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Formel 1: FIA-Präsident Todt als Vermittler

Formel 1 ohne Strafen, Affären und Skandale

FIA-Präsident Jean Todt Foto: xpb

Die Formel 1 probt den Frieden. Nach drei Jahren reich an Skandalen, Zoff und Prozessen sorgt die Königsklasse in dieser Saison bislang allein auf der Strecke für Spektakel. Garant für den Stimmungswandel und die plötzliche Einigkeit ist vor allem der neue Weltverbandschef Jean Todt.

20.04.2010

"Es herrscht eine konstruktive Atmosphäre. Ich hoffe, die Kooperation geht so weiter", meint Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Noch bis vor ein paar Monaten taumelte die Formel 1 von einer Krise in die nächste. Ein Spionage-Krimi um McLaren und Ferrari, eine Sex-Affäre von Todts umstrittenem Vorgänger Max Mosley, eine Lügen-Posse um Lewis Hamilton, eine Revolte der Top-Teams und schließlich noch ein Skandal um einen fingierten Unfall - der schillernde PS-Zirkus verkam immer mehr zum Schmierentheater.

Todt will derartige Schlammschlachten künftig verhindern. Ein halbes Jahr nach Amtsantritt beim Internationalen Automobil-Verband FIA hat der neue Präsident seinen Weg anscheinend gefunden. Sein auf Ausgleich zielender Stil unterscheidet sich sichtbar vom zuweilen diktatorischen Regiment des Briten Mosley. Der Franzose führe die FIA "eher wie eine Regierung und nicht wie ein Alleinunterhalter", befand Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Todt setzt Briatore-Drama ein Ende

Spätestens seit dem Deal mit Flavio Briatore in der vergangenen Woche ist der Vertraute des Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher aus Mosleys Schatten getreten. Wohl auf Betreiben von Todt einigte sich die FIA mit Briatores Anwälten, die von Mosley erwirkte lebenslange Formel-1-Sperre des Italieners wegen dessen Verwicklung in den Unfall-Skandal von Singapur in einen Bann bis Ende 2012 umzuwandeln. Briatore hatte zuvor erfolgreich in Paris geklagt. Die FIA musste neben einem weiteren Gesichtsverlust auch hohe Schadenersatzzahlungen und weitere Negativ-Schlagzeilen befürchten.

Pragmatiker Todt entschied sich, dem Drama ein Ende zu setzen. Zur Not eben auch um den Preis einer möglichen Rückkehr des Bösewichts Briatore. "Die ganze Sache stinkt zum Himmel", wetterte die Londoner Zeitung "Daily Telegraph". Doch einer weiteren Prozesslawine und neuerlichen Dauer-Debatten um den "Fall Singapur" hat Todt wohl einen Riegel vorgeschoben. "Jean Todt hat eine weise und angemessene Entscheidung getroffen", lobte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.

Distanzierung von Mosleys Vermächtnis

Schrittweise distanziert sich der 64 Jahre alte Todt, der in seiner Zeit als höchst erfolgreicher Ferrari-Teamchef auch "Napoleon" genannt wurde, von Mosleys Vermächtnis. Dabei war er der Wunsch-Nachfolger des früheren FIA-Chefs.

Als Konsequenz aus der Kritik der französischen Justiz an den Sportrechtsverfahren des Weltverbands, bei denen Mosley oft als Kläger und Richter zugleich auftrat, will Todt die "Strukturen verändern", wie er mitteilen ließ. Schon jetzt schickt die FIA zu jedem Grand Prix jeweils einen erfahrenen Piloten als Berater der Rennkommissare. Prompt haben nach strittigen Manövern moderate Urteile mit Augenmaß die bisweilen drakonischen Strafen der Vergangenheit abgelöst.

Kühles Verhältnis zu Ecclestone

Auch zu Rechte-Mitinhaber Ecclestone pflegt Todt ein deutlich kühleres Verhältnis als Mosley. Nicht selten paktierten die beiden Engländer gegen die Formel-1-Teams. Der neue Mann an der FIA-Spitze indes hat den Formel-1-Zampano schnell spüren lassen, dass er seine Politik nicht von Ecclestones Geschäftsinteressen leiten lassen will.

Die Rennställe und Hersteller sehen dies mit Wohlwollen, nachdem sie Mosley im Vorjahr nach langem Ringen zum Abtritt zwangen. Dauerhaft muss der Formel-1-Frieden deshalb aber noch lange nicht sein. "Es wird in der Zukunft schon auch wieder harte Kämpfe geben", warnt Mercedes-Mann Haug.

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