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Lotus-Pilot Jarno Trulli im Interview

"Geld spielt eine zu große Rolle"

Jarno Trulli Foto: xpb 33 Bilder

Formel 1-Veteran Jarno Trulli spricht im Interview über die aktuelle Situation bei seinem Rennstall Lotus und beklagt, dass Geld im Motorsport immer wichtiger wird. "Der nächste Champion kommt aus einer reichen Familie", prophezeit der Italiener.

03.01.2011 Michael Schmidt

Wie sieht Ihre Saisonbilanz aus?
Trulli: Es war keine schöne Saison. Ein bisschen frustrierend, um ehrlich zu sein. Es war Teil des Geschäfts. Ich habe es als Übergangssaison akzeptiert.

Erinnert Sie diese Saison an Ihr erstes Jahr mit Minardi?
Trulli: Nicht wirklich. Es ist vielmehr so, dass ich von Anfang an wusste, dass es einen bestimmten Grund gibt, warum ich bei Lotus bin. Wir wollen das Team aufbauen. In der zweiten Saisonhälfte ging es nicht mehr darum einen Rückstand aufzuholen. Wir wollten nur diesen zehnten Platz verteidigen und die Leute hinter uns halten, die hinter uns lagen. Da kann man nicht von einem richtigen Kampf sprechen.

Was ist Ihre persönliche Motivation?
Trulli: Es geht nur darum das Auto so schnell wie möglich zu fahren. Leider hatte ich nicht das Auto, das ich für meinen Fahrstil brauche. Das hat die Aufgabe doppelt schwer gemacht.

Inwiefern?
Trulli: Ich brauche ein steifes Auto, das mir ein gutes Feedback gibt. Es war vom ersten Test an klar, dass dies bei dem Lotus nicht gegeben war.

Ist es als erfahrener Fahrer einfacher mit der Situation umzugehen als als junger?
Trulli: Hängt davon ab. Als junger Fahrer will man immer lernen und saugt alles in sich auf. Bei mir war es so, dass ich wusste, auf was ich mich einlassen würde.

Mussten Sie für Platz 15 mehr arbeiten als früher für einen Podestplatz?
Trulli: Platz 15 lag für uns außer Reichweite. Wenn keiner ausgefallen ist, war unsere bestmögliche Platzierung Rang 19. Das war mein persönlicher Sieg.

Wie schwierig war es von Toyota, einem der größten Teams, zu einem der kleinsten zu gehen?
Trulli: Als Fahrer betrifft dich das weniger als als Ingenieur. Ich merke es nur, dass die Entwicklungsgeschwindigkeit langsamer ist. Das hat sich aber schon zum Saisonende geändert. Wir sind auf diesem Gebiet auf dem besten Weg zum Mittelfeld aufzuschließen.

War die Kritik der Etablierten an den neuen Teams unfair?
Trulli: Ich verstehe sie aus ihrer Sicht. Aber am Ende fahren wir alle ein Rennen. Die Etablierten sollten die Leute mehr respektieren, die gerade erst mit diesem Geschäft angefangen haben. Andererseits stimmt es, dass vier Sekunden Abstand einfach zu viel sind. Aber wir haben ein Lehrjahr gebraucht, um nächstes Jahr besser dazustehen.

Können Sie 2011 zum Mittelfeld aufschließen?
Trulli: Wir brauchen einen großen Aero-Schritt, ein leichteres und steiferes Auto. Da ist sehr, sehr viel zu tun. Wenn wir das alles schaffen, dann können wir mit dem hinteren Mittelfeld kämpfen.

Sie sind einer von drei Fahrern, die mehr als 200 Grand Prix bestritten haben. Haben es junge Fahrer heute schwerer?
Trulli: Heute ist es für einen jungen Fahrer schwieriger nach oben zu kommen. Das Geld spielt eine zu große Rolle. Die unteren Serien sind zu teuer, angefangen von der Formel 3. Der nächste neue Champion wird vermutlich aus einer reichen Familie kommen. Ich könnte meine Karriere heute nicht mehr wiederholen.

Sind Sie überrascht immer noch dabei zu sein?
Trulli: Nun, ich habe wohl ein paar Fähigkeiten, die einige Leute immer noch an mich glauben lassen. Aber nur dabei sein, ist nicht das was ich wollte. Ich wollte Rennen und die Meisterschaft gewinnen.

Was ist der Vorteil von Erfahrung?
Trulli: Heute, wo es kaum noch Testfahrten mehr gibt, wird Erfahrung wieder wichtiger. Du musst sofort deine Leistung abrufen können. Da tun sich junge Fahrer schwer.

Wie schwierig ist es, neben dem Fahren am Limit noch andere Dinge im Cockpit zu tun?
Trulli: Für mich gar nicht. Das Fahren geht fast automatisch. Ein junger Fahrer ist mit einem Formel 1-Auto voll gefordert. Die GP2 hilft dir, den Fahrrhythmus und den Speed aufzusaugen, aber nicht die Komplexität um das Fahren herum. Wenn ich heute nach einer langen Pause wieder ins Auto steige, dann bin ich nach zehn Runden wieder drin. Je mehr Dinge limitiert werden, umso mehr kommt es darauf an, sofort bereit zu sein. Als ich aus dem Kart kam, musste ich fahren, fahren, fahren. Heute hätte ich da viel mehr Probleme.

Wie beurteilen Sie die Comeback-Saison von Michel Schumacher?
Trulli: Das kann nur er selbst beurteilen. Ich war der Meinung, dass er fünf, sechs Rennen brauchen wird. Wegen der langen Pause. Erfahrung, Reaktionszeit, Fahrkönnen wird ihm helfen. Dass es länger dauert, überrascht mich.

Haben Sie Angst vor Ihrem nächsten Leben?
Trulli: Im Augenblick denke ich nicht daran, weil ich zu konzentriert bin, das beste aus meinem Job zu machen. Aber wenn ich mal feststelle, dass ich nicht mehr schnell genug bin, muss ich mich damit abfinden. Zum Glück habe ich viele Hobbys außerhalb der Fahrerei. Nicht um mich auf mein neues Leben vorzubereiten, sondern weil ich viele Dinge einfach gerne machen. Der Weinbau, Joggen, Radfahren, ich baue mir außerhalb des Rennsports Geschäfte auf.

Welche Saison war die schönste?
Trulli: 2009, wenn das Auto auf bestimmten Strecken super ging. Eine Schande, dass das bei Toyota alles kaputtgegangen ist.

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