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Jean Alesi

GP USA 1990 "Senna wollte mich sprechen"

Jean Alesi Foto: Reinhard 29 Bilder

Motorsportlegenden erzählen die Geschichte ihres besten Rennens: In Teil zehn der Serie kommt Jean Alesi zu Wort. Der Franzose erzählt vom GP USA 1990 in Phoenix, als er Ayrton Senna in die Parade fuhr und sich hinterher eine Strafpredigt vom Brasilianer anhören musste.

02.08.2012 Michael Schmidt

Ich habe zwar in Montreal 1995 zwar einen Grand Prix gewonnen, doch das Rennen, an das ich mich am liebsten erinnere, ist das, das mich bekannt gemacht hat. Es war der GP USA 1990 in Phoenix.

Ich hatte bereits ein halbes Jahr auf Tyrrell hinter mir und ging in meine erste volle Saison. Kurz vor der Saison hat Tyrrell die Reifenmarke gewechselt - von Goodyear auf Pirelli. Ich war mit den Dingern zuvor nie gefahren. Mit nur neun Grand Prix auf dem Buckel war ich nicht gerade ein Reifenexperte.

Unser Konstrukteur Harvey Postlethwaite gab mir einen kurzen Einführungskurs: "Sie haben unheimlich viel Grip auf eine Runde, und sie federn auf den Bodenwellen mehr nach." Wir haben nicht viel erwartet. Die Pirellis waren aber für einen Straßenkurs ideal. Je weniger Grip der Asphalt bot, desto größer war ihr Vorteil.

Alesi mit Traumstart an die Spitze

Als wir Qualifikationsreifen drauf hatten, ging die Post richtig ab. Deshalb war ich richtig heiß auf das Abschlusstraining. Ich habe in meiner Begeisterung das Auto etwas überfahren, es hat aber trotzdem noch für den vierten Startplatz gereicht. Beim Start wollte ich alles wieder wettmachen. So weit vorne hatte ich noch nie gestanden. Berger, Senna, alle Stars um mich herum.

Ich komme super weg, schlage ein paar Haken, und auf einmal liege ich vor dem Bremspunkt in Führung. Da schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: Hoffentlich schauen jetzt alle meine Freunde aus Avignon zu. Ich malte mir aus, wie sie vor dem Fernseher sitzen und sich freuen. Für mich war ein Traum wahr geworden.

Ich bin der Sohn eines Karosseriespenglers. Die Formel 1 war für mich so etwas wie ein Doktortitel. Nach der ersten Kurve lag das ganze Feld hinter mir. Okay, sagte ich mir, der Zustand wird nicht lange anhalten. Schau, dass du wenigstens die erste Runde als Spitzenreiter überstehst.

Alesis harter Kampf gegen Senna

Ich habe Dampf gemacht, schaue in den Spiegel und konnte es nicht glauben: Die Autos darin wurden kleiner und kleiner. Ich wusste, dass die Pirellis die Renndistanz überstehen würden. Ich durfte sie nur nicht zu stark hernehmen. Deshalb habe ich etwas Fahrt rausgenommen, lag aber immer noch komfortabel in Führung.

Kurz vor Halbzeit des Rennens sah ich, wie ein weiß-rotes Auto im Spiegel immer größer wurde. Senna war im Anmarsch. Da dachte ich wieder an meine Kumpels. Die sollten daheim in Avignon ein bisschen Spaß haben. Der Senna kriegt mich nicht so einfach. Ich habe mich darauf konzentriert, so spät wie möglich zu bremsen.

Als er mich am Ende der Zielgeraden angriff, war ich später als spät auf der Bremse. Er aber auch. Ich dachte nur: Mein Gott, der ist ja wirklich ein Zauberer. Doch dann sehe ich, wie er das Auto nicht in die Kurve reinkriegt, und ich bin innen wieder durch. Ich habe vor lauter Freude in meinen Helm gebrüllt.

Senna trotz Sieg sauer

Nächste Runde gleiches Spiel. Doch diesmal hatte er gelernt. Er stellte sein Auto so hin, dass ich innen nicht mehr vorbeikam. Danach habe ich mich darauf konzentriert, den zweiten Platz nach Hause zu fahren.

Auf dem Podest kam Ayrton zu mir. Es missfiel ihm, dass da einer seine Kreise störte. Und dass ich so lange vor seiner Nase herumfuhr. Irgendwie wollte er mir erklären, dass er drauf und dran war, seine Reifen zu wechseln. Mir war das fast peinlich, dass er nach einer Entschuldigung suchte. Er war ein Super-Typ, aber da kannte er kein Pardon. Er war die Nummer eins. Das musste so ein Rotzlöffel wie ich akzeptieren.

Ermahnung vom Teamchef

Ken Tyrrell war überglücklich. Er lachte über das ganze Gesicht. Dann hob er den Zeigefinger und meinte ernst: "Jean, wir fahren nicht um Siege. Wir brauchen Punkte." Ich sagte zu ihm: "Ken, mich kümmern deine Punkte nicht. Wenn ich um den Sieg fahren kann, kämpfe ich bis zur letzten Patrone. War das nicht gut, als ein Tyrrell in der ersten Kurve geführt hat?" Ken schaute mich an und lächelte weise: "Jean, du musst nicht in der ersten, sondern in der letzten Kurve führen." Er war ein toller Teamchef.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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