf die Renndistanz. Da sind wir schon richtig gut. Die Reifen muss man wie gesagt noch besser verstehen lernen. Der Schwachpunkt liegt im Qualifying. Man muss analysieren, wo man mehr pushen muss, wo weniger und wie man die ganze Runde mit allen drei Sektoren zusammenbringt.

Ist das ein technisches Problem oder ein mentales?
Alguersuari: Es ist einfach die Erfahrung. Ich bin mir sicher, Barrichello könnte die Quali-Rundenzeit auch mit einer Zigarre in der Hand fahren. Für mich ist es schwierig, alles auf einer Runde abzurufen. Und das ist momentan der größte Unterschied zwischen Buemi und mir. Ich habe von den Toro Rosso Ingenieuren gehört, dass es Sebastian Vettel und Sebastien Buemi genauso erging. Daran müssen wir arbeiten. Im Rennen ist die Pace mit Buemi fast gleich.

Hätten Sie gerne einen erfahreneren Teamkollegen?
Alguersuari: Buemi ist in seiner Altersklasse und mit seiner Erfahrung wahrscheinlich der beste Fahrer der Welt. Er ist ein gutes Vorbild, an dem man sich orientieren kann. Nicht nur in der Formel 1 auch in der Formel 3 und in der GP2 hat er immer alles gegeben und war schnell unterwegs. Für mich ist es gut, Buemi als Teamkollegen zu haben, weil er immer am Limit fährt. Es ist immer gut zu sehen, wo er sich verbessern kann. Er kennt die Strecken und er versteht das Auto. Er sollte am Ende des Jahres vor mir liegen, das ist klar. Aber meine Pace kommt auch noch, da mache ich mir keine Sorgen. Im Moment tue ich, was ich kann. Wir können unsere Leistung realistisch einschätzen. Es ist gut, dass Buemi zeigt, was man mit dem Auto erreichen kann. Wir sind momentan nicht in der Lage Punkte zu holen oder in die Top 8 zu fahren. Aber hoffentlich schaffen wir das bis zum Ende des Jahres und wir beiden Fahrer verbessern uns. Vor allem natürlich ich.

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