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Jean Todt schlägt zurück

FIA-Präsident kontert Ferrari-Kritik

Jean Todt - GP Italien 2013 Foto: xpb 28 Bilder

Die neue Formel 1 bekommt von vielen Seiten Kritik. Jean Todt hielt sich lange bedeckt. Jetzt schlägt der FIA-Präsident zurück. Er kritisiert die Schwarzmaler für ihr voreiliges Urteil und die wenig durchdachten Kommentare. Das Thema Benzinsparen sei überbewertet. "Es wurde immer Sprit gespart."

05.04.2014 Michael Schmidt

Die neue Energiesparformel der Formel 1 ist das Kind von FIA-Präsident Jean Todt. Der 68-jährige Franzose sieht für die Königsklasse keinen anderen Weg als mit der Technologie zu gehen, die auch im Serienauto eine immer größere Rolle spielt. "Ich finde es inakzeptabel, wenn ein Formel 1-Auto in der heutigen Zeit 100 Liter Benzin für 100 Kilometer braucht. Die Welt ändert sich."

"Wir haben die Verantwortung, mit der Zeit zu gehen. Es ist wichtig, dass die Formel 1 ihren Benzinverbrauch mit innovativer Technik reduziert. Energie-Rückgewinnung, Direkteinspritzung, Downsizing steht uns gut zu Gesicht. Wenn wir diesen Weg nicht gegangen wären, hätten sich einige Hersteller vielleicht verabschiedet. Ich bin mir nicht sicher, ob Mercedes geblieben wäre, ob Honda zurückkommen würde."

Sagt ein Filmemacher: Mein Film ist Mist?

Doch schon nach dem zweiten Rennen der neuen Epoche bläst der FIA der Wind hart ins Gesicht. Bernie Ecclestone, Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz und Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gehen mit dem neuen Gesicht der Formel 1 hart ins Gericht.
 
Jean Todt hatte lange geschwiegen. Jetzt nimmt er erstmals Stellung: "Wie kann man schon nach zwei Rennen ein Urteil fällen? Es kommt mir so vor, als würden George Lucas und Brad Pitt ihre nächsten Filme schlechtreden, nach dem Motto: Geht nicht ins Kino. Mir kommt es so vor, als nutzen einige Herren ihre Kritik dazu, um Politik in eigener Sache zu machen."

Todt wollte Vierzylinder, Ferrari den V6

Dann geht es ins Detail. Zum Thema der begrenzten Durchflussmenge meint der FIA-Präsident: "Ich könnte ohne diese Regel leben, doch die Ingenieure sagen mir, dass wir dann zehn statt fünf Motoren pro Jahr brauchen."
 
Das Pauschalurteil von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gegen die neue Spritspar-Formel kann Todt nicht verstehen. "Ich unterhalte mich gerne mit Luca. Aber erst, wenn er sich vorher mit seinen Ingenieuren unterhalten hat. Dann wäre er besser informiert."
 
"Es wurde immer Sprit gespart, auch mit den V8-Motoren im letzten Jahr. Da haben die Teams absichtlich weniger Benzin eingefüllt, um Gewicht zu sparen. Wie oft haben wir da am Funk gehört? Du musst Benzin sparen." Für den V6-Motor übernimmt Todt keine Verantwortung. "Ich wollte einen Vierzylinder-Motor. Es war Ferrari, die auf einen V6 gedrängt haben."

Autos langsamer wegen Reifen und Aerodynamik

Der Vorwurf, die Formel 1 sei zu langsam, kommt bei dem früheren Ferrari-Teamchef nicht an: "Es sollte mal einer genau analysieren, warum die Rundenzeiten gestiegen sind. Das hat nichts mit dem Motor zu tun. Der ist sogar ein bisschen stärker als im letzten Jahr. Es sind die harten Reifen, der geringere Anpressdruck und das höhere Gewicht. Die 50 Kilogramm kosten allein 1,5 Sekunden. Warten wir mal ab, wie sich die Rundenzeiten entwickeln. Am Ende des Jahres sprechen wir noch einmal."
 
An die Adresse von Red Bull gerichtet meint Todt: "Hat sich einer der Wettbewerber beschwert, als Red Bull letztes Jahr alles gewonnen hat? Mercedes, Renault und Ferrari wissen seit fünf Jahren, welche Motoren auf sie zukommen. Dabei hat Mercedes einfach einen besseren Job gemacht. So etwas passiert im Motorsport."

Todt verspricht besseren Sound

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Entwicklungsstopp aufgehoben wird, um Renault und Ferrari eine Chance zu geben, schätzt der erste Mann der FIA als gering ein: "Da müssten alle zustimmen. Warum sollten die Mercedes-Teams das tun?" Nur in einem Punkt macht Jean Todt ein Zugeständnis. Im Streitpunkt Motorenlärm verspricht der Franzose: "Ich kann verstehen, dass den Leuten der Sound zu leise ist. Wir werden nach Möglichkeiten suchen, wie wir die Motoren wieder etwas lauter machen können."

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